25 Jahre SVZ.de : Die erste deutsche Tageszeitung im Internet

Eine Reise in die Vergangenheit: So änderte sich im Laufe der Zeit das Gesicht unserer Webseite.

Eine Reise in die Vergangenheit: So änderte sich im Laufe der Zeit das Gesicht unserer Webseite.

Die große Chronologie zum Jubiläum

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05. Mai 2020, 05:00 Uhr

Surfen im Internet - am PC, auf dem Tablet oder am Smartphone. Einige hängen sich die digitale Welt sogar als Brille direkt vor die Augen oder tragen sie als Smartwatch & Co. am Handgelenk. Heute ist das alles so selbstverständlich wie Radfahren oder Wasserkochen.

Damals, vor 25 Jahren, war das World Wide Web tatsächlich noch das „Neuland“, das Bundeskanzlerin Angela Merkel viele Jahre später beschrieb und dafür Hohn und Häme einstecken musste. Wir gehörten zu den Vorreitern!

Kommen Sie mit auf eine Reise durch 25 Jahre SVZ.de

Die Anfänge - 1995-1999

Am 5. Mai 1995 gehen wir als erste deutsche Tageszeitung mit einer Website online. Natürlich nicht zu vergleichen mit den heutigen umfangreichen und im Minutentakt einlaufenden Nachrichten in Text-, Bild-, Video- oder Audioformat. Aber wir haben die News ins Netz gebracht. Noch vor der „Welt“, der „Berliner Zeitung“ oder der „Süddeutschen“. Und viel zusätzlichen Nutzwert.

An die Anfänge, die – man mag es sich heute kaum noch vorstellen – geprägt sind vom trockenen Eingeben Tausender Zeilen HTML-Codes, erinnert sich Martina Lenk noch gut. Sie ist quasi die Frau der ersten Stunde bei unserem Onlineauftritt - mit Enthusiasmus hat sie sich ab Januar 1996 als Onlineredakteurin mit in dessen Auf- und Ausbau gestürzt. Mehr als elf Jahre lang hat sie die Website zunächst erfolgreich gestaltet und später als Geschäftsführerin der MVweb GmbH begleitet. 25 Jahre später leitet sie die journalistische Fortbildung und die Unternehmenskommunikation an der ARD.ZDF medienakademie. Online-Chef Dirk Buchardt und Online-Redakteur Sebastian Lohse befragten die gebürtige Rostockerin zur Anfangszeit:

Es ist uns leider nicht gelungen, ein Bild vom tatsächlichen Start der Website SVZ.de zu finden. Wie können wir uns und die Leser sich den Anblick vorstellen?
Da war ein großes Bild, das über den gesamten Bildschirm ging. Es brauchte ewig, bis es geladen war. Aber wir waren drin im World Wide Web. Später wechselten wir in ein gelbliches Layout – mit ganz vielen Vierecken in der Mitte der Seite. Erst das dritte Layout näherte sich heutigen Standards an.

Das hört sich aber sehr nach Freestyle an ...
Ja, es war ein Herantasten. Es gab kein Lehrbuch, keine Beispiele. Ich erinnere mich noch: 1996, in dem Jahr waren Olympische Spiele in Atlanta, zeitversetzt. Also bin ich jede Nacht um 2 Uhr aufgestanden und habe jeden Artikel einzeln eingegeben – schließlich sollten ja gleich morgens die Ergebnisse im Internet zu finden sein. Es hat sich gelohnt: Die „Computer Bild“ hat uns damals in einem Ranking unter die besten fünf deutschen Onlinedienste 96/97 gewählt.

Mit welchem System haben Sie denn damals gearbeitet?
System?! Ich habe alles in HTML getippt. Hilfsmittel in Form von Programmen kamen erst später – und waren zunächst sehr fehleranfällig. Die Website der SVZ lag in einem Filesystem auf dem Server. Wehe, wenn man aus Versehen eine Datei gelöscht hat. Dann waren Teile des Onlinedienstes verschwunden, und ich musste alles noch mal neu bauen. Nach etwa einem Jahr kamen erste Entlastungen: So konnten mittels erster kleiner Automatisierungen die redaktionellen Hersteller ausgewählte Artikel in die Website per Copy und Paste schicken. Werbeanzeigen kamen als Bilddateien und wurden ebenfalls per Hand platziert.

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Wie stellt man sich die Onlineredaktion damals vor?
Einsam. Ich war im Grunde lange Zeit Einzelkämpferin, obwohl ich im Newsroom der SVZ saß. Aber dieser „neumodische Kram“, den der damalige Besitzer der SVZ, Hubert Burda, angestoßen hatte, war vielen Kollegen suspekt. Erst als die Kollegen ihren Namen und ihr Bild im Impressum des Onlinedienstes gesehen haben, konnten sie sich etwas mehr für SVZ.de erwärmen.

Haben Sie von damals noch Visit- oder Klickzahlen?
Nein. Solche Einheiten gab es anfangs noch gar nicht. Wir haben in „Hits“ gezählt. Das waren die Elemente auf einer HTML-Seite. Wurde eine Seite aufgerufen, wurden alle darauf befindlichen Elemente gezählt. Das war um einiges höher als die Page Impressions und später die Visits. Heute ist die harte Währung der Unique User.

Würden Sie es heute wieder so machen - oder anders gefragt: Wie müsste ein Verlag nach Ihrer Sicht seine News-Website aufbauen?
Unser Weg von damals war schon richtig. Wir haben früh mit Datensammlungen begonnen, um Nutzwert zu schaffen, der die Nachrichten bereichert und ergänzt. Das Internet ist ja eher ein Such- und weniger ein Lesemedium. Für Mecklenburg-Vorpommern hatten wir wirklich alles erhoben: Städte, Kirchen, Bodendenkmale, Reiterhöfe …

Also viele Portale ...
Das muss es nicht zwangsläufig sein. Es kann auch in einem Portal sein. Entscheidend ist nur die Frage: Welchen Nutzwert biete ich dem Leser? Ist die Nachricht als Nutzwertangebot ausreichend und schafft sie für den Verlag eine wirtschaftliche Basis?

Welche Erfahrungen haben Sie aus Ihrer Zeit bei SVZ.de mitgenommen?

Die Prozesse und Erfordernisse für digitale Produkte ist für viele Menschen nur schwer zu verstehen und nachzuvollziehen. Das hat sich bis heute nicht verändert. Die nachwachsende Generation kann digitale Produkte gut anwenden, aber sie tut sich häufig auch recht schwer mit dem Weg zum digitalen Produkt.

Ein neues Jahrtausend - 2000-2004

Der „Millennium-Bug“ sorgt zum Jahreswechsel 1999/2000 für Angst und Schrecken auf der Welt. Doch letztlich blieben größere Schäden aus. Der von vielen befürchtete Weltuntergang konnte abgewendet werden.

Wikipedia, Facebook & Co.

Das neue Jahrtausend hält zahlreiche Innovationen in der digitalen Welt bereit, die den Umgang mit dem Internet revolutionieren. So startet Anfang 2001 mit Wikipedia eine Plattform, die das Wissen der Welt sammelt und frei zugänglich macht. Sie ist eine der meistbesuchten Websites der Welt. Gehen die Meinungen in den Anfängen der freien Online-Enzyklopädie noch stark auseinander, entwickelt sich Wikipedia immer mehr zu einem Standardwerk, das auch von Journalisten für ihre Recherche benutzt wird.

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Im August 2003 geht Skype online und ermöglicht das kostenlose Telefonieren via Internet. Einen Monat später revolutioniert die Plattform Steam die Gaming-Branche in puncto Verteilung, Wartung und Kopierschutz.

2004 markiert den Startpunkt für modernes Social Media, wie wir es heute kennen. Der Grund: Im Februar geht Mark Zuckerbergs Facebook an den Start. Während anfangs vor allem Privatpersonen sich im Stil der amerikanischen Jahrbücher miteinander vernetzen, entdecken im Laufe der Zeit auch immer mehr Firmen das Potenzial der Plattform. Für SVZ, NNN und Der Prignitzer wird Facebook ein paar Jahre nach dessen Gründung zu einem der wichtigsten Werkzeuge, um mit unseren Lesern und Nutzern zu interagieren.

