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Hilfe zur Erziehung : 1000 Kinder aus Familien geholt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In vier von zehn Fällen spielt Überforderung der Eltern bei der Versorgung und Erziehung des Nachwuchses eine entscheidende Rolle

von
erstellt am 04.Jan.2015 | 19:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Jugendämter holen jedes Jahr etwa eintausend gefährdete Kinder und Jugendliche aus ihren Familien und nehmen sie bei akuten Krisen in Obhut. In vier von zehn Fällen spielt Überforderung der Eltern bei der Versorgung und Erziehung des Nachwuchses eine entscheidende Rolle, wie das Statistische Amt mitteilte.

Weitere Gründe für die Unterbringung von Minderjährigen außerhalb ihres Zuhause seien Beziehungsprobleme in den Familien, Vernachlässigung oder auch Straftaten von Jugendlichen. Bei knapp zehn Prozent aller Fälle habe es Anzeichen von Kindesmisshandlungen oder von sexuellem Missbrauch gegeben, hieß es. Die Zahlen insgesamt im Land sanken seit 2011 leicht von 1062 auf 994 Inobhutnahmen im Jahr 2013. Für das abgelaufene Jahr 2014 gab es noch keine statistischen Angaben. Im Jahr 2013 waren etwas häufiger Mädchen betroffen – bei 517 Inobhutnahmen. Unter den aus den Familien geholten Minderjährigen waren 274 Mädchen und Jungen im Alter von 14 und 15 Jahren, 191 Jugendliche von 16 und 17 Jahren, 147 Kinder von 12 und 13 Jahren sowie 125 Kleinstkinder von unter drei Jahren.

Laut Sozialministerium werden Kinder oder Jugendliche von den Behörden in Obhut genommen, wenn der junge Mensch das Jugendamt darum bittet oder eine akute Gefährdung seines Wohls vorliegt. Laut Gesetz müssen auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach deren Aufgreifen sofort durch das örtliche Jugendamt betreut und eine Vormundschaft durch die Behörde eingerichtet werden, wie ein Sprecher erklärte. In Mecklenburg-Vorpommern wurden in den vergangenen Jahren etwa 60 asylsuchende Kinder und Jugendliche, die ohne die Begleitung Erwachsener einreisten, von den Behörden in Obhut genommen. Die meisten von ihnen kamen im Landkreis Ludwigslust-Parchim unter, hier befindet sich die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber des Landes in Horst bei Boizenburg.

In dem südwestlichen Landkreis wurden von Januar bis Mitte Dezember 2014 insgesamt 67 Minderjährige in Obhut genommen, davon 21 unbegleitete Flüchtlinge. Bis zum Jahr 2013 waren im Kreis Ludwigslust-Parchim jedes Jahr etwa nur 5 minderjährige Asylsuchende ohne Begleitung der Eltern in behördliche Obhut genommen worden. Die übrigen Landkreise machten keine Angaben zur Arbeit ihrer Jugendämter.

Auf den Umgang mit asylsuchenden Kindern und Jugendlichen werden die zuständigen Behörden der Kommunen indessen offenbar nicht ausreichend vorbereitet. Es habe zwar für jene Mitarbeiter, die in den Regionen mit hohen Flüchtlingszahlen wie etwa in der Landes-Aufnahmestelle arbeiten, Weiterbildungen gegeben. Aber: „Kontinuierliche Schulungen wären wünschenswert“, erklärte Andreas Bonin, Sprecher vom Kreis Ludwigslust-Parchim. Zudem wären mehr Mitarbeiter in den Jugendämtern nötig, um dem wachsenden Bedarf durch minderjährige Flüchtlinge gerecht zu werden, meinte Bonin.

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