zur Navigation springen

Video: Sturmtief Xavier wütet im Norden : 219 Menschen stecken im EC fest, 35.000 Wemag-Kunden ohne Strom, Lkw-Fahrer stirbt auf B191

vom
Aus der Onlineredaktion

Quasi minütlich erreichen uns Schadensmeldungen aus dem Land: Baum durchbohrt Dach in Schwerin, Zugverkehr im Norden komplett lahmgelegt, ein Toter bei Ludwigslust

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 14:44 Uhr

Der erste Herbststurm dieses Jahres ließ vor allem in den Kreisen Ludwigslust-Parchim und Westmecklenburg sowie in Schwerin unzählige Bäume umknicken und fegte Ziegel von den Dächern. Wie die zuständigen Polizeisprecher sagten, wurden zahlreiche Straßen unpassierbar. Betroffen waren auch die viel befahrenen Bundesstraßen B 321 zwischen Crivitz und Schwerin, B 5 zwischen Grabow und Boizenburg sowie B 105 zwischen Dassow und Wismar. Polizei und Feuerwehr seien im Dauereinsatz, kämen zum Teil aber selbst nur schwer zu den Einsatzorten, hieß es.

Kurz vor dem Bahnhof Pritzier steckte ein EC mit 219 Passagieren fest. Ein Baum stürzte um und blockiert beide Gleise, die Oberleitungen führen glücklicherweise keinen Strom. Der Zug kommt  aus Prag und sollte eigentlich gegen 15 Uhr Hamburg erreicht haben. Inzwischen aber ist der Bahnverkehr im gesamten Norden lahmgelegt. In Pritzier ist inzwischen der Katastrophenzug eingetroffen. Die Bahngäste werden mit einem geländegängigen Lastwagen der Feuerwehr schubweise von der freien Strecke zum Bahnhof Pritzier in Zeltunterkünfte gebracht und versorgt. Busse sind bereits angefordert, um die Menschen später weiterzutransportieren.

 

Sturmtief Xavier fegte mit Windstärken von 9 bis 11 über den Nordosten. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia auf der Insel Hiddensee wurden die Spitzenwerte in Lübz mit Windgeschwindigkeiten von 111 Kilometer pro Stunde (Windstärke 11) erreicht. In Goldberg und Schwerin wurden bislang Spitzen von 93 Kilometer pro Stunde (Windststärke 11) gemessen, sagte Wetterexperte Stefan Kreibohm. „Das Gröbste ist aber vorbei.“ Durch das ungewöhnlich schnelle Auffrischen habe der Sturm großen Schäden verursacht. Ergänzend sei dann noch ein „Windsprung“ hinzugekommen, bei dem die Windrichtung schnell von Süd-West auf Nord gedreht habe. Die belaubten und vom Regen nassen Bäume hätten ideale Angriffsflächen für den Sturm geboten. Durch die Sturmschäden sind derzeit auch 35.000 Kunden der Wemag in den Bereichen Westmecklenburg, der Prignitz und im Amt Neuhaus ohne Strom.

Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr zunächst in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen und auch den S-Bahnverkehr in Hamburg und Berlin bis auf weiteres ein, wie das Unternehmen mitteilte. In Berlin herrscht derzeit Chaos - der komplette Berufsverkehr ist lahmgelegt. Auch die Fernverkehrsstrecken Berlin-Hannover und Berlin-Hamburg wurden eingestellt. Ursache waren auf die Gleise oder in die Oberleitungen gewehte Bäume, die einen durchgehenden Bahnverkehr unmöglich machten. Auf offener Strecke befindliche Züge versuchten, noch den nächsten Bahnhof zu erreichen.

In MV sind die Verbindungen RE1 (Hamburg-Schwerin) und die Bahnstrecke zwischen Lübeck und Bad Kleinen betroffen.
Ansonsten fahren die Züge im Land zur Stunde noch.

Auch auf den Straßen Nordwestmecklenburgs sorgten umgestürzte Bäume für Feuerwehreinsätze. So gab es Behinderungen auf der  B104 zwischen Brüsewitz und Schwerin, rund um den Bereich Gadebusch und auf der B106 zwischen Schwerin und Lübstorf.

Herabfallender Ast durchbohrt Dach

Das Gemeindehaus der Schelfkirche Schwerin traf es am Donnerstag besonders heftig: Ein umfallender Ahornbaum durchbohrte das Dach des Hauses und jagte den Betreuern, die sich zu der Zeit im Gemeindehaus aufhielten, einen gehörigen Schrecken ein. Verletzt wurde dabei aber zum Glück niemand.

<p>Äste eines Ahornbaumes haben die Wand des Gemeinderaums durchbohrt.</p>

Äste eines Ahornbaumes haben die Wand des Gemeinderaums durchbohrt.

Foto: privat

Auch in Hagenow fallen nach Angaben unserer Leser die Bäume reihenweise um. Rund um die Kita Regenbogenland sind mehrere Bäume umgefallen, die Baustellen-Zäune und ein Dixiklo liegen auf der Seite. Bei der LVG wurde der Verkehr eingestellt und die Busfahrer sind in Bereitschaft.
 


