Flüchtlinge in MV : 100 Deutschlehrer auf Reserve

Im Intensivkurs lernen die Schüler der Sekundarstufe bis zu 20 Stunden in der Woche Deutsch.
Im Intensivkurs lernen die Schüler der Sekundarstufe bis zu 20 Stunden in der Woche Deutsch.

Land stellt zusätzliche Lehrstellen bereit. Anzahl der Schüler nichtdeutscher Herkunft steigt nur langsam

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13. November 2015, 08:00 Uhr

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sind auf die Flüchtlingskinder gut vorbereitete. Durch zusätzliche Sprachangebote können Asylbewerber schnell integriert werden. Das teilte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern in Schwerin mit. „Das Land hat vorgesorgt, um bei steigenden Flüchtlingszahlen weitere Sprachangebote machen zu können.“

Wie viele Flüchtlingskinder es derzeit an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern gibt, konnte Brodkorb nicht sagen. Auch eine Prognose für die nächsten Monate wäre nicht möglich. Für Flüchtlinge würde in MV die Schulpflicht erst mit dem Erhalt der Aufenthaltsgenehmigung beginnen. Voraussetzung sei zudem ein ärztliches Gesundheitsattest. Ein Großteil der Flüchtlinge würde jedoch das Bundesland mit ihrer Familien wieder verlassen, wenn diese ihren Wohnsitz frei wählen könnte, schätzt Brodkorb. Daher wäre es nur schwer abzuschätzen, wie viele Flüchtlinge demnächst die Schulbank im Land drücken.

Fakt ist, dass die Zahl der Schüler nichtdeutscher Herkunft insgesamt bisher nur geringfügig zunimmt. Waren es im vergangenen Schuljahr 3371 Mädchen und Jungen sind es nun 3643. Das entspricht einem Zuwachs von 272 Schülern in den vergangenen drei Monaten.

Um auf einen möglichen Anstieg nichtdeutscher Schüler schnell reagieren zu können, hat das Land nun 100 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte mit dem Fach Deutsch als Zweitsprache zur Verfügung gestellt. Damit könnten bis zu 1400 weitere Kinder beschult werden. Dieser Puffer soll auch in Zukunft je nach Entwicklung der Flüchtlingszahlen beibehalten werden. 7,5 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt würden dazu im Jahr zur Verfügung stehen, meint Brodkorb: „Wir haben keine Stellen- oder Geldsorgen.“

Wichtig sei es nun, die rund 60 noch offenen Stellen schnell zu besetzen. Bundesweit würden Deutschlehrer gesucht werden. Der Minister wendet sich daher auch gezielt an Ruheständler: „Lehrer im Ruhestand, die für einige Stunden Deutschunterricht erteilen möchten, sind bei uns ebenfalls willkommen. Wir können jeden Pädagogen gebrauchen, der sich engagieren möchte.“

Das somit mehr Lehrer eingestellt werden könnten, als schließlich gebraucht werden, sieht Brodkorb als gewisses Risiko, dass er gerne bereit ist einzugehen. „Von den zusätzlichen Lehrern würden nicht nur die Flüchtlinge profitieