Güstrow/Bützow : 115: noch kein Anschluss

Foto: Britta Pedersen dpa/lbn
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Die Deutschen nehmen die 2009 eingeführte einheitliche Behördennummer 115 laut gut an. Noch keinen direkten Draht zu ihren Verwaltungen unter der einheitlichen Telefonnummer haben die Bürger im Landkreis Rostock.

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03. Juli 2012, 05:35 Uhr

güstrow/Bützow | Die Deutschen nehmen die 2009 eingeführte einheitliche Behördennummer 115 laut Bundes-Innenministerium gut an. Derzeit sind neben der vollständig angeschlossenen Bundesverwaltung acht Länderbehörden sowie 282 Kommunen in elf Bundesländern an der 115 beteiligt, etwa die gleiche Menge Städte, Gemeinden und Landkreise soll noch bis Jahresende folgen. Noch keinen direkten Draht zu ihren Verwaltungen unter der einheitlichen Telefonnummer haben die Bürger im Landkreis Rostock. "Derzeit gehört das nicht zu unseren vordringlichen Aufgaben", erklärt dazu Kreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm, wohl wissend, dass die Häuser am Wall in Güstrow und ihre Außenstellen in der alten Kreisstadt Bad Doberan mit der inhaltlichen Umsetzung der Kreisgebietsreform noch reichlich zu tun haben. Auch in Bützow steht laut Bürgermeister Sebastian Constien die Einführung der 115 noch nicht in Aussicht. Zudem sei zu prüfen, welche finanziellen Auswirkungen die telefonische Behördenauskunft für die Stadt und die amtsangehörigen Gemeinden hätte. Ähnlich lautet die Auskunft aus dem Amt Güstrow-Land und aus dem Rathaus Krakow am See. Wie das Pilotprojekt finanziell und auch organisatorisch zu bewerkstelligen sei, ist ebenfalls für die Stadt Güstrow noch ungeklärt, heißt es aus dem Büro des Bürgermeisters. Auch habe der Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommerns noch keine Empfehlung zur Teilnahme herausgegeben. Entsprechend von Teilnehmern verwaist ist auch noch die Landkarte des Nordostens. Vielfach unklar ist ohnehin noch die Tariffrage für die 115. Geregelt ist, dass die Bürger aus dem Festnetz zum Ortstarif anrufen können. Auch soll die Nummer, wenn sie denn erreichbar ist, flatrate-fähig sein, erklärt die IT-Beauftragte der Bundesregierung Cornelia Rogall-Grothe. Die Telekom und mehrere alternative Anbieter hätten sich bereits darauf eingestellt. Für den Mobilfunk gelte dies allerdings noch nicht. Hier sei der Anrufer gefordert, bei seinem Anbieter den Tarif zu ergründen. Eine gesetzliche Ansagepflicht bestehe bei der 115 jedenfalls nicht.

Dies kann André Sonnenberg nicht nachvollziehen. Der Güstrower, der ehrenamtlich für die rechtlichen und sozialen Belange behinderter und chronisch kranker Menschen eintritt, fürchtet, dass es Anbieter gibt, die mit der 115 Abzocke betreiben könnten. Sonnenberg: "Es kann nicht sein, dass je nach Anbieter ein Anruf aus dem Festnetz bis zu 14 Cent und aus dem Handynetz sogar bis zu 30 Cent fällig werden. Sozial schwache Menschen, die sowieso schon kaum Geld im Portmonee haben, werden da noch finanziell ausgebeutet, nur weil sie sich behördlich und rechtlich beraten lassen wollen." Eher müsse es Ziel sein, mit der 115 ein "transparentes und barrierefreies Behördensystem" für jeden Bürger zu schaffen.

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