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Eine halbe Million Klicks

Auch auf unseren Seiten tut sich in den Anfängen des Jahrtausends einiges. Im Juli 2003 überspringt SVZ.de erstmals die Marke von 500.000 Klicks im Monat. Dieser Wert wird künftig nicht mehr unterschritten. Der Grund für den Sprung: Unsere Seite wurde technisch verbessert und das Onlineangebot erweitert. Und wir haben schon das nächste Ziel vor Augen: den Sprung über die Millionenmarke.

Der erste große Relaunch - 2005-2009

Sie werden uns nicht wiedererkennen – zumindest nicht im Internet! So titeln wir am 2. Juli 2007 in unserer Zeitung. Punkt Mitternacht haben wir unsere neuen, schlankeren Webauftritte mit frischer Optik, aber vor allem mit etlichen Neuerungen gestartet – unseren sogenannten Relaunch 2007. Zudem wurde das ein Jahr zuvor eingeführte Print-Redaktionssystem eng mit den Onlineportalen verknüpft. Das vereinfacht die Arbeit der Onlinemitarbeiter spürbar.

Brennt es vormittags, lesen Sie’s bei uns sofort

Wir bieten unseren Lesern redaktionell mehrfach täglich aktualisierte Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. „Brennt es vormittags in der Stadt, lesen Sie es bei uns sofort“ lautet das Motto, mit dem wir bis heute Erstvermelder für unsere Leser sein wollen.

Das ePaper gewährt seit diesem Tag Einblick in alle Ausgaben – ein Meilenstein für unsere damaligen Verhältnisse. Nach der Registrierung können User alle Seiten lesen.

Ein Relaunch mit Verzögerung

Ursprünglich ist dieser Relaunch bereits zwei Jahre früher, zu unserem zehnten Geburtstag, geplant. Durch den Verkauf des Verlags 2005 wird das Projekt jedoch zunächst auf Eis gelegt. Was aber kein Nachteil sein soll, wie die deutliche Steigerung der Seitenzugriffe in der zweiten Jahreshälfte beweist.

In Sachen Klickzahlen erreichen unsere Websites einen Meilenstein nach dem nächsten. Im Februar 2008 verzeichnen wir bereits 1,5 Millionen Klicks und damit in einem Monat mehr Seitenaufrufe als im gesamten Startjahr.

Relaunch, der zweite - 2010-2014

Die sozialen Netzwerke werden im neuen Jahrzehnt immer wichtiger. Ein Trend, der auch an uns nicht vorbeigeht. Am 6. Dezember 2010 erhalten SVZ und NNN ihren eigenen Facebook-Account. Zwei Jahre später bringen wir mit Güstrow, Prignitzer, Parchim, Schwerin und Sternberg fünf weitere, lokalisierte Ausgaben-Seiten bei Facebook an den Start – mit großem Erfolg.

Bei Twitter erfreuen sich SVZonline und NNNonline seit Oktober 2012 einer immer größeren Follower-Gemeinde.

Neustart über Nacht

Quasi über Nacht zum 13. Dezember 2013 wird die Homepage von SVZ.de eleganter, schneller und noch lokaler als jemals zuvor. Mit einem einzigen Fingerschnipp ist das natürlich nicht getan. Ein zehnköpfiges Relaunch-Team arbeitet monatelang mit Hochdruck an dem neuen Nachrichtenportal – und es hat sich gelohnt. Die User erwartet am Ende eine frische Seite mit neuer Lokalnavigation: übersichtlicher, modern, luftig, großflächiger.

Besonders das Lokale und Regionale rückt bei diesem Relaunch in den Vordergrund. Die Titel des medienhaus:nord bekommen 2013 unter dem Dach von SVZ.de jeweils eine eigene lokale Homepage mit der Kompetenz der Lokalredaktion vor Ort – von Schwerin bis Rostock, von Gadebusch bis Wittenberge.

Einmal mehr Vorreiter

Für das Erstellen der Onlineinhalte nutzen die Redakteure das weitverbreitete und einfach zu bedienende Redaktionssystem Escenic. Das Programm macht die Abläufe in der Redaktion schneller. Die Onlinebilderstrecke: schon gebaut. Die Reportage vom Ereignis: ruck, zuck im Netz. Das Video: oft bereits online. Außerdem wird Escenic mit dem Programm zur Erstellung der Zeitung verbunden. Das ermöglicht, gleichzeitig Texte für Print und Online zu erstellen. Damit gehört die SVZ erneut zu den Vorreitern in der deutschen Presselandschaft.

