Deutsch-polnische Streifen : 312 Verdächtige gefasst

Eine deutsch-polnische Streife im Januar 2016 bei der Eröffnung der dritten Grenz-Dienststelle in Pomellen.
Eine deutsch-polnische Streife im Januar 2016 bei der Eröffnung der dritten Grenz-Dienststelle in Pomellen.

Seit Anfang 2016 fahren Polen und Deutsche gemeinsam Streife in der Grenzregion. Die Bilanz ist positiv, die Einheit wächst auf 60 Beamte

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22. November 2017, 21:00 Uhr

Die grenzübergreifenden Streifen polnischer und deutscher Beamter von Pomellen (Kreis Vorpommern-Greifswald) aus sollen ausgebaut werden. Das erklärten der Präsident der zuständigen Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, Bodo Kaping, und der Leiter des Grenzschutzes Danzig (Gdansk) Stettin (Szczecin), Pjotr Patla, gestern vor Journalisten in Pomellen.

Seit dem Start im Januar 2016 haben die 40 polnischen und deutschen Polizisten 312 Tatverdächtige festgenommen und 21 Autos sowie weiteres Schmuggelgut im Wert von rund 600 000 Euro beschlagnahmt.

Die gemeinsame Einheit soll mit Hilfe von EU-Geldern schrittweise von 40 auf 60 Beamte ausgebaut werden. Sie dürfen Straftäter auch im jeweils anderen Land verfolgen und festsetzen. „Diese Einheit hat Modellcharakter für viele Grenzregionen im Schengen-Raum“, sagte Kaping. „Grenzen haben nach wie vor eine wichtige Filterfunktion.“ Die grenzübergreifende Arbeit polnischer und deutscher Beamter von Pomellen aus sorge für mehr Sicherheit in Polen und Deutschland, betonte auch Patla. In Polen habe es dazu Befragungen in der Bevölkerung gegeben.

Besonders spektakulär war die Festnahme von drei Räubern Anfang 2016, die einen Händler im brandenburgischen Wensickendorf überfallen und mit Waffengewalt gezwungen hatten, seinen Tresor zu öffnen. Dort stahlen sie eine Münzsammlung, Schmuck und Bargeld und flüchteten nach Polen. Bei Stettin wurden sie samt Beute gefasst und später ausgeliefert. „Wir sind auch auf die Terrorgefahr vorbereitet“, erklärte Patla. Die Einheit sei mit dem Fahndungssystem von Europol und dem Schengen-System verbunden. Zugleich könne man die nationalen Systeme der Polizei nutzen. Auf diesem Weg fanden die Beamten gerade 25 gestohlene Fahrräder in Stettin, deren Wert auf 50 000 Euro beziffert wurde.

Kriminelle nutzen den Erkenntnissen zufolge vor allem die Autobahn 11 Berlin-Stettin über Pomellen als Transitweg nach Osteuropa. Deshalb würden die Straßen zwischen der Insel Usedom und Schwedt (Brandenburg) kontrolliert. Weitere deutsch-polnische Einheiten gibt es in Schwetig bei Frankfurt/Oder und Ludwigsburg bei Görlitz in Sachsen. „Das Wichtigste ist, dass wir die Fachleute hier in der Region behalten“, sagte Patla mit Blick auf den Fachkräftemangel.

Die „direkten Drähte“ nutzen der gemeinsamen Einheit aber auch bei eigenen Verlusten. So wurde vor wenigen Tagen beim Grenzschutz im polnischen Swinemünde eingebrochen und dort ein knapp 120 000 Euro teures Luxusauto gestohlen, das aus Schweden gekommen war und welches die Beamten beschlagnahmt hatten. „Das haben wir aber kurz danach wiedergefunden und den Fahrer festgenommen“, sagte ein Sprecher. Das Fahrzeug sei noch in Swinemünde gewesen.

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