266 Menschen warten auf ein Organ

Der Organspendeausweis ist unter anderem bei Krankenkassen erhältlich. Deutsche Stiftung Organtransplantation
Der Organspendeausweis ist unter anderem bei Krankenkassen erhältlich. Deutsche Stiftung Organtransplantation

von
02. Mai 2012, 07:26 Uhr

Schwerin | "Ich finde, der Tod soll nicht umsonst sein." Diesen Satz von Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) würden auch die meisten Mecklenburger und Vorpommern unterschreiben. Einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge stehen neun von zehn Erwachsenen dem Thema Organspende positiv gegenüber. Allerdings ergab die Umfrage auch: "Nur 14 Prozent der Menschen hier im Land haben einen Organspendeausweis", so der Leiter der TK-Landesvertretung, Volker Möws. Für Angehörige könne das im Todesfall zu einer belastenden Situation führen - jedenfalls dann, wenn sie nicht wissen, wie der Verstorbene zu Lebzeiten zu dieser Frage stand.

In Mecklenburg-Vorpommern ist diese Verunsicherung ein Hauptgrund für den Rückgang der Organspenden im vergangenen Jahr. "Zunehmend lehnen Angehörige eine Organspende ab, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten dazu keine Entscheidung gefällt hatte", bedauert die Ministerin. Zwar nimmt Mecklenburg-Vorpommern mit 20 Spendern auf eine Million Einwohner nach wie vor eine Spitzenposition ein - bundesweit werden nur 14,7 Spender auf eine Million Einwohner verzeichnet. Im Jahr 2010 waren es hierzulande aber noch 23 Spender auf eine Million Einwohner. Der rückläufige Trend ist ein bundesweiter, deutschlandweit gab es 2010 noch 15,9 Spender auf eine Million Einwohner. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation ist dieser Rückgang auch damit zu erklären, dass mehr Menschen eine Patientenverfügung besitzen, in der sie sich gegen lebensverlängernde Maßnahmen aussprechen. Dazu kommt ein weiterer, grundsätzlich positiver Grund: Die Zahl der Verkehrstoten ist zurückgegangen - und damit auch die Zahl der potenziellen Organspender.

Der Bedarf an Spenderorganen ist aber unverändert hoch: In Mecklenburg-Vorpommern warten gegenwärtig 266 Menschen auf ein Organ, darunter auch Kinder. Am meisten werden Nieren gebraucht: 191 Kranke aus dem Land stehen auf der entsprechenden Warteliste der Stiftung Eurotransplant, so Manuela Schwesig.

15 500 Menschen aus Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und seit Jahresbeginn auch Ungarn sind gegenwärtig als potenzielle Organempfänger bei der Stiftung registriert, so deren Medizinischer Direktor, Dr. Axel Rahmel. Fast 70 Prozent von ihnen kämen aus Deutschland. Leider sei die Spendenbereitschaft hierzulande aber geringer als beispielsweise in Belgien oder Österreich. Durch die Gesetzesänderung hin zu einer Entscheidungslösung erwartet Eurotransplant auch aus Deutschland mehr Organspenden. "Man sollte seine Angehörigen mit dieser Entscheidung nicht allein lassen", wirbt Sozialministerin für die Auseinandersetzung mit dem Thema. Und TK-Landeschef Volker Möws macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: "Die Wahrscheinlichkeit, selbst ein Organ zu brauchen, ist erheblich höher als die Wahrscheinlichkeit, einmal ein Organ zu spenden."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen