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85 Schulen betroffen : 1500 Lehrer beteiligen sich am ganztägigen Warnstreik

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erstellt am 25.Feb.2013 | 02:04 Uhr

Schwerin | Rund 1500 Lehrer haben sich heute nach Gewerkschaftsangaben an einem ganztägigen Warnstreik in Westmecklenburg und einer Kundgebung in Schwerin beteiligt. Mindestens 85 Schulen im Schulamtsbezirk Schwerin waren betroffen, wie die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Annett Lindner, sagte.

Aufgerufen zum Streik waren rund 2400 Angestellte an 170 staatlichen Schulen. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld sowie eine tarifliche Eingruppierung der Lehrer. Lehrkräfte seien im Tarifvertrag der Länder die einzige Gruppe, für die es keine tarifliche Regelung zur Eingruppierung gibt, erklärte Lindner. Dies sei eine Ursache für die ungleiche Bezahlung von Grund- und Regionalschul- sowie Gymnasiallehrern. „Das Prinzip kleine Kinder, kleines Geld - große Kinder, großes Geld diskreditiert die anspruchsvollen Bildungsaufgaben in allen Altersklassen und darf nicht weiter gelten“, betonte die Gewerkschafterin.


„Rettet die Bildung“, hieß es auf einem Rettungsring aus Pappe, den eine Grundschullehrerin aus Lübtheen zur Kundgebung der Lehrer vor dem Schweriner Schloss trug. Die Pädagogin, die ihren Namen nicht nennen wollte, bezeichnete eine faire tarifliche Eingruppierung und Gleichbehandlung mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung als überfällig. „Solange im Westen mehr bezahlt wird, wird die Abwanderung junger Lehrer nicht enden“, sagte sie. Die fehlende Eingruppierung verhindere auch Beförderungen, fügte Ute Vandreier aus Bad Kleinen hinzu.

Die Wismarer Regionalschullehrerin Christine Schäfer forderte mehr Anrechnungsstunden für ältere Kollegen und Klassenleiter. Zeitprobleme sieht Cathrin Weigel, Grundschullehrerin aus Wismar, durch die Integration von Kindern mit Lernschwierigkeiten in Grundschulklassen mit bis zu 30 Schülern. Die angestrebte Inklusion (gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung) bedeute für die Lehrer einen täglichen Spagat, sagte die Wismarerin.


Probleme an den bestreikten Schulen des Amtsbereiches gab es nach Aussage des Bildungsministeriums nicht. Für Grund- und Förderschüler waren Notdienste zur Betreuung eingerichtet. An der Schweriner Kundgebung nahmen auch Polizisten und Erzieher teil.

Laut Beamtenbund sind von dem Tarifstreit in Mecklenburg-Vorpommern über 40 000 Beschäftigte und Beamte, darunter 10 000 Lehrer, über 5000 Polizisten sowie 2200 kommunale Beamte betroffen.
Schwerin bildete den Auftakt der Streikwelle in Mecklenburg-Vorpommern. An diesem Dienstag seien die Lehrer des Schulamtes Neubrandenburg zum Streik aufgerufen. Mittwoch folgt der Amtsbezirk Greifswald, am Donnerstag soll in der Region Rostock gestreikt werden.


Am Mittwoch nächster Woche (6. März) sind nach GEW-Angaben landesweite Lehrerstreiks und eine Großkundgebung in Schwerin geplant. Die vorerst letzte Verhandlungsrunde für die Beschäftigten der Länder soll am Tag darauf in Potsdam beginnen.

Die GEW hat zum Ausstand aufgerufen, um so ihren Forderungen in den bundesweiten Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes Nachdruck zu verleihen. Es geht um 6,5 Prozent mehr Gehalt und eine tarifliche Eingruppierung angestellter Lehrer, die sich gegenwärtig von Land zu Land unterscheidet. In Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit noch immer alle Pädagogen als Angestellte und nicht als Beamte im Schuldienst beschäftigt.

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