Auch wird unser Internetauftritt mit dieser Umgestaltung wesentlich interaktiver. Denn das Internet hat schnelle Rückkanäle: Kommentare unter Artikeln, E-Mails an die Reporter, Posts auf Facebook und Co. ermöglichen seither einen engeren Kontakt zwischen Journalisten und Lesern. So werden auch all die Geschichten aufgespürt, die sonst womöglich weder im Web noch auf dem Papier stünden.

Auf zu neuen Ufern - 2015-2019

Im Jahr 2016 gehen erstmals mehr Menschen über mobile Geräte als über den klassischen Desktop-PC ins Internet. Ein Trend, der in den kommenden Jahren nicht zu bremsen ist. iPhone und iPad tragen maßgeblich dazu bei, dass das Internet immer mobiler wird.

Es gibt zuvor schon Versuche, die ein Surfen auf den eigentlich für PC gebauten Websites in Sachen Übersichtlichkeit und Navigation aber zur Qual machen. Nun richten sich immer mehr Anbieter auf die Apple- und später auch Geräte anderer Hersteller ein.

Eine neue App muss her

Die Seiten werden für Smartphones optimiert, Daten und Bilder minimiert, lästige Ladezeiten verringert. Shopping-, Tausch- und Portale für verschiedenste Interessen schießen aus dem Boden. Jeder, der etwas auf sich hält, hat mindestens eine App im Angebot.

Will ich etwas wissen, muss die Antwort gleich her – egal, wo ich gerade bin. Das gilt auch für Nachrichten. Auch darauf stellen wir uns ein. Mit Erfolg.

Nach einem kräftigen Sprung der Seitenaufrufe im Jahr 2015 verzeichnen unsere Websites 2018 mit über 77 Millionen Page Impressions einen neuen Rekord. Die Tendenz: seit Start der Website weiter steigend.

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Ende 2019 gingen unsere neuen Apps an den Start, die die Darstellung auf den mobilen Endgeräten deutlich optimiert und Interaktionen wie Sharing etc. vereinfachen. Seither gibt es für SVZ und NNN jeweils eine App für das ePaper (blau) und eine App für die Nachrichten (rot).

Der neue Look unserer Apps. Foto: Screenshot

Außerdem sind nun auch lokale Pushes möglich und der Leser kann die Nachrichten, die ihn interessieren, in der App unter „Meine Nachrichten“ sammeln.

Die Paywall

Tägliche, aktuelle Nachrichten unmittelbar aus der Region, die kostenfrei für alle im Internet zugänglich sind? Im Sinne der journalistischen Qualität ist es unerlässlich, die guten und nachgefragten Inhalte hinter eine Bezahlschranke, eine sogenannte Paywall, zu legen.

Seit November 2018 werden die Online-Artikel aus den Publikationen des Prignitzers, der Norddeutschen Neuesten Nachrichten und der Schweriner Volkszeitung verplusst. Zu erkennen sind diese exklusiven Beiträge an dem SVZ+ oder NNN+ im Bild.

Dennoch: In schwierigen Zeiten wie beispielsweise beim Waldbrand in Lübtheen 2019 oder der Corona-Pandemie 2020 sind wichtige Informationen für alle Online-Nutzer frei lesbar.

Digitales Storytelling

Mario Garcia hat bei mehreren Medien auf der ganzen Welt den digitalen Wandel begleitet. Im Herbst 2018 wurden Mitarbeiter unseres Verlags von ihm im Digitalen Storytelling geschult.

Nachrichten werden auch heute gelesen, aber zunehmend in den digitalen Kanälen der Medienhäuser, auf der Homepage oder in der News App auf dem Handy. Die Inhalte sollten daher für diese Art der Mediennutzung angepasst werden.

Im Internet haben Journalisten die Möglichkeit, Geschichten mit verschiedenen Elementen aufzuwerten und die Themen den Nutzern der mobilen Nachrichten-Apps detaillierter nahezubringen. Bewegtbilder, Galerien oder interaktive Grafiken können die Leser noch mehr zu einem Thema vermitteln und sie mitnehmen.

Ein Beispiel gefällig?

Es brennt! Der Waldbrand bei Lübtheen drohte mehrere Orte zu zerstören: eine Chronologie

Umfragen oder auch die Kommentarfunktion bieten zudem die Möglichkeit, den Leser einzubeziehen, und der Redakteur kann ein direktes Feedback zu einem Thema bekommen.

Der Start auf Instagram

Bereits im Jahr 2017 haben wir mit #heimatnorden einen ersten Instagram-Kanal. Dort probierten wir uns in Sachen Mecklenburg-Vorpommern in Bildern aus.

Seit dem Airbeat 2019 sind wir aktiv mit der SVZ auf Instagram vertreten. Auf diesem Kanal zeigen wir die schönen Seiten von MV, aber auch spannende Geschichten rund um das Land und die Menschen.

Interessierte erwarten nicht nur Videos, sondern auch ein Blick hinter die Kulissen der Arbeit von unseren Redakteuren. Zugleich bleiben die Leser durch unseren Newsletter in der Story immer bestens informiert mit aktuellen Nachrichten aus MV und der Welt.

Dieser Social-Media-Kanal bietet uns die Möglichkeit, eine neue, jüngere Zielgruppe anzusprechen und schnell und einfach mit ihnen zu kommunizieren. Die Community wächst stetig. Von Juli 2019 bis März 2020 sind wir von unter 1000 Followern auf über 6000 gewachsen. Wir haben uns eine tägliche Reichweite von 1500 Menschen aufgebaut.

Ein Blick in die Zukunft - 2020 und noch viel weiter

Ein Vierteljahrhundert im Web

Von Dirk Buchardt, Leiter der Onlineredaktion

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Hits, Klicks, Visits, Unique User und Conversion ... Die Währung unserer täglichen Online-Arbeit hat sich über die Jahre deutlich geändert. Heute aber, liebe Leserinnen und Leser, ist unsere Währung einmal einzig und allein Ihre Zufriedenheit! Sind Sie zufrieden, sind wir glücklich - und was kann einem am Geburtstag Schöneres passieren?

25 Jahre svz.de... Ein Vierteljahrhundert ist es nun schon her, dass die Schweriner Volkszeitung am 5. Mai 1995 als nachweislich „erste deutsche Tageszeitung im Internet“ (Wikipedia, sh. kleines Foto) Geschichte schrieb. Wenig später kamen auch die NNN und Der Prignitzer mit eigenen Webauftritten dazu. Heute werden monatlich von mehr als 4,5 Millionen Besuchern 9 Millionen Seiten aufgerufen.

Was mehr denn je zählt, sind loyale, also möglichst treue Nutzer. Sie wollen umfassend, vor allem aber regional und lokal informiert werden. Das, was quasi über den Gartenzaun passiert, interessiert - und das kann den Leserinnen und Lesern außer der Tageszeitung bzw. dem Newsportal und der App niemand bieten. Die Nachricht natürlich immer auf schnellstem Wege, mit Reportagen oder Hintergrundartikeln wollen Nutzer aber auch emotional und faktenbasiert abgeholt werden.

Das passiert in der heutigen Zeit immer stärker mobil: Lag der Anteil der Internet-Nutzung via Smartphone und Tablet noch vor sieben, acht Jahren bei knapp 15 Prozent, nutzte bereits 2015 die Hälfte aller Anwender ein mobiles Endgerät. Heute haben sich die Verhältnisse komplett gedreht und nur noch jeder Fünfte holt sich an einem PC Informationen aus dem Web. Ob auf dem Weg zur Arbeit, im Urlaub, immer häufiger aber auch in fast allen Lebenslagen gehört der Blick aufs Smartphone einfach dazu.

Aber nicht nur darauf. Da ist die Push-Nachricht, die inzwischen auch mit dezentem Vibrieren der Smartwatch am Handgelenk auf sich aufmerksam macht. Oder Alexa, Siri und wie die digitalen Begleiter noch alle heißen, die uns auf ein Schlüsselwort oder eine Frage die wichtigsten Infos zur aktuellen Verkehrslage, zum Wetter geben, zu einem gerade laufenden Song den passenden Interpreten oder aber in einer fremden Stadt den angesagtesten Italiener verraten.

Audio und Livestream: Neues Terrain für uns

Spannend für uns als aus einem Zeitungsverlag gewachsenes medienhaus:nord ist seit einigen Monaten das Thema „Audio“. Sei es „text to speech“ - eine Software, die es ermöglicht, mit künstlicher Intelligenz den Lesern Texte automatisch auch hörbar zu machen. Oder, was in unseren Augen viel mehr Charme hat, das Einsprechen der geschriebenen Beiträge – idealerweise vom Autoren selber, weil es viel authentischer klingt. Oder auch von professionellen Sprechern. Denn nicht überall kann man lesen, und Hörangebote zum Beispiel für Pendler am Steuer oder Patienten im Warteraum werden gern angenommen. Eine weitere Ergänzung sind verschiedene Podcast-Angebote für Kinder, Kultur- oder Sportbegeisterte.

Und – das werden Sie in den jüngsten Wochen gemerkt haben – auch Liveübertragungen von Pressekonferenzen oder Expertenrunden haben Einzug in unser Redaktionsleben gehalten. Mit den so genannten Streams konnten wir in den Corona-Zeiten auch ein Hilfsangebot für regionale Musiker schaffen: In unserer Reihe „Von Couch zu Couch“ bekommen jede Woche Singer-Songwriter und Bands die Möglichkeit, trotz Konzertabsagen bei den Fans in den Köpfen haften zu bleiben.

Es ist so viel passiert, einiges davon hätten wir uns noch vor Kurzem nicht vorstellen können. Fragen Sie also nicht, was als Nächstes kommt. Alles ist möglich - wir freuen uns drauf!

Schlusswort eines Vorreiters

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Jan Tißler ist Gründer und Mit-Herausgeber des rein digitalen UPLOAD Magazins. Als „Contentmeister“ hilft er Unternehmen, mit den richtigen Inhalten die richtigen Interessenten auf sich aufmerksam zu machen. Angefangen hat er Mitte der 90er-Jahre bei der SVZ.

Dank SVZ kann ich heute, ohne rot zu werden, sagen, dass ich über 20 Jahre Erfahrung mit dem digitalen Publizieren habe. Denn 1997 war ich während meines Volontariats erstmals „auf der Datenautobahn“ und habe später in der Onlineredaktion gearbeitet. Deshalb sage ich nicht nur „Herzlichen Glückwunsch“ zu 25 Jahren SVZ.de, sondern auch von ganzem Herzen „Danke schön“. Die SVZ hat schließlich damals schon ausprobiert, was selbst heute noch für so manchen Journalisten und Publizisten wie ein Experiment wirkt. Mir hat das die Augen für die Zukunft geöffnet.

Die Internetlandschaft hat sich seitdem natürlich enorm verändert. Vom Nischenangebot für einige wenige Eingeweihte wurde das Internet zum Alltag. Hat man sich früher bei Bedarf an den Rechner gesetzt und sich eingewählt, sind viele Menschen heute ganz selbstverständlich jederzeit online – und haben das passende Gerät dazu stets griffbereit. Wer würde heute schon vorhersagen wollen, wie das in weiteren 25 Jahren aussieht?

Klar ist aus meiner Sicht zugleich, dass sich die Informations- und Kommunikationsbedürfnisse der Menschen nicht verändern werden. Sie wollen auf dem Laufenden bleiben und sich vernetzen. Sie möchten weiterhin wissen, was in ihrer Region los ist. Lokaljournalismus wird deshalb weiter wichtig sein. Er wird anders aussehen. Er wird andere Einnahmequellen haben. Vielleicht werden wir ihn auch nicht mehr so nennen. Aber da ich im Herzen immer ein Lokalreporter geblieben bin, hoffe ich, dass es diesen Beruf auch in 25 Jahren noch gibt. Und ich wünsche der SVZ, dass sie das Digitale weiter als Chance begreift, ihre Leserinnen und Leser auf neuen Wegen und auf neue Weisen zu informieren.

Texte: Dirk Buchardt, Sebastian Lohse, Caroline Awe, Lisa Walter, Anne Luttermann, Christina Köhn, Jan Tißler

Mit Unterstützung von: Sebastian Kabst, Anna Behrend, Eike Moldenhauer, Martina Lenk

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