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Volkshochschulen helfen mehr als 1000 Analphabeten im Jahr : 150 000 Menschen in MV können nicht schreiben

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Wenn Worte zur Qual werden. Allein in Mecklenburg-Vorpommern soll es 150 000 Erwachsene geben, die nicht richtig lesen und schreiben können oder große Probleme haben, geschriebene Texte zu verstehen.

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erstellt am 06.Sep.2013 | 07:51 Uhr

Schwerin | Wenn Worte zur Qual werden. Allein in Mecklenburg-Vorpommern soll es 150 000 Erwachsene geben, die nicht richtig lesen und schreiben können oder große Probleme haben, geschriebene Texte zu verstehen, gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung an. Nach einer aktuellen Studie der Universität Hamburg sind 14 Prozent der Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren in Deutschland Analphabeten. An ihr Handicap erinnert an diesem Sonntag der Weltalphabetisierungstag.

"Viele der Analphabeten haben das Lesen und Schreiben trotz Schulbesuchs nie richtig gelernt", sagte gestern Dr. Marion Buhl vom Volkshochschulverband Mecklenburg-Vorpommern, gegenüber unserer Redaktion. Häufig würden sich die Betroffenen schämen und versuchten, ihr Manko zu überspielen.

Von den Volkshochschulen im Land werden über 90 Prozent aller Alphabetisierungskurse angeboten. Jährlich lernen mehr als 1000 Teilnehmer an 13 Volkshochschulen des Landes Lesen und Schreiben. 40 Unterrichtsstunden sind pro Semester vorgesehen. Viele Kursteilnehmer würden allerdings mehrere Semester benötigen.

Trotz lückenhafter Kenntnisse beim Schreiben und Lesen hat die große Mehrheit der Kursteilnehmer eine Schule absolviert. Nur jeder fünfte Kursteilnehmer hat nach Angaben des Volkshochschulverbandes keine abgeschlossene Schulausbildung. 47,7 Prozent haben dagegen die Hauptschule geschafft und 12,3 Prozent sogar die mittlere Reife erreicht.

Das Vorurteil, Analphabeten seien fast ausschließlich arbeitslos, ist falsch. "57 Prozent der Teilnehmer der Lese- und Schreibkurse an den Volkshochschulen sind erwerbstätig", sagte Frau Buhl. Bauhilfsarbeiter, Hausmeister und Kellner seien Berufsgruppen, die am häufigsten vertreten sind.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat Ende 2012 eine Alphabetisierungskampagne gestartet. Ein Teil des Konzeptes ist die multimediale Wanderausstellung "Lesen und Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt", die im Juli auch im Rathaus Neubrandenburg zu Gast war.

In Mecklenburg-Vorpommern sind weitere Projekte angelaufen, die Menschen mit Schreib- und Leseproblemen helfen sollen. Eines davon ist das Bildungsprojekt "Phönix" von der Agentur der Wirtschaft, das in Neubrandenburg gestartet wurde. Es unterstützt Menschen mit Schreib- und Leseschwächen, indem individuelle Lehrpläne erstellt werden, die auch auf die Anforderungen am Arbeitsplatz abgestimmt sind.

Das Schweriner Bildungsministerium verwies darauf, dass in den Haushalten 2012 und 2013 jeweils 330 000 Euro für Alphabetisierung und Grundbildung bereitgestellt wurden.

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