Deutsche Marine im Mittelmeer : 22.000 Menschen gerettet

Die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ – hier im Marinestützpunkt Wilhelmshaven – ist derzeit im Mittelmeer im Einsatz.
Die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ – hier im Marinestützpunkt Wilhelmshaven – ist derzeit im Mittelmeer im Einsatz.

Deutsche Marine in EU-Operation „Sophia“ vor der libyschen Küste eingebunden. 117 mutmaßliche Schleuser festgenommen

von
27. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Der Inspekteur der Deutschen Marine, Andreas Krause, hat eine positive Bilanz der seit Frühsommer 2015 im Mittelmeer laufenden EU-Mission „Sophia“ gezogen. Seit deren Beginn gebe es ein klareres Bild über die Lage im Mittelmeer, mehr als 22 000 Menschen seien von deutschen Soldaten aus Seenot gerettet worden. Laut Verteidigungsministerium wurden durch die gesamten internationalen Sophia-Einheiten rund 45 000 Menschen in Sicherheit gebracht. Für einen Seemann sei die Lebensrettung eine Kernaufgabe, sagte Krause. „Man kann nicht zuschauen, wie Menschen unter unwürdigsten Bedingungen losgeschickt werden.“ Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration starben allerdings seit Anfang 2016 mehr als 8200 Flüchtlinge im Mittelmeer.

Hauptauftrag von Sophia – benannt nach einem somalischen Mädchen, das im August 2015 auf der Fregatte „Schleswig-Holstein“ zur Welt kam – ist der Kampf gegen Schleusernetzwerke. Insgesamt seien mehr als 117 mutmaßliche Schleuser nach Hinweisen von Sophia-Einheiten durch die italienischen Behörden festgenommen und über 460 Boote zerstört worden. Derzeit ist die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ mit 195 Soldaten an Bord im Einsatz, sie kommt Ende Januar zurück. 2017 waren die Tender „Main“ und „Rhein“ beteiligt. Das bedeute über das Jahr hinweg rund 400 Soldaten. Die Belastung sei enorm hoch, sagte der Inspekteur. Dies zeige sich daran, dass aus dem Schiff unter Umständen neben den Soldaten rund 1200 Flüchtlinge sein können. Sie müssten medizinisch versorgt und verpflegt werden. Es müsse für deren Sicherheit gesorgt werden. „Ich bin wirklich stolz darauf, wie die Männer und Frauen das machen.“

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Alexander Neu kritisierte die Operation „Sophia“. Die Bekämpfung der Schleusernetzwerke funktioniere nicht. „Unter dem Strich ist das ein Flüchtlings-Abwehreinsatz.“ Die wahren Fluchtursachen würden nicht beseitigt. Letztlich sei die Rettung der Flüchtlinge der „einzig vernünftige Beitrag“, den Sophia leistet. Das müssten aber auch nicht reguläre Truppen machen, da wären zivile Kräfte im staatlichen Auftrag besser geeignet, sagte Neu.

Die Marine könne die Probleme in der Region nicht lösen, sagte Krause. Er zeigte sich aber davon überzeugt, dass die Gesellschaft nicht akzeptieren würde, wenn wöchentlich hunderte oder gar tausende Menschen sterben.

Der zweite Auftrag von „Sophia“ sei, die libysche Küstenwache auszubilden. Derzeit sei das zweite Kontingent von 50 Libyern in Ausbildung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen