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25 Jahre, 25 Köpfe : 20 Jahre an der Spitze der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die ehemalige Wismarer Bürgermeisterin träumt von der entwickelten Bürgergesellschaft / Teil 5

Ein bekannter Gassenhauer besingt den Weltuntergang, der angeblich am 30. Mai eintreten soll. An diesem Tag im Jahr 1990 wurde Dr. Rosemarie Wilcken zur ersten Bürgermeisterin der Hansestadt Wismar gewählt. Auf diesen Vergleich angesprochen, muss die 67-Jährige schmunzeln: „Na ja, ein klein wenig Weltuntergang war in dieser bewegten Zeit oft schon dabei. Doch die Stimmung an sich war eine ganz andere. Aufbruch war angesagt.“

Aber immer schön der Reihe nach: Was hat eine promovierte Kinderärztin dazu bewogen, einen geachteten Beruf aufzugeben und ins Wismarer Rathaus umzuziehen? „Politik hat mich schon immer interessiert. Hätte ich im Westen gelebt, wäre ich sicher eine 68erin gewesen“, gibt sie zu. In der Wendezeit wurde die SPD gegründet, die vor allem wegen ihrer Programmatik zu ihrer politischen Heimat wurde.

Obwohl sie aus einem christlich geprägten Elternhaus stammte, wäre Rosemarie Wilcken aber nie auf die Idee gekommen, der CDU beizutreten. „Das war nicht mein Ding.“ Und sie fügt hinzu: „Außerdem kannte man ja auch viele der handelnden CDU-Politiker aus Zeiten der DDR. Stichwort: Blockflöten.“

Von den früheren Kollegen kritisch beäugt und zum Teil auch heftig kritisiert, bewarb sie sich als Bürgermeisterin. Wilcken: „Mein Mann hat gesagt, ich kann das. Und eine Reihe von politischen Weggefährten wie Rolf Eggert, späterer Justiz- und Wirtschaftsminister in der Landesregierung, haben mich in meiner Entscheidung bestärkt. Der Ausgang der Wahl ist bekannt.“ 20 Jahre war sie Bürgermeisterin und wurde von den Wismarern 2002 sogar mit 79 Prozent der Stimmen direkt gewählt.

Unter Wilckens Leitung, die sich selbst als „sehr streng“ einschätzt, entwickelte sich der Wirtschaftsstandort Wismar und die Infrastruktur in beispielhafter Weise. „Ich hatte richtig gute Leute in der Verwaltung, ohne die die Erfolge meiner beiden Amtszeiten gar nicht möglich gewesen wären“, schätzt sie ein. Die ersten zehn Jahre, so Wilcken nachdenklich, waren schwer. Da war noch nicht viel zu sehen, aber die Grundlagen wurden mit Weitsicht gelegt. Hinzu kamen für sie auch das Glück des Tüchtigen und die Tatsache, dass die Mehrheiten in der Bürgerschaft einfach stimmten. Was sie nicht verrät ist, dass sie mitunter in einem regelrechten Spießrutenlauf von einer Fraktion zur anderen um die Mehrheiten ringen musste – auch in der eigenen SPD-Fraktion.

„Alles in allem war es jedoch eine Gruppen- und keine Einzelleistung der Bürgermeisterin“, so ihr Kommentar. Einen Ausflug in die Landespolitik als Stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, wo sie Anfang des 2000er mancher gerne als Bewerberin für den Ministerpräsidenten gesehen hätte, beendete sie schnell. Das parteipolitische Strippenziehen hinter den Kulissen behagte ihr nicht und passte auch nicht zu ihrer offenen Art. Ihr Engagement galt voll und ganz Wismar. Eine Episode erzählt von einer Wirtschaftsveranstaltung, die sie eröffnete mit dem Satz: „Willkommen in der Hansestadt Wilcken....“

Wenn die Polit-Pensionärin heute durch die Straßen geht, schwebt sie förmlich durch die Stadt: „Wismar sah noch nie so gut aus. Unfassbar, dass wir den Welterbe-Status erreicht und Bauten wie St. Georgen wieder errichtet haben.“ Wichtig ist der Sozialdemokratin auch das bürgerschaftliche Engagement. „Ich träume von der entwickelten Bürgergesellschaft, die das öffentliche Leben in der Stadt aus sich selbst heraus gestaltet. Vor allem die jungen Leute sind aufgefordert, sich mit Ideen einzubringen. Es müssen noch einmal eine große Vision und neue Aufbruchstimmung her“, meint Wilcken schwärmerisch.

Langeweile hat auch heute in ihrem Alltag keinen Platz. Nach wie vor engagiert sich Wilcken ehrenamtlich in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Deutschen Fernsehlotterie.

Und schließlich habe sie noch Familie, zwei Gärten, einen Haushalt und endlich auch ein Enkelkind. Was sie sich mit ihrem Mann künftig fest vorgenommen hat, ist das Reisen. „Jetzt kommt die große Reisewelle“, sagt sie und schreitet forschen Schritts über den Markt.




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