Pilze sammeln in MV : 2016 sehr schlechtes Pilzjahr

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Ausbeute gering wie seit etwa 50 Jahren nicht mehr. Derzeit läuft die Suche nach Mairitterlingen. Pilzberater zu Rate ziehen.

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23. Mai 2017, 08:00 Uhr

Die Pilzvergiftung ging für ein älteres Ehepaar aus Mecklenburg-Vorpommern noch recht glimpflich aus. Sie mussten nach dem Genuss des Pantherpilzes lediglich eine Nacht unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus verbringen.

In einem anderen Fall erfolgte der Arztbesuch zu spät für eine Therapie. Der Verzehr kleiner Schirmpilze, die den gleichen Giftstoff wie der Grüne Knollenblätterpilz enthalten, endete tödlich.

Um sicherzugehen, dass die richtigen Pilze für die Mahlzeit gesammelt worden sind, sollte man einen Pilzberater zu Rate ziehen, empfiehlt eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Rostock. Mecklenburg-Vorpommern ist ihren Angaben zufolge das einzige Bundesland, in dem die Pilzberatung als Landesaufgabe gesetzlich geregelt ist.

Trotz des Informationsangebots kommt es immer wieder zu Vergiftungen. 2016 registrierte das Landesamt beispielsweise fünf Vergiftungen durch Karbolegerlinge, die für die acht Betroffenen meist recht harmlos verliefen.

Im vergangenen Jahr waren landesweit insgesamt 42 Pilzberater im Auftrag der örtlichen Gesundheits- oder Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter tätig. Neben Beratungen gehören zur ihrer Bilanz für 2016 rund 150 Lehrwanderungen mit etwa 2300 Teilnehmern und mehr als 70 Vorträge mit etwa 1300 Zuhörern. Die 50 Pilzausstellungen zählten 13 000 Besucher. Oliver Duty, Landespilzsachverständiger beim Landesamt für Gesundheit und Soziales, koordiniert die Tätigkeit der ehrenamtlichen Pilzberater in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Er kümmert sich unter anderen um Fortbildungen.

2016 war nach Einschätzung der dienstältesten Berater das schlechteste Pilzjahr seit etwa 50 Jahren. Nach einem extrem trockenen Sommer war es erst nach ergiebigeren Niederschlägen im Oktober zu einem intensiveren Pilzwachstum gekommen, das bereits im November durch den ersten Bodenfrost in einigen Landesteilen beendet wurde. In einigen Regionen konnten laut Landesamt-Sprecherin sehr viele Steinpilze und Maronen gesammelt werden, andere sonst häufige Pilzgruppen wie Täublinge und Milchlinge fehlten ganz oder kamen nur als Einzelexemplare vor. Insgesamt sei die Speisepilzausbeute extrem gering gewesen.

Dafür müssen sich kundige Pilzsammler derzeit beeilen, um noch die letzten Exemplare des wohlschmeckenden Maipilzes, auch Mairitterling genannt, von den Wiesen sowie den Wegen in Wäldern und Parkanlagen zu holen. Der Maipilz kann etwa 15 Zentimeter groß werden, ist recht dickfleischig, hat einen glatten Hut und zeichnet sich durch weißliche, blass-beige Farben des gesamten Pilzes aus. Auf der Unterseite des Hutes befinden sich eng stehende Lamellen.

Sachverständiger Duty mahnt zur Vorsicht: „Der Mairitterling kann mit dem giftigen Ziegelroten Risspilz verwechselt werden, der auch im Mai schon wachsen kann.“

Weitere Infos im Internet: http://www.lagus.mv-regierung.de/Gesundheit/Umwelthygiene_Umweltmedizin/Pilzberatung/

Hintergrund: Giftpilze

Pilzberater haben 2016 bei landesweit etwa 2100 Informationsgesprächen 197 stark giftige Pilze entdeckt und aussortiert, darunter:
28 Grüne Knollenblätterpilze
28 Pantherpilze
4 Ziegelrote Risspilze
10 Frühjahrslorcheln
127 Gifthäublinge






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