30 Jahre Deutsche Wiedervereinigung : Feiern zur Deutschen Einheit ohne „Veranstaltungsholzhammer“

Christian Hirte (l-r, CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Co-Vorsitzender der Kommission '30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit', Matthias Platzeck (SPD), Vorsitzender der Kommission, die Kommissionsmitglieder Maria Nooke, Judith Enders und Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, präsentieren bei einer Pressekonferenz eine Tafel mit der Aufschrift 'Jahre 30 Deutschland ist eines: vieles'.

Christian Hirte (l-r, CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Co-Vorsitzender der Kommission "30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit", Matthias Platzeck (SPD), Vorsitzender der Kommission, die Kommissionsmitglieder Maria Nooke, Judith Enders und Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, präsentieren bei einer Pressekonferenz eine Tafel mit der Aufschrift "Jahre 30 Deutschland ist eines: vieles".

„Wessi-Bashing“, Desinteresse am Osten, Unzufriedenheit: Es ist nicht alles eitel Sonnenschein im Lande drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung. Das sollen die Feierlichkeiten zum Jubiläum widerspiegeln.

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09. September 2019, 18:10 Uhr

Das dreißigjährige Jubiläum der deutschen Einheit will die Bundesregierung mit Bürgerdialogen, Reisen in Partnerstädte und symbolischen Aktionen feiern. Man wolle „vermeiden, dass der große Veranstaltungsholzhammer rausgeholt wird“, sagte der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

Es solle nicht das Motto gelten: „Nun seid stolz, und freut euch, und alles ist in Butter.“ Platzeck ist Vorsitzender der 22-köpfigen Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“, die am Montag in Berlin ihre Ergebnisse präsentierte.

„Wessi-Bashing“ nehme wieder zu

Das gesellschaftliche Klima derzeit sei schwierig, sagte Platzeck. Wenn man damit nicht sensibel umgehe, gebe es die Gefahr, dass sich Gräben weiteten statt zugeschüttet zu werden, sagte er mit Blick unter anderem auf die jüngsten Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Das „Wessi-Bashing“ nehme wieder zu im Osten, gleichzeitig wachse das Desinteresse im Westen.

Die Feierlichkeiten zwischen jetzt und dem Herbst 2020 sollten an die historische Leistung der Einheit erinnern - und dabei insbesondere jene Bürger zur Teilnahme zu bewegen, die eher abgeneigt seien. „Es soll, soweit das überhaupt erreichbar ist, in die Tiefe der Gesellschaft hinein gehen, um auch die zu erreichen, die immer der Meinung sind, mit ihnen rede ja sowieso niemand“, führte Platzeck aus. Dazu sollten Verbände und Institutionen ins Boot geholt werden: „bis zum Anglerverein, bis zum Gartenfreundeverein“.

Sonderzug von Dresden nach Prag und wieder zurück

Leitgedanke sei, so Platzeck: „So viel Staatsakt wie nötig, aber vor allen Dingen so viel Begegnung, so viel Aussprache, so viel Debatte, so viel vielleicht sich wieder füreinander interessieren wie irgendwie möglich“.

„Die Bundesregierung findet dieses Konzept gut und hat deswegen auch grünes Licht gegeben“, sagte der Staatssekretär Markus Kerber aus dem Innenministerium.

Geplant ist unter anderem ein Sonderzug von Dresden nach Prag und wieder zurück am Ende des Monats, wie der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU) sage. In die westdeutsche Botschaft in Prag hatten sich vor 30 Jahren DDR-Bürger gesammelt, die auf ihre Ausreise hofften. Am 30. September verkündete der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), dass die Ausreise mit einem Sonderzug möglich sein würde.

Veranstaltungen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze

Am 9. November, dem Tag des Mauerfalls, soll es statt zentraler Feierlichkeiten in Berlin diesmal an Orten entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze Veranstaltungen geben - „von der Küste angefangen bis runter nach Hof“ in Bayern, wie Platzeck sagte.

Die insgesamt 16 Dialoge sollen von Experten begleitet und ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage will die Kommission der Regierung dann ungefähr in einem Jahr weitere Empfehlungen präsentieren. Den Auftakt sollte am Montag eine Diskussionsveranstaltung in Berlin zum 30. Jahrestag des Gründungstreffens der DDR-Reformbewegung „Neues Forum“ bilden.

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