Nicht genutzter Strom : 30 Millionen für stehende Windräder

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Kunden in MV zahlen für nicht genutzten Öko-Strom höhere Entschädigungen

svz.de von
08. Juni 2017, 06:25 Uhr

Energieüberschuss im Windfeld: Stromkunden in Privathaushalten und in der Wirtschaft müssen in MV für nicht genutzten Öko-Strom immer höhere Millionen-Entschädigungszahlungen an die Betreiber der Öko-Kraftwerke überweisen. Im vergangenen Jahr waren rund 29,7 Millionen Euro an Abfindungen fällig, weil der grüne Strom wegen Netzengpässen nicht eingespeist werden konnte – etwa fünf Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor, geht aus dem jetzt von der Bundesnetzagentur vorgelegten neuen Netzbericht vor – die dritthöchste Entschädigungszahlung bundesweit. Nur in Schleswig-Holstein und Brandenburg musste noch mehr gezahlt werden. Insgesamt seien 317 Gigawattstunden nicht genutzt worden – der Jahresverbrauch von 63 000 Vier-Personen-Haushalten. Bundesweit summierten sich die Entschädigungszahlungen auf 373 Millionen Euro, 105 Millionen weniger als ein Jahr zuvor.

Die Millionenentschädigungen stoßen Wirtschaft und Opposition in MV sauer auf. Energieminister Christian Pegel (SPD) versuchte hingegen, die Mehrkosten kleinzurechnen. In MV habe sich die Einspeisung erneuerbarer Energien ins Stromnetz verbessert, erklärte er gestern und bezog sich dabei nur auf die Übertragungsnetze: Abregelungen in den Übertragungsnetzen seien für MV keine relevante Größe. Der deutlich größere Teil der Abschaltungen falle in MV aber in den nachgeordneten Verteilernetzen an. Pegels Rechnung stieß bei den Oppositionsparteien auf Kritik: Pegels Erfolgsmeldung könne nicht über die Probleme hinwegtäuschen, erklärte Energieexpertin der Linken-Landtagsfraktion, Mignon Schwenke. MV brauche neue Regelungen, die Kosten solidarisch zu verteilen. Kritik auch bei der AfD: Pegel mache sich die Welt, wie sie ihm gefällt, so der energiepolitische Sprecher Ralf Borschke.

Indes erhöht die Wirtschaft den Druck: Der Netzausbau und die Ökostrom-Abnahme müssten in Gleichklang gebracht und die Kosten für den Netzausbau gleich verteilt werden, forderte Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände MV. Insbesondere Gewerbekunden hätten höhere Stromkosten durch Netzentgeltbelastungen zu tragen als in Gebieten mit geringerem Ausbau von Öko-Strom, kritisierte Kai Retzlaff von der IHK Rostock. Für die Wirtschaft sei der Netzausbau wichtig, um eine sichere, bezahlbare und umweltverträgliche Energieversorgung zu gewährleisten, hieß es bei der IHK Schwerin.  
 

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