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Hoffnung auf erstes Wolfsrudel in MV : 1500 Kilogramm Fleisch im Jahr

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Die Zahl der Wölfe in der Region könnte sich bald erhöhen, denn der Wolf in der Lübtheener Heide hat eine Partnerin gefunden. Die Hoffnungen auf ein erstes mecklenburgisches Wolfsrudel steigen.

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erstellt am 29.Apr.2013 | 07:43 Uhr

Schwerin/Rostock | Der Wolf ist ins Gerede gekommen. Er sei weder eine Figur der Grimmschen Märchen, noch weniger entspringe er einem Bambi-Film, meint Hennig Voigt vom Jägerverband. "Wölfe sind nun mal Raubtiere, die bis zu 1500 Kilogramm Fleisch im Jahr fressen. Die Natur bietet davon für die Zahl der Wölfe in MV ausreichend", ergänzt er. Und die Zahl der Wölfe in der Region könnte sich bald erhöhen, denn der Wolf in der Lübtheener Heide hat eine Partnerin gefunden. Die Hoffnungen auf ein erstes mecklenburgisches Wolfsrudel steigen.

Doch mit den Hoffnungen der Naturschützer auf ein Wolfsrudel vergrößert sich auch die Angst anderer vor den Wölfen. Zur Aufklärung der Vorurteile startet der Nabu heute die bundesweite Kampagne "Willkommen Wolf", um auch Tierhalter auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten. Zurecht, wie Jäger Voigt bestätigt: "Schafhalter befürchten Gefahr für ihre Tiere, die Menschen selbst sind verunsichert." Markus Bathen, Leiter des Projektes "Wolf" des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), versucht zu beruhigen: "Der Wolf ist ein schüchternes Tier, das dem Menschen eher gleichgültig gegenübertritt, wenn dies in einem der seltenen Fälle tatsächlich passieren sollte."

Anders als im Märchen stehen Menschen definitiv nicht auf der Speisekarte der Wölfe. Nutztiere des Menschen, wie Schafe und Ziegen, passen da schon eher in sein Beuteschema. Aber: "Wissenschaftler haben mit Kotproben beweisen können, dass nur 0,5 Prozent der Nahrung der Wölfe Tiere des Menschen sind", erklärt der Spezialist Bathen. Solange unsere Haustiere gut geschützt seien, würden Wölfe Zäune oder Herdenschutzhunde meiden, erklärt der 41-Jährige weiter. Auf Rehe, Rothirsche und Wildschweine hat es der Canis lupus, so der lateinische Name des Wolfes, viel eher abgesehen.

Unter dem Slogan "Rotkäppchen lügt" wollen die Naturschützer des Nabu zeigen, dass Wölfe sehr zurückhaltende Tiere sind und dem Menschen aus dem Wege gehen. In den wenigen Jahren, in denen der Wolf wieder in Deutschland anzutreffen sei, gab es keinen einzigen Vorfall zwischen Mensch und Tier, heißt es vom Nabu. Auch Hennig Voigt kann dies bestätigen. Als Jäger kennt er die Bedeutung des Wolfes in der Region: "Der Wolf ist eine seltene, streng geschützte Art, die sich über Polen seit 2001 wieder in Deutschland ansiedelt."

Der Appell, das Land sei dazu verpflichtet, die Wölfe zu schützen und ein Umdenken zu ermöglichen, wurde mit Erfolg an die Politiker getragen. Mit dem Managementplan 2010 und der "Förderrichtlinie Wolf " wurden erste Schritte unternommen, um die Existenz der hundeähnlichen Art in Deutschland zu ermöglichen. Mit dem Bau von wolfssicheren Zäunen soll das Bauerngut geschützt werden. Das Land fördert diese Maßnahme mit finanziellen Mitteln. "Sollte es einem Wolf doch einmal gelingen ein weniger geschütztes Haustier zu reißen, so garantiert MV einen Schadensausgleich", weiß Markus Bathen.

Sollte sich tatsächlich ein Wolfspaar in der Lübtheener Heide gebildet haben, könne sich der Wolf in unserer Region stärken. "Von einem Rudel sprechen Experten allerdings erst dann, wenn dauerhaft mindestens drei Wölfe in einem bestimmten Gebiet nachgewiesen werden können", beschreibt Bathen die Rudelbildung. Hat der Wolfsrüde in MV tatsächlich eine passende Partnerin gefunden, wäre sogar Nachwuchs möglich. MV biete mit der im Vergleich zum Bundesdurchschnitt geringen Menschendichte optimale Vorraussetzungen für ein Wolfsrudel.

Markus Bathen weiter: "Bei einem Wurf mit bis zu acht Welpen ist die Sterblichkeit der Jungtiere mit 50 Prozent im ersten Jahr jedoch ziemlich hoch. Zusätzlich mit der geringen Verbreitungsdichte der Wölfe ist eine explosionsartiger Anstieg der Anzahl der Tiere in MV nicht zu erwarten."

Schließlich ist es bei den Wolfspaaren wie beim Menschen, sagt der Nabu. Entweder sie passen zusammen oder sie gehen erneut getrennte Wege. Frühestens im Sommer wird sich zeigen, ob sich aus dem Wolfspärchen ein erstes Wolfsrudel bilden wird und ob die Geschichte mit dem Wolf dann doch sein Happy End gefunden hat.

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