Schwerin, Wittenburg, Hagenow : 1500 Arbeiter streiken bei Oetker & Co

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Großprostest: Gefordert wird eine stufenweise Angleichung an den West-Tarif. Ein Protestzug durch Wittenburg ist geplant

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08. Juni 2016, 05:00 Uhr

Großprotest vor den Werkstoren der Vorzeigeunternehmen der Ernährungswirtschaft in MV: Im Pizzawerk Dr. Oetker in Wittenburg, im Kaffeekapselwerk des Weltkonzerns Nestlé in Schwerin, bei Essig- und Feinkosthersteller Carl Kühne in Hagenow sowie dem Kartoffelpüree-Werk der Emsland-Stärke-Gruppe in Hagenow – morgen wollen mehr als 1500 Beschäftigte für ein Ende der Lohnunterschiede in Ost und West auf die Straße gehen. Im Vorfeld der für den 17. Juni angesetzten neuen Tarifrunde hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bei einem gemeinsamen Warnstreik zu einem Protestmarsch durch die Innenstadt Wittenburgs aufgerufen. 26 Jahre nach der Deutschen Einheit forderten sie für die 1900 Beschäftigten in den obst- und gemüseverarbeitenden Firmen in MV einen Stufenplan zur Angleichung der Löhne an das Westniveau, erklärte NGG-Geschäftsführer Jörg Dahms gestern. In MV habe sich die „Crème de la Crème der Ernährungswirtschaft“ angesiedelt, gleichzeitig halte die Branche im Lohnvergleich aber die rote Laterne, kritisierte er. Die Löhne für die Beschäftigten im Nordosten fallen den Gewerkschaftsangaben zufolge mehrere hundert Euro niedriger aus als im vergleichbaren Tarifgebiet Schleswig-Holstein/Hamburg.

Eine Branchenstudie der Norddeutschen Landesbank (NordLB) hatte kürzlich der Ernährungswirtschaft in MV Wettbewerbsfähigkeit bescheinigt. Danach erwirtschaftete jeder Mitarbeiter der Branche in MV 2014 einen Umsatz von 286 690 Euro, gut 30 000 mehr als im Bundesschnitt. Bei der Leistung sei es „angemessen, eine stufenweise Angleichung der Löhne zu fordern, aber von den Arbeitgebern unangemessen, auf die Forderungen nicht einzugehen“, sagte Dahms.

Mit dem morgigen Großprotest verschärfen sich Tarifauseinandersetzungen weiter. Bereits im April war es zu Warnstreiks gekommen. In drei Lohnrunden hatten die Arbeitgeber die Beschäftigten bisher aber abblitzen lassen und eine Lohnerhöhung von sieben Prozent für knapp zwei Jahre angeboten. Das „ist die Schmerzgrenze“ und ein „großer Schritt“, die Lohnlücke zu schließen, sagte Uwe Teuchert, Chef des Arbeitgeberverbandes Nordernährung, gestern. Ein höherer Lohnabschluss „schießt die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern aus der Vergleichbarkeit mit anderen europäischen Standorten“. Eine Lohnerhöhung von 27 Prozent in vier Jahren würde „massiv Arbeitsplätze gefährden“. Teuchert: Nach derzeitigem Stand werde es „keinen Stufentarifvertrag geben“.  

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