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Tod aus Leichtsinn : 25 Menschen sterben in Badesaison

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Angesichts von 25 Menschen, die in dieser Saison bei Bade- oder Sportbootunfällen in MV ums Leben gekommen sind, hat die Wasserschutzpolizei für die kommende Saison 2014 zu mehr Umsicht aufgerufen.

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erstellt am 09.Sep.2013 | 11:24 Uhr

Rostock | Angesichts von 25 Menschen, die in dieser Saison bei Bade- oder Sportbootunfällen in MV ums Leben gekommen sind, hat die Wasserschutzpolizei für die kommende Saison 2014 zu mehr Umsicht aufgerufen. "Einer der Hauptgründe für die Unfälle ist die Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit", sagte der Sprecher der Wasserschutzpolizei, Hartmut Richter. Dies gelte beim Baden, aber auch beim Führen von Booten. Hinweise auf Gefahren wie rote Flaggen am Strand oder Signale für Bootsführer würden aus purem Leichtsinn nicht beachtet. Auch schwierige Witterungs- und Windverhältnisse würden oft einfach ignoriert. Am kommenden Sonntag endet die Badesaison. Richter betonte, dass die Zahl der Opfer mit denen in den Vorjahren vergleichbar sei. Es gebe aber deutliche Verschiebungen: 2012 habe es deutlich mehr Opfer bei Sportbootunfällen als 2013 gegeben, in diesem Jahr seien es wesentlich mehr Badetote.

Dies bestätigte auch Benjamin Weh ner, Einsatzleiter der Wasserwacht in Heiligendamm. Zu Beginn des Sommers, als alle Leute nach dem langen Winter sonnenhungrig waren und baden gehen wollten, habe es extrem starke Winde gegeben. Dies habe in vergleichsweise kurzer Zeit zu vielen Todesfällen und Rettungseinsätzen geführt.

Wie ein Sprecher des Sozialministeriums betonte, müsse auch auf die verschiedenen Unfallursachen geachtet werden. "Es gibt keine Definition eines Badetodes", sagte er. So würden die derzeit veröffentlichten Zahlen auch nur Anhaltspunkte liefern. In Kürze gebe es ein Treffen von Ministerium, Rettungsdiensten und Wasserschutzpolizei, bei dem auch dieses Thema behandelt werden soll. Dann soll es auch um die Finanzierung von Rettungseinsätzen gehen.

Die Präsidentin des Tourismusverbands, Sylvia Bretschneider, hatte jüngst beklagt, dass Rettungsdienste manchmal auf ihren Kosten sitzen bleiben, insbesondere dann, wenn ein Einsatz außerhalb des Wassers abläuft. Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte angekündigt, mit einer Gesetzesänderung dies Problem anzugehen.

Nach Worten von Armin Jäger, Präsident des DLRG-Landesverbandes, haben viele Menschen wichtigste Tugenden vergessen. Vor allem ältere Menschen überschätzten ihre Leistungsfähigkeit, bei ihnen bestehe die Gefahr eines Kreislaufversagens. "Viele sind auch völlig untrainiert und vergessen, dass die Ostsee keine Badewanne ist."

Ein Beispiel von Fahrlässigkeit: Der DLRG hatte im Juli über einen Vorfall in Prerow berichtet, bei dem drei Kinder zwischen fünf und elf Jahren nach dem Kentern ihres Schlauchboots 80 Meter vom Ufer entfernt nur dank des Eingreifens eines in der Nähe schwimmenden Mannes gerettet wurden. Ein Fünfjähriger war Nichtschwimmer und trug keine Schwimmweste. "Viele der tödlichen Unfälle wären mit einer Rettungsweste zu vermeiden gewesen", so der DLRG.

Der Landesreferent der DRK-Wasserwacht, Thomas Powasserat, sieht vermehrt Arbeit auf die Rettungsdienste zukommen. Es gebe immer mehr Veranstaltungen im Sommer wie zum Beispiel Langstreckenschwimmen. "Wir haben da immer gesagt, da müssen Rettungsschwimmer mit." Das Gleiche gelte für Segelveranstaltungen, bei 80 Prozent der Regatten gebe es keine Begleitung. "Gerade, wenn Kinder segeln, müssen Rettungsschwimmer hin."

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