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Deutschlands größte Gesundheitsstudie : 11 000 Tests auf Herz und Nieren

vom
Aus der Onlineredaktion

Nordostdeutsches Nako-Studienzentrum zieht Halbzeitbilanz. Im April 2018 sollen Erstuntersuchungen abgeschlossen sein

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Karin Jungbluth (33) aus Neubrandenburg hat die 10 000 vollgemacht. Gestern, zur Halbzeitbilanz von Deutschlands größter Langzeit-Gesundheitsstudie Nako, gab es dafür einen Blumenstrauß. Tatsächlich haben sich inzwischen bereits 11 000 Mecklenburger und Vorpommern auf Herz und Nieren testen lassen. Bis 2018 sollen es 20 000 sein, 6000 dieser Probanden werden zusätzlich im Magnetresonanztomographen (MRT) untersucht.

Bundesweit erfasst die Studie die Daten von 200 000 Menschen, um die Prävention, Früherkennung und Behandlung chronischer Erkrankungen langfristig zu verbessern. Nur noch ein weiteres von bundesweit 18 Studienzentren, nämlich das in Augsburg, wird dabei ebenfalls so viele Probanden untersuchen wie das nordostdeutsche, so Studienleiter Prof. Dr. Henry Völzke vom Greifswalder Institut für Community Medicine gestern in Neubrandenburg. Dort befindet sich das Hauptstudienzentrum im Land, ein weiteres arbeitet in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Die Entscheidung für diese Region war in erster Linie wegen der gesundheitspolitisch brisanten Situation zwischen Haff und Müritz gefallen. Dort geht eine besonders hohe Erkrankungsrate mit grassierender Arbeitslosigkeit und einer großen Abwanderungsrate einher. Das Armutsrisiko ist vor allem im Osten Vorpommerns enorm. Wie sich diese sozialökonomischen Faktoren auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken – auch das soll mit der Nako erforscht werden.

„Die Erstuntersuchung in Mecklenburg-Vorpommern soll bis zum April 2018 abgeschlossen werden“, kündigte Völzke an. Das sei ambitioniert, aber zu schaffen. „Seit gut einem halben Jahr laufen wir auf Vollbetrieb mit optimaler Auslastung“, so Völzke. Heute würden täglich bis zu 35 Teilnehmer in beiden Studienzentren und bis zu elf Teilnehmer im MRT-Zentrum untersucht. Eine Besonderheit des Nordostdeutschen Studienzentrums seien die temporären Untersuchungszentren in der Mecklenburgischen Seenplatte. 2014 sei in Neustrelitz gestartet worden. Derzeit liefen die Untersuchungen in Waren an der Müritz, im August würde die Nako-Außenstelle dann nach Demmin weiterziehen.

„Die Erfahrungen aus der ersten Halbzeit in MV zeigen deutlich, dass sich die temporären Studienzentren positiv auf die Teilnahmebereitschaft auswirken. Eine Stärke der Studie in der Fläche sind klar die kurzen Wege für die Studienteilnehmer in der Region“, unterstrich Dr. Sabine Schipf, die das 60-köpfige Nako-Team in MV koordiniert. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Bisher kommt jeder Fünfte, der eingeladen worden ist.

Jeder Studienteilnehmer lei- ste auch einen persönlichen Beitrag zum medizinischen Fortschritt, betonte Wirtschaftsminister Harry Glawe. „Verlässliche Daten sind für eine nachhaltige Gesundheitsförderung und Krankenversorgung unabdingbar“, sagte der CDU-Politiker.

Gegenwärtig ist die Qualitätssicherung und Freigabe der Daten der bisherigen Teilnehmer für erste Veröffentlichungen wissenschaftlicher Auswertungen in Vorbereitung. 2018 ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen. Parallel dazu würden bereits die ersten Folgetests ab Mai 2018 geplant, so Völzke. Denn nach vier bis fünf Jahren würden die Teilnehmer der Erstuntersuchung erneut eingeladen, um den Verlauf ihrer gesundheitlichen Entwicklung verfolgen zu können.

Die  Nako-Gesundheitsstudie (Nako  steht für Nationale Kohorte) ist eine bundesweite,  über 20 bis 30 Jahre  angelegte Langzeit-Gesundheitsstudie. Sie soll helfen, die Ursachen von Volkskrankheiten wie z.B. Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes, Demenzerkrankungen und Infektionskrankheiten aufzuklären; Risikofaktoren zu identifizieren, Wege einer wirksamen Vorbeugung aufzuzeigen sowie Möglichkeiten der Früherkennung von Krankheiten zu identifizieren. In der Studie werden in  ganz Deutschland 200 000 nach  dem  Zufallsprinzip  ausgewählte Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren  medizinisch untersucht und nach Lebensgewohnheiten (z.B. körperliche Aktivität, Rauchen, Ernährung, Beruf) befragt.

Darüber hinaus werden allen Studienteilnehmern Blut-,  Urin-  und  Stuhlproben entnommen und für spätere Forschungsprojekte in einer zentralen Bioprobenbank gelagert.

Nach fünf Jahren werden alle Teilnehmer erneut zu einer Untersuchung und zweiten Befragung  eingeladen. Im Laufe der Nachbeobachtung über zehn bis 20 Jahre werden bei einigen Teilnehmern naturgemäß bestimmte Erkrankungen auftreten, die dann mit den erhobenen Daten in Verbindung gebracht werden können. Die Studie bietet damit ein einzigartiges Potential für eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen.

Aus alledem werden die Forscher  Erkenntnisse darüber gewinnen, wie genetische Faktoren, Umweltbedingungen, soziales Umfeld und Lebensstil  bei der Entstehung von Krankheiten zusammenwirken. Aus den Erkenntnissen sollen Strategien für eine bessere Vorbeugung und Behandlung der wichtigsten Volkskrankheiten abgeleitet werden.


 

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