Parchim : 300 Biker setzen eindeutiges Zeichen

Mitglieder des Motorradsportclubs Grabow (gelbe Westen) mit Landrat Christiansen am Ziel der Rundfahrt, die in Parchim endete. Foto: Horst Kamke
Mitglieder des Motorradsportclubs Grabow (gelbe Westen) mit Landrat Christiansen am Ziel der Rundfahrt, die in Parchim endete. Foto: Horst Kamke

Rund 300 Biker aus Borken und Ludwigslust-Parchim setzten mit ihrer Rundfahrt ein wahrnehmbares Zeichen für Demokratie und Toleranz. Veranstaltet wird die Tour vom Motorradsportclub Grabow und dem Altkreis Ludwigslust.

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13. Mai 2012, 07:23 Uhr

Parchim | Rund 300 Biker aus den Landkreisen Borken und Ludwigslust-Parchim setzten am Sonnabend mit ihrer Rundfahrt ein deutlich wahrnehmbares Zeichen für Demokratie und Toleranz. Veranstaltet wird die Tour seit 12 Jahren vom Motorradsportclub Grabow und dem Altkreis Ludwigslust. Die Grabower Biker zeichnen seitdem unter anderem für die Streckenplanung verantwortlich und unterstützen zudem die Polizei mit eigenen Ordnungskräften. Die Ursprünge der Rundfahrt stammen aus einer Zeit, als der Rechtsradikalismus in Mecklenburg-Vorpommern sich in martialischen Aufmärschen und militanten Aktionen zu manifestieren begann. "Gegendemonstrationen erschienen wenig originell", erinnerte Landrat Rolf Christiansen an die Idee einer Sternfahrt, "die auf den ganzen Landkreis ausstrahlen sollte". 2004 zog die NPD dann in die Kreistage der Altkreise Ludwigslust und Parchim ein und ist auch im neuen Kreistag vertreten. "Ich empfinde es als geradezu unerträglich, dass eine Partei mit verfassungsfeindlichen Zielen einen Kreistag nutzen kann, um ihr Gedankengut zu verbreiten", mahnte der Landrat an, "nicht darin nachzulassen, auf die Gefahr von rechts aufmerksam zu machen". Schirmherr Christiansen hatte es sich nicht nehmen lassen, auf einem Trike und in zünftiger Kluft an der Sternfahrt teilzunehmen. Sogar von Gemen aus, einem Stadtteil von Borken im westlichen Münsterland, hatte sich erneut eine Motorradgruppe in Richtung Grabow in Marsch gesetzt. Borken ist mit der Stadt an der Elde verschwistert. An der Grenze zum Altkreis Ludwigslust wurden die Münsterländer bereits am Freitag in Empfang genommen und abends mit einem Grillfest willkommen geheißen.

Am Samstagmorgen startete dann die Tour um 9.30 Uhr am Lindencenter in Ludwigslust. Die Route führte weiter nach Hagenow, Wittenburg, Stralendorf, Crivitz und Sternberg. Insgesamt war die Route zirka 160 Kilometer lang und endete in der Kreisstadt Parchim vor dem Stadthaus. "Ich begrüße es sehr, dass die Idee nun auch in die Region Parchim getragen wird", sagte Landrat Rolf Christiansen. Bezeichnend für die Sternfahrt sei, wegen ihrer Botschaft immer dort Station zu machen, wo viele Menschen sind - "also zum Beispiel kein Start am Rande der Stadt oder Pausen auf der grünen Wiese". Vor dem Rathaus in Hagenow wurden die Biker von der Kreistagspräsidentin und Bürgermeisterin Gisela Schwarz empfangen. Bei der Feuerwehr in Crivitz erfolgte die Mittagsversorgung, umrahmt von einem kleinen Kulturprogramm. Gegen 13.30 Uhr ging es weiter nach Sternberg, mit einem kurzen Halt auf dem Marktplatz zum Kaffeetrinken. Am Zielort hieß der Parchimer Bürgermeister Bernd Rolly die Teilnehmer willkommen. Danach bestand die Möglichkeit, die Tour im Rahmen des Stadtfestes ausklingen zu lassen. Die Münsterländer waren außerdem in Grabow zu einem weiteren Grillfest eingeladen.

Das Beachten von Spielregeln und der Straßenverkehrsordnung, die Besonnenheit der Biker und nicht zuletzt die gute Organisation waren maßgebend dafür, dass es in der Geschichte der Sternfahrt bisher so gut wie keine Unfälle gab. Auch die jüngste Auflage ging unfallfrei über den Rundkurs. Dafür sorgten auch die mitfahrenden Polizisten. Die medizinische Versorgung stellten Teams von DRK oder ASB sicher, um technische Pannen kümmerte sich ein Servicedienst.

Es sei gelungen, der rechtsextremen Szene mit der Rundfahrt eine augenfällige Aktion von großer Ausstrahlungskraft entgegenzustellen, würdigte der Landrat das Engagement aller Beteiligten. Die Idee, sich auf diese Weise gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz zu stellen, "hat über die Jahre nichts von ihrer Wirkung eingebüßt".

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