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Stiftung Mecklenburg : 360-Grad-Fotos in Online-Museum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Stiftung Mecklenburg arbeitet an der ersten Exposition speziell zur Landesgeschichte – aber nicht in einem Haus, sondern im Internet

Ein barocker Stuhl mit goldenen Beinen dreht sich im Studiolicht. Das rund 250 Jahre alte Möbelstück, das im früheren Neustrelitzer Schloss gestanden haben soll, wird in der kleinen Werkstatt der Stiftung Mecklenburg in Schwerin rundherum und Stück für Stück detailliert abgelichtet. Doch die eigentliche Arbeit beginnt erst nach dem Fotoshooting, wie Gerald Freyer betont. Am Computer brauche er einen ganzen Tag, um die 24 Aufnahmen eines einzigen Objektes zu einer aufwendigen 360-Grad-Animation zusammenzubauen, sagt der Fotograf.

Seit gut zwei Jahren arbeite er mit Historikern, Textern und Programmierern gemeinsam im Auftrag der Stiftung am Aufbau eines Internet-Museums zur Landesgeschichte Mecklenburgs, erklärt Freyer.

Während der östliche MV-Teil seine eigene Schau im Pommerschen Landesmuseum Greifswald habe, fehle eine solche Einrichtung für Mecklenburg, bedauert Stiftungsgeschäftsführerin Regine Marquardt. Daher würden nun rund 200 000 Euro, darunter Fördergeld vom Land, in ein erstes, wenngleich nur virtuelles Landesmuseum investiert. Und wie in einer richtigen Ausstellung solle es in der simulierten Exposition viele historische Objekte „dreidimensional“ zu sehen geben.

Für den Aufbau des imaginären Museums reiste Freyer kreuz und quer durch Mecklenburg. Er besichtigte Schlösser, Kunstsammlungen, Technikschauen, Dorfmuseen, Heimatstuben. Aus 28 Häusern, von der Festung Dömitz übers Staatliche Museum Schwerin, das Agrarmuseum Dorf Mecklenburg oder das Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten bis zu den Barlach-Ausstellungen in Güstrow, trug er Belege zu tausend Jahren Mecklenburg zusammen. Die Internet-Exposition, die im Sommer ins Netz gehen soll, erscheint wie ein Puzzle aus Zeitstrahl, Texten, Bildern, Geschichten, Grafiken, Karten und eben den ungewöhnlichen Rund-um-Fotografien.

Mehr als 360 Exponate, von altslawischer Handwerkskunst bis hin zu zeitgenössischen Stücken, nahm Gerald Freyer vor Ort oder in nahe gelegenen Studios vor die Linse seiner digitalen Mittelformatkamera. Dank der hochauflösenden Aufnahmetechnik könne sich später der Betrachter ins Bild hineinzoomen, erklärt der Experte. Selbst mit bloßem Auge nicht sichtbare Details ließen sich stark vergrößert anschauen. „Der User kann ganz dicht ans Objekt heran, es rundherum wie mit einer Lupe genau ansehen, während Objekte in richtigen Museen oft nur durch Glasscheiben aus sicherer Entfernung betrachtet werden können.“ Das Online-Museum, das es auch in einer Smartphone-Version geben werde, solle vor allem Spaß machen und Jüngere anregen, gründlich in der Geschichte zu stöbern. Und: Alle Objekte könnten auch live in den realen Einrichtungen bestaunt werden, keins liege im Depot, verspricht Freyer. „Die virtuelle Schau soll ein Spiegelbild der tatsächlichen Kulturlandschaft sein und möglichst auch Leute in die Museen locken, die vielleicht seit Jahren nicht mehr dort waren.“

Experten sehen den Weg von Kunst und Kultur ins World Wide Web zwiespältig. Ein reines Internet-Museum könne reale Ausstellungen nicht ersetzen, sagt Anja Schaluschke, Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes. „Zu einem Museum gehört eine Sammlung plus die Aura authentischer Originale.“ Kunstfreunde wollten richtige Exponate sehen und nicht per Mausklick durch imaginäre Museen streifen. Dennoch: Online könne eine größere Öffentlichkeit erreicht werden, räumt sie ein. Etliche Museen setzten daher auf eine Digitalisierung ihrer Bestände. Spannend sei es, mit Techniken die Sammlungen für neue Zielgruppen zu erschließen.

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erstellt am 22.Apr.2014 | 21:40 Uhr

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