zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 05:02 Uhr

20 000 Jobs ziehen nach Brandenburg

vom

svz.de von
erstellt am 20.Mär.2012 | 09:13 Uhr

Schönefeld | Wenn Stefan Loge (SPD), der Landrat des Kreises Dahme-Spreewald auf den neuen Flughafen BER-Willy Brandt spricht, kommt er aus dem Schwärmen nicht heraus. Er zitiert dann gerne den Flugpionier Otto Lilienthal: "Fliegen, das ist alles". Kurios genug ist solch ein Hinweis auch deswegen, weil der alte Flughafen in Tegel, demnächst ein Infrastruktur-Waise mit ungewisser Zukunft, den Namen Lilienthals trägt. Den Sozialdemokraten Loge dürfte es sicher auch freuen, dass mit der Standortverlagerung nach Schönefeld jetzt Willy Brandt zu Ehren kommen wird. Vor allem aber hat der Landrat erkannt, dass damit sein Kreis und der gesamte Süden Brandenburgs zum Kern der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der gesamten Hauptstadtregion werden.

Umgekehrt weiß sein Landratskollege Karl Heinz Schröter (SPD) aus Oberhavel nur zu gut, was er verlieren wird, wenn der Flugbetrieb sich nach Süden verlagert. "Natürlich hat dies Auswirkungen. Weniger auf die bereits bestehende wirtschaftliche Struktur. Aber es wird schwerer sein, neue Investoren zu finden", sagt er.

In all den Studien zu den Effekten, die der neue Hauptstadtflughafen auslösen wird, finden sich kaum Hinweise darauf, wie sich in Zukunft die Gewichte verschieben zwischen Berlin und Brandenburg und auch nichts dazu, wie sich in der Mark selber die regionalen Schwerpunkte verändern. Dies ist nicht zuletzt der Rücksichtnahme auf die Berliner, die ja zu einem Drittel Anteilseigner und Finanziers des neuen Airports sind, geschuldet. Unstrittig ist, dass mit dem Umzug die mit Abstand bedeutendste Verlagerung einer Betriebsstätte von einem Bundesland in ein anderes stattfindet. Für Brandenburg stellt dies einen gewaltigen Zuwachs nicht nur an Arbeitsplätzen dar. Wenn man die wirtschaftliche Potenz des Flughafens auf etwa zwei Milliarden begrenzt, so ist sein Einfluss auf die Steuereinnahmen des Landes nur noch vergleichbar mit den Großen der Energieversorgung, der Raffinerie in Schwedt und den Stromerzeugern in der Lausitz. Wie sich die Einnahmen für die öffentliche Hand in den Regionen beziffern werden, ist nicht ausgewiesen.

Aber während die Ansiedlungsrisiken gleichmäßig auf Brandenburg, Berlin und den Bund verteilt sind, werden die positiven Effekte sich vor allem im Landkreis Dahme-Spreewald bemerkbar machen. Mit dem Flughafen und den direkt an ihn gebundenen gut 20 000 Arbeitsplätzen sind indirekt weitere Verschiebungen verbunden. Der BER ist von Lübben aus fast genauso gut zu erreichen, wie von vielen Stadtteilen im Norden Berlins. Er ist für die dicht besiedelten Gebiete im Osten Sachsens deutlich attraktiver als Tegel. Kommunalpolitiker der Gemeinden entlang der A 13, die Berlin und Dresden verbindet, berichten davon, dass der demographische Trend zumindest gestoppt, wenn nicht schon umgekehrt wurde. Mit der Nähe zu der Autobahn steigen auch wieder die Einwohnerzahlen. "Pendler wird es leicht gemacht, in ihrer Heimat zu bleiben", sagt Landrat Loge. Er verweist auch darauf, dass beispielsweise in Lübben der Wohnungsmarkt inzwischen angespannt ist. Schröter wiederum macht sich zusammen mit den Politikern seines Kreistags Gedanken, wie die zukünftigen Standortnachteile zu mildern sind. "Wir brauchen bessere Nahverkehrsverbindungen nach Schönefeld", sagt er. Deswegen sei der Landkreis schon beim Verkehrsminister und beim Verkehrsverbund aktiv geworden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen