zur Navigation springen

360 Lehrer gesucht - Ministerium lässt sich Zeit

vom

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2013 | 05:42 Uhr

Schwerin | Noch nie gab es einen so großen Neueinstellungsbedarf an Lehrern wie für das kommende Schuljahr. Aber das Bildungsministerium lässt sich Zeit. In Nachbarbundesländern laufen die Bewerbungsgespräche schon auf Hochtouren, in MV waren bis gestern Abend 17.10 Uhr die Stellen noch nicht einmal ausgeschrieben. Die besten Lehrer sind schon weg, bevor MV zum Zuge kommt, befürchten inzwischen nicht wenige Schulleiter. 440 Neulehrer werden gesucht, hieß es gestern brandaktuell aus dem Ministerium. 80 davon werden mit Referandaren besetzt.

Karsten Hill, Schulleiter der Regionalschule Zehna bei Güstrow, ist sauer: „Wir werden nur noch den Rest bekommen“, schimpft er. Schon im Herbst hat er seinem Schulamt gemeldet, dass Zehna im Schuljahr 2013/14 vier Stellen zu besetzen hat, zwei Grundschullehrer, zwei Lehrer in der Sekundarstufe I für Mathematik und Musik. Zu Beginn des Jahres wurde die Abfrage vom Schulamt präzisiert und eine Ausschreibung für den 12. April avisiert. Schulleiter Hill führte mit Interessenten bereits Vorgespräche, um sie für Zehna zu gewinnen. Denn die Lehrer werden knapp. Hill ist seit 20 Jahren Schulleiter und weiß, wovon er spricht. 25 Lehrer hat er an seiner Schule, wenn vier fehlen, kann Hill den Unterricht nicht absichern. Auch Ingolf Litzner, Schulleiter am Gymnasium in Gadebusch, wartete seit Wochen auf die Veröffentlichung der Stellen: „Wir warten dringlichst darauf.“ Er hat noch mehr Stellen offen. Litzners Problem: Das nächste Schuljahr beginnt bereits am 5. August. Da ist der Korridor für Bewerbungsgespräche nicht mehr riesig.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) versucht hingegen die Gemüter zu beruhigen. Mit den Partnern des im letzten Jahr beendeten Lehrerpersonalkonzepts sei vereinbart worden, zunächst eine Lehrerbefragung durchzuführen. Mit ihr sollte ermittelt werden, wie viele Kollegen aus der Zwangsteilzeit wegen Schülermangels wieder zurück auf volle Stellen wollen, und wie hoch der tatsächliche Lehrerbedarf ist. „Wenn mehrere Tausend Lehrer befragt werden, verzögert sich der Prozess“, so Brodkorb gegenüber unserer Redaktion am Donnerstag. Gestern am frühen Abend nun die plötzliche Ausschreibung der Stellen im Internet. Eine Reaktion auf unsere Anfrage?

Prekär: Die Umfrage hatte ergeben, dass deutlich weniger Kollegen als erwartet aus der Teilzeit wieder in Vollzeit wechseln wollen. Zu den seit Jahren geplanten 200 neuen Stellen für das Schuljahr 2013/14, kommen nun noch einmal 240 Stellen hinzu. Für Simone Oldenburg, selbst Schulleiterin und Landtagsabgeordnete der Linkspartei, macht das die Situation noch schlimmer: „Wenn wir von einem Lehrermangel reden, dann müssen wir doch die offenen Stellen auch schneller ausschreiben als andere“, kritisiert sie den Minister.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen