28-Jähriger von Montag an vor Gericht

Das Leiden der 17-jährigen Rebecca ist kaum nachvollziehbar. Sie wird nachts überfallen und vergewaltigt, dann tagelang in einer kleinen Wohnung gefangen gehalten und weiter misshandelt, bis ihr die Flucht gelingt.

svz.de von
22. März 2013, 07:49 Uhr

Überfallen, verschleppt und immer wieder missbraucht: Die 17-jährige Rebecca aus Rostock wurde im vergangenen Oktober Opfer eines grauenhaften Verbrechens, das die Hansestadt tagelang in Atem hielt. Als ihr Martyrium nach vier Tagen mit dem Sprung aus einem Fenster ein Ende fand, atmeten die Einwohner tief durch. Polizeipräsident Thomas Laum sprach zwar von Erleichterung und Freude, dass Rebecca am Leben war, aber angesichts des mehrfachen Missbrauchs und der Verletzungen nicht von einem guten Ende.

Von Montag an muss sich der 28-jährige mutmaßliche Peiniger Mario B. vor dem Landgericht Rostock für diese Taten verantworten. Der Mann ist früheren Angaben zufolge mehrfach vorbestraft, als Jugendlicher auch wegen eines Sexualdelikts. Laut Gericht hat er die Taten weitgehend gestanden. Sein Verteidiger wollte dies auf Anfrage nicht näher kommentieren. Er versicherte jedoch, dass am Ende des ersten Verhandlungstages einiges klarer sein werde. Mario B. wird Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Fraglich ist, wie viele der grausamen Details der Öffentlichkeit bekanntwerden. Nach Angaben des Gerichts ist es wahrscheinlich, dass zumindest bei den Aussagen Rebeccas die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird.

Der Fall hatte ganz Deutschland schockiert: Rebecca hatte in dieser Oktobernacht gegen 02.30 Uhr eine Discothek verlassen, wollte wohl zu einem Freund. Allerdings verpasste sie den Bus und ging zu Fuß zum nahen Stadtteil Dierkow - durch eine teilweise menschenleere Gegend. Dort traf sie auf Mario B.. Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Der Polizei zufolge rempelte B. Rebecca mit dem Fahrrad an, verletzte sie mit einem Messer schwer an der Hand und vergewaltigte sie. Die junge Frau hatte keine Chance, sich gegen den körperlich überlegenen Mann durchzusetzen. Nach der Vergewaltigung brachte er sie in seine kleine Wohnung an einer viel befahrenen Durchgangsstraße. Dort fesselte, bedrohte, schlug und vergewaltigte er sie. Fast vier Tage lang hielt er Rebecca in der abgedunkelten Wohnung in seiner Gewalt, bis ihr durch einen Sprung aus dem Fenster die Flucht gelang.

Die Polizei durchsuchte mit Hundertschaften die teils trostlose Gegend. Gleichzeitig wurden die einschlägig bekannten Straftäter aufgesucht. Die Wohnung des Mario B. wäre nur kurze Zeit nach Rebeccas Flucht an der Reihe gewesen, versicherte damals die Polizei.

Nicht bekannt ist, wie es Rebecca nun - rund ein halbes Jahr nach ihrem Martyrium - geht. Der Berliner Kriminalpsychologe Christian Lüdke sprach nach der Tat davon, dass das Mädchen sicher eine gute Chance habe, die Tat gut zu verarbeiten. Vergessen werde sie die schrecklichen Erlebnisse allerdings nie.

Nach der Entführung wurden in Rostock mehrere Hilfsangebote für Rebecca initiiert. So sammelten lokale Medien rund 14 000 Euro, spendeten Reisen. Die Stadt Rostock reagierte mit der Einrichtung eines Jugendtaxis. Allerdings ging dafür rasch das Geld aus, derzeit werde nach Möglichkeiten einer Fortsetzung gesucht.

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