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Rollatorführerschein in Rostock : 20 Senioren und ihre Rollatoren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vom richtigen Bremsen bis zum korrekten Hinsetzen: Mobilitätstraining soll Sicherheit im Verkehr erhöhen

von
erstellt am 29.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Wenn Christel Neubecker das Haus verlässt, dann hat sie einen treuen Begleiter: ihren Rollator. Seit acht Jahren nutzt sie das Gefährt. Nach mehreren Hüft- und Oberschenkelbrüchen wurde es zur Notwendigkeit. „Ich gehe jeden Tag eineinhalb Stunden spazieren. Das ist nur möglich dank meines Ferraris“, scherzt die 84-Jährige.

Seit gestern ist Christel Neubecker nun auch offiziell geschult im Umgang mit dem Gehwagen. Polizeihauptmeister Karsten Hamann überreichte ihr den Rollator-Führerschein. Dieser ist kein wirklicher Führerschein, sondern vielmehr eine Bescheinigung für Senioren, dass sie wissen, ihr Gefährt im Straßenverkehr richtig einzusetzen. „Wir haben mit dem Mobilitätstraining im vergangenen Jahr begonnen und großartige Rückmeldungen erhalten. Die Senioren nehmen die Hilfe dankbar an“, berichtet Hamann. „Wir wollen gerade die älteren Menschen aus ihrer Isolation holen und ihnen die Angst vor der Teilnahme am Straßenverkehr nehmen.“

Uneingeschränkte Barrierefreiheit bis 2022

Um den Rollator-Führerschein zu erhalten, müssen die Senioren einen kleinen Parcour bewältigen, zeigen, dass sie auch mit dem Hindernis Bordstein zurechtkommen und dass der Einstieg in einen Bus gelingt. „Obwohl ich schon sehr lange Rollator fahre, wusste ich nicht, dass man immer rückwärts aussteigen soll“, sagt Neubecker , die im betreuten Wohnen lebt und dort von der Schulung erfuhr. „Insofern hat sich die Teilnahme gelohnt“, freut sich die 84-Jährige.

Rund 20 Senioren haben das Training absolviert, das auf Initiative von Christina Hopfmann von der Rostocker Verkehrswacht stattfand. „Ich kenne die Gruppe schon sehr gut. Es gab bereits eine Schulung, in der die Rollatoren auf die richtige Höhe eingestellt und auf Mängel überprüft wurden“, erklärt sie. „Mit Rebus konnten wir nun das Mobilitätstraining realisieren.“

Die Wichtigkeit solcher Schulungen betont auch der Behindertenbeirat des Landkreises Rostock. Auf Grundlage der UN-Behindertenkonvention soll bis 2022 eine komplette Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr erreicht werden. Dazu müssten unter anderem Busse und Bushaltestellen neu ausgestattet werden, erklärt Torsten Schuhmann, stellvertretender Vorsitzender des Behindertenbeirats. „Bordsteine sollten zum Beispiel immer 18 Zentimeter hoch sein. Außerdem werden Schulungen organisiert, sodass das Personal in den Bussen auf die Anforderungen der Fahrgäste vorbereitet ist.“ Finanziert wird die Umsetzung der Barrierefreiheit sowohl vom Ministerium Für Infrastruktur, als auch von den Kommunen. „Ziel ist, dass niemand ausgegrenzt werden muss, dass wir eine Gesellschaft erreichen, in der jeder selbstbestimmt leben kann. Was den Nahverkehr betrifft, so will jeder irgendwann mal irgendwo hin“, betont Schuhmann. Und obwohl ihm die Vorstellung gefällt, dass bis 2022 jeder uneingeschränkt am öffentlichen Nahverkehr teilnehmen kann, so glaubt er dennoch nicht daran, dass dies uneingeschränkt gelingt. „Ich bezweifle, dass es die Deutsche Bahn schaffen wird, ihre Bahnhöfe bis dahin behindertengerecht zu gestalten.“

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