Kopernikusstraße in Rostock überflutet

In Rostock wurde aufgrund des Starkregens unter anderem die Kopernikusstraße auf Höhe des Arbeitsamtes geflutet. Autos bahnten sich den Weg dennoch durch das Wasser. Manch ein Autofahrer ärgerte sich im Anschluss darüber, als sein Gefährt schlapp machte und nicht mehr fahrtauglich war. Einige wenige Bäume knickten in Rostock um und versperrten Wege, die Feuerwehr rückte aus. Stärker war der Landkreis Rostock betroffen. Hier eine kleine Bilanz der Polizei:

14:20 Uhr Baum über der Straße (zwischen Kröpelin und Kühlungsborn) Bereich Kühlung, Feuerwehr im Einsatz
14:22 Uhr Steffenshagen Straße kurzzeitig aufgrund Überflutung nicht befahrbar
15:18 Uhr B 104 Groß Wokern – Teterow Behinderungen durch herunter gefallene Äste, wurden durch Polizei beräumt
15:32 Uhr Zwischen Steinhagen und Göllin Fichte über der Fahrbahn, PKW fahren unter durch, für LKW ist das nicht möglich.
 

Hamburger sollen zuhause bleiben

Die Hamburger Feuerwehr hat am Nachmittag die Bevölkerung der Hansestadt aufgefordert, wegen des Sturms Xavier nicht rauszugehen. Im Stadtteil Horn gab es bereits ein erstes Todesopfer.

Bei dem Sturm ist am Donnerstag in Hamburg eine Frau ums Leben gekommen. Sie wurde unter einem umgestürzten Baum begraben. Die Feuerwehr hatte noch versucht, die schwer verletzte Frau aus dem Wrack zu retten. Vergeblich. Ihre Mitfahrerin konnte schwer verletzt gerettet werden, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Erst vor drei Wochen war bei dem ersten starken Herbststurm ein Passant in Hamburg von einem umstürzenden Baugerüst erschlagen worden.

Ein Sprecher sagte, die Feuerwehr sei wegen mehrerer eingeklemmter Personen und umgestürzter Bäume zu zahlreichen Einsätzen ausgerückt. Es liefen Dutzende Notrufe ein, meldete die Feuerwehr per Twitter. In der Hansestadt wechselten sich seit dem Mittag immer wieder heftige Regenfälle und Stürme mit kurzen sonnigen Phasen ab.

In Berlin blieb wegen des Unwetters die Internationale Gartenausstellung (IGA) in Marzahn geschlossen. „Die Schließung des IGA-Geländes dient der Sicherheit unserer Besucherinnen und Besucher“, teilten die Veranstalter mit. Auch Zoo und Tierpark sollten um 14.00 Uhr ihre Pforten schließen. „Elefanten, Zebras und Giraffen (...) ziehen sich sicherheitshalber in ihre Stallungen zurück“, hieß es.

Der Deutsche Wetterdienste warnte in Teilen von Nord- und Ostdeutschlands vor Orkanböen der Stufe drei. Vier ist die höchste Stufe für Orkanböen. Betroffen sind unter anderem Berlin, Brandenburg, Teile Sachsens, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns sowie der Regierungsbezirk Kassel. Grund dafür sei ein kleines Tief, das von Schottland am Donnerstag über Deutschland weiter in Richtung Polen zieht, erklärten die Meteorologen. In den vergangenen Tagen sei die Wetterlage ohnehin windig gewesen.

Die Experten empfahlen, den Aufenthalt im Freien zu vermeiden und warnten vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen.

 

Zahl der Todesopfer auf vier gestiegen

Bei dem schweren Sturm sind auch in Brandenburg zwei Menschen ums Leben gekommen. Bundesweit stieg die Zahl der Todesopfer damit auf vier. Bei Gransee im Landkreis Oberhavel sei ein Ast in eine Windschutzscheibe geflogen und habe einen Menschen getötet. Zudem wurde in derselben Region eine Frau in einem Auto von einem Baum erschlagen, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Zuvor waren bereits zwei Todesfälle aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern bekannt geworden.



Hafenkran in Wilhelmshaven aus den Angeln gehoben

Sturmtief „Xavier“ hat in Wilhelmshaven einen rund 1000 Tonnen schweren Hafenkran aus den Angeln gehoben und ins Fahrwasser der Jade gestürzt. Orkanböen der Stärke 12 hätten den auf Schienen laufenden Kran am Mittag angehoben, gedreht und umgekippt, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Donnerstag.

Hafenarbeiter in der Nähe wurden nicht verletzt. Der Verladebetrieb für den Kohleumschlag an der Niedersachsenbrücke wurde vorsorglich eingestellt. Der Kran wurde völlig zerstört, mit den Schäden am Gleisbett wird der Gesamtschaden auf mehr als eine Million Euro geschätzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen