Gesundheitswesen : 20 Kilometer bis zur nächsten offenen Apotheke

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Versorgung auch nachts gewährleistet – jedoch regional mit Abstrichen

Wer in Mecklenburg-Vorpommern abends oder nachts dringend ein Medikament braucht, findet fast immer in der näheren Umgebung eine geöffnete Apotheke. Für den größten Teil der Menschen (83,5 Prozent) im Land ist der 24-Stunden-Apothekendienst in einem Umkreis von 20 Kilometern zu erreichen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Silke Gajek hervor. Nur ein Sechstel (16,5 Prozent) muss demnach bis zur nächsten Notdienst-Apotheke weiterfahren, im Schnitt etwa 25 Kilometer.

Nach Auskunft der Landes-Apothekerkammer sind die Wege vor allem im dünner besiedelten Osten des Landes weiter: Wo sich keine Ärzte niederließen, sei auch der wirtschaftliche Betrieb einer Apotheke nicht mehr möglich, so Kammer-Geschäftsführer Dr. Bernd Stahlhacke. Auch in einigen Regionen im Westen des Landes, beispielsweise in und um Vellahn, gebe es nur vergleichsweise wenige Apotheken. Von 102 Apotheken im Land würden Notdienste daher nur stundenweise bzw. abends nur bis 21 Uhr geleistet – ohne Nachteile für die Patienten, so die Kammer: Frequentierungsabfragen hätten ergeben, dass später am Abend nur noch extrem selten jemand ein Rezept einlöst.

Die 307 in den 24-Stunden-Notdienst eingebundenen Apotheken im Land sind 25 Dienstbereitschaftskreisen zugeordnet. „Ziel dabei war, einerseits eine gute Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, andererseits aber auch dafür zu sorgen, dass keine Apotheke ständig Notdienst macht“, so der Kammer-Geschäftsführer. „In jedem Kreis sind mindestens fünf Apotheken zusammengeschlossen – pro Jahr müssen von einzelnen also mehr als 70 Nachtdienste abgesichert werden“, so Stahlhacke, „egal, ob sich das lohnt oder nicht.“ In Dienstkreisen mit einer größeren Apothekendichte sei die Arbeit auf mehr Schultern verteilt, Nachtdienste fielen dort seltener an. So seien im Jahr 2012 von 125 Apotheken weniger als 20 Dienste geleistet worden. 59 Apotheken hatten zwischen 40- und 59-mal Nachtdienst, 37 Apotheken sogar zwischen 60 und 79 Dienste im Jahr.

Dennoch hält die für die Notdienstorganisation zuständige Kammer an ihrem Planungsmodell fest. Im alten Landkreis Ludwigslust und auf Rügen war zwar vor einigen Jahren getestet worden, ob eine Organisation des Notdienstes wie in Brandenburg effektiver ist. Dort sind jeweils 13 Apotheken zu einen Dienstbereitschaftskreis zusammengefasst – unabhängig von ihrer Entfernung zueinander. Patienten in den beiden Testregionen mussten so aber teilweise bis zu 50 Kilometer zurücklegen, um ein Rezept einzulösen – unakzeptabel, befand die Kammer.

Von der seit August geltenden neuen Notdienstvergütung erwartet die Kammer eine Entlastung der Apotheken im 24-Stunden-Dienst. Etwa 200 Euro pro Nacht könnten Schätzungen zufolge herauskommen. Das ist in den meisten Fällen deutlich mehr als die bisherige Vergütung, die sich nach der Zahl der abgegebenen Medikamentenpackungen in der Dienstapotheke richtete. „Kostendeckend ist aber auch die neue Vergütung nicht“, betont Stahlhacke.

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