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2900 Schwarzbauten: Immer mehr Nachbarn zeigen Bauherren an

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erstellt am 12.Mär.2012 | 08:34 Uhr

Waren/Parchim | Weniger Einwohner, heißt nicht weniger Schwarzbauten: Die Baubehörden in Mecklenburg-Vorpommern mussten 2011 in 2900 Fällen gegen Bauherren vorgehen, die gegen Bauvorschriften verstoßen haben. Die Zahl der Fälle steigt jährlich um etwa zehn Prozent, ergab eine Umfrage unter den Bauämtern der Landkreise. "Viele verwechseln Genehmigungsfreiheit gleich mit Rechtsfreiheit", sagte Bauamtsleiter Andreas Wißuwa in Parchim. So würden meist Carports zu groß und Wintergärten illegal gebaut.

Zu den brisantesten Fällen gehören mehrere Baustopps auf Rügen und auf dem Darß, ein Bußgeld gegen die Betreiber der Skihalle Wittenburg und ein Streit um ein deutlich zu großes Ferienhaus eines Unternehmers in einem Landschaftsschutzgebiet in Waren.

Bei der Suche nach Bausündern kommen die Mitarbeiter der Bauämter in Grimmen, Parchim, Wismar, Rostock, Anklam und Waren kaum noch selbst zum Recherchieren. "Die meisten Tipps kommen von Nachbarn", sagte Hartwig Neubauer vom Bauamt an der Mecklenburgischen Seenplatte. Auch Gemeinde-Mitarbeiter meldeten den Kreisbauämtern immer wieder Verstöße gegen die Festlegungen. "In der Regel steckt Unwissen dahinter", erklärte Neubauer.

Das treffe zum Beispiel für illegale Werbung zu, die man an Straßen oder in denkmalgeschützten Stadtzentren immer wieder wegräumen muss.

Auch wenn viele Bauvorschriften inzwischen beseitigt wurden, gebe es immer noch viel zu bedenken. "So vergessen manche, dass auch nicht dichter als 30 Meter an den Wald heran etwas gebaut werden darf", erläutert Wißuwa. Die meisten Bausünder mit 660 Verfahren wurden im Landkreis Vorpommern-Greifswald ertappt, etwa 300 waren es im Kreis Mecklenburgische Seenplatte, etwa 140 Verfahren fallen jährlich in Rostock an, hieß es.

Ob der Bauunternehmer, der sein Haus statt eineinhalb gleich mit drei Geschossen am See baute, unwissentlich handelte, wird in Waren bezweifelt. Anwohner befürchten Nachahmer und warten gespannt, wie das Kreisbauamt entscheidet. "Noch liegen nicht alle Stellungnahmen vor", erklärte Neubauer.

Bei den Bußgeldern können die Bauämter bis zu 10 000 Euro verhängen. "Wenn man mit 100 Euro Strafe anfängt, bewegt sich kaum was", beschreibt Neubauer seine Erfahrung. Mit Bußgeldern enden auch die meisten Verfahren, vor Gericht werde nur ein Bruchteil der Verstöße ausgetragen.

Einen besonderen Aspekt müssen die Bauämter auf Rügen im Blick haben: Hier wurden 2011 zwei Gartenlauben in Sassnitz an einem Steilhang beseitigt - wegen Absturzgefahr. Bei weiteren Gebäuden wurde die Nutzung untersagt.

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