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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 15:14 Uhr

28 000 leere Stühle und keine Stimmung

vom

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2011 | 07:51 Uhr

Rostock | Ein ganzes Stadium für 40 Zuschauer. 28 000 Stühle bleiben am 19. Spieltag in der DKB-Arena leer. Niemand muss lange einen Parkplatz suchen, keiner steht am Eingang an und keiner vor den Toiletten. Es wird für alle eine völlig neue Erfahrung - alleine in der DKB-Arena.

Gähnende Leere breitet sich im Stadion aus und hinterlässt eine beklemmende Atmosphäre. Keiner stimmt die Hymne "Hansa forever" an und niemand schwenkt den Schal. Es sind diese ersten Minuten, die sonst einstimmen und nun fehlen. Der Blick wandert über trostlos leere Ränge. Es gibt nur verhaltenen Jubel, als Marcel Schied nach knapp 40 Sekunden das erste Tor schießt. Es geht kein Raunen über die Tribünen hinweg, als Dresdens Zlatko Dedic alleine vor dem Hansa-Kasten steht und es schafft, daneben zu schießen. Es gibt keine Pfiffe für einen Elfmeter, der keiner ist. Niemand springt auf, als Rostocks Spieler einmal aufs Dresdner schießen, ein zweites Mal und auch den dritten Versuch vergeigen. Es gibt keine Stimmung.

All das ausgerechnet gegen Dynamo Dresden. Kaum eine Begegnung im hanseatischen Spielplan erregt die Gemüter mehr. Wären Paderborn oder Fürth nach Rostock gekommen, wäre ein Spiel ohne Zuschauer auch nicht schön gewesen. Aber nun muss die Arena bei diesem Ostderby leer bleiben. Ausgerechnet!

So wird dieses Spiel ist für alle Beteiligten ein ungewohntes Erlebnis. Dresdens Trainer Ralf Loose hatte vorher erklärt, an einer "Kommunikationsstrategie" zu arbeiten. Das ist notwendig, denn alles, was die Spieler über den Platz brüllen, ist auf der Tribüne zu hören. Loose selbst ist dann auch nicht zu überhören, als er wie ein Gummiball an der Seitenlinie auf und ab hüpft und über einen nicht gegebenen Einwurf schimpft. Bei Hansa geht es nicht weniger leise zu. Kostprobe: Hansa Trainer Wolfgang Wolf ruft seiner Mannschaft beschwörend zu: "Auf geht’s! Jetzt zeigt Euch!" Torhüter Kevin Müller brüllt Kommandos: "Nach rechts, nach rechts. Verschiebt Euch."

Es ist erst das zweite Geisterspiel in der deutschen Fußball-Geschichte. 2004 erwischte es Nürnberg gegen Aachen. Jetzt hat es den FCH ereilt. Ohne Vorankündigung trifft diese drakonische Strafe des DFB den Verein nicht. Als es vor vier Wochen gegen St. Pauli Ausschreitungen gibt, platzt dem DFB der Kragen. Hat der Verein genug unternommen, um das zu verhindern? Darüber ließe sich trefflich streiten. Hansa musste in den vergangenen Jahren Hunderttausende Euro und DM für Strafen zahlen und ohne Fans zu Auswärtsspielen fahren. Fans, sollte sie wirklich welche sein, randalierten in Stendal auf dem Bahnhof und in Essen im Stadion. Der Ruf, er eilt Hansa voraus und er verkündet nichts Gutes. Dieses Spiel hatte eigentlich alles, was es für eine gute Sonntagnachmittag-Unterhaltung braucht. Nur eben nicht das, was ein richtiges Fußballspiel ausmacht: Die Suche nach einem Parkplatz, die Schlange beim Einlass, der Jubel, die Pfiffe, die Fans.

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