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Polizei Rostock : 22 Liegestütze für den guten Zweck

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

22 Push up Challenge: Rostocker Beamte machen Liegestütze am Strand und so auf die psychische Erkrankung PTBS aufmerksam

von
erstellt am 02.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Die Kulisse ist traumhaft schön: weißer Sandstrand, klarer Himmel, Sonnenschein und im Hintergrund ragt der Leuchtturm von Warnemünde empor. Im Vordergrund knien sechs Polizeibeamte, die Hände in die Hüfte gestützt. Dann beginnt der Countdown: eins bis 22. Die Leiter der Polizeiinspektion Rostock, der Einsatzplanung und des Kriminalkommissariats sowie die Revierleiter der Stadtteile Lichtenhagen, Dierkow und Stadtmitte beginnen mit Liegestützen.

Was witzig aussieht, hat einen ernsten Hintergrund: Die Rostocker Beamten beteiligen sich mit der Aktion an einem Internet-Hype, der so genannten #22pushupchallenge. Dabei werden 22 Liegestütze absolviert, um auf Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), aufmerksam zu machen. PTBS ist eine Erkrankung, die nach traumatischen Erlebnissen auftreten kann – und betreffe laut Polizeisprecherin Yvonne Hanske auch Polizisten: „Auch wir geraten regelmäßig in Ausnahmesituationen.“ Gemeint sind Schusswechsel, Unfallsituationen, verletzte Kinder, tote Menschen. „Das ist alles nicht ohne. Mit unserer Beteiligung an der Challenge wollen wir sagen, passt auf euch auf und achtet aufeinander“, erklärt Hanske. „Dinge, die man gemeinsam erlebt, kann man auch gemeinsam verarbeiten. Wir haben zum Beispiel den polizeiärztlichen Dienst, an den sich die Kollegen wenden können, wenn sie ein traumatisches Ereignis erlebt haben.“

Ursprünglich wurde die Liegestütze-Aktion vom amerikanischen Honor Courage Commitment bereits im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Auf ihrer Website www.22kill.com zeigt die Organisationen einen Zusammenschnitt aus Fotos. Auf ihnen lächeln Soldaten in die Kamera. Mit Stolz tragen sie ihre Uniform, präsentieren ihre Auszeichnungen. Doch in ihrem Kopf wütet das Trauma. Es zeigt sich als Tagtraum, spult wie ein Leierkasten im immer gleichen Rhythmus dieselben Bilder ab. In der Nacht kommt die Angst, gepfeffert mit Schlaflosigkeit, gesalzen mit Schreckhaftigkeit. Flashbacks blenden Erinnerungen ein: Bomben, verwundete Kameraden, Leichen.

22 amerikanische Veteranen begehen täglich Suizid, weil sie die Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) in tiefste Verzweiflung stürzt. Um auf die psychische Störung aufmerksam zu machen, hat das Honor Courage Commitment den Hashtag #22kill etabliert, zu der auch die Aktion 22 Millionen Push Ups gehört. Egal, ob einen oder 100 Liegestütze, egal, ob Kind oder Rentner, ob Mann oder Frau – jeder kann mitmachen und ein Video mit dem entsprechenden Hashtag auf verschiedene soziale Netzwerke hochladen und so an die Existenz von PTBS erinnern. Zur Unterstützung der Organisation rund um #22kill hat der Ex-Soldat Nate Koehn die Push up Challenge konditioniert. Er rief dazu auf, 22 Liegestütze zu machen, die Aktion zu filmen und 22 weitere Personen zu nominieren, die in einem Zeitraum von 22 Stunden ebenfalls 22 Liegestütze machen. Anschließend werden zehn Dollar an die #22kill Organisation gespendet. Wer die 22 Liegestütze nicht schafft, wird aufgefordert 22 Dollar zu spenden, also einen Dollar für jeden Veteranen.

Weil nicht nur Soldaten heiklen Situationen ausgesetzt sind, sondern auch viele andere Berufsgruppen wie Mitarbeiter des Rettungsdienstes, Feuerwehrleute, Ärzte oder eben auch Polizisten, rücken nun auch die Gesetzeshüter PTBS ins Rampenlicht. Nominiert wurden die Rostocker von der Brandenburger Polizei. Für den sportlichen Auftritt erhielten sie durchweg positive Resonanz. „Coole Sache. Das habt ihr sehr gut gemacht“, freut sich Kathrin Schröder auf Facebook. „Sieht gut aus Jungs“, schreibt Silvia Quester. Die Rostocker Beamten haben nun die Polizei in Stralsund und Kaiserslautern zu einer Runde Liegestütze aufgefordert.

PTBS entstehe als Reaktion auf ein belastendes Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung, erklärt Christian Schuhmacher, Vorsitzender der Polizei-Gewerkschaft (GdP) in Mecklenburg-Vorpommern. Zumeist treten Belastungssymptome innerhalb der ersten sechs Monate nach dem traumatischen Erlebnis auf. Der Betroffene wird dabei emotional so stark verletzt, dass er aus dem Gleichgewicht gerät. „PTBS ist behandelbar. Suizde sind das finale Stadium. Doch dazu muss es nicht kommen“, sagt Schuhmacher. „Wichtig ist, den Beamten klar zu machen, das ist kein Zeichen von Schwäche. Bei unseren Seelsorgern, Psychologen und Ärzten finden sie Hilfe.“

Kaltes Wasser für den guten Zweck
Das Prinzip der 22 Push up Challenge erinnert an die Ice Bucket Challenge aus dem Jahr 2014. Bei der „Eiskübelherausforderung“ wurden Spendengelder zur Erforschung und Bekämpfung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) gesammelt. Die Herausforderung bestand darin, sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen und anschließend mindestens drei Nachahmer zu nominieren, die sich innerhalb von 24 Stunden ebenfalls mit einem Kübel Eiswasser übergießen. Darüber hinaus musste jeder Teilnehmer 10 Dollar oder Euro an die ALS Association spenden, wer nominiert wurde, aber nicht teilnahm, für den erhöhte sich der Spendenbetrag auf 100 Dollar bzw. Euro. An der Ice Bucket Challenge beteiligten sich zahlreiche Prominente wie Bill Gates , Justin Bieber, aber auch deutsche Stars wie Helene Fischer oder Otto Waalkes.

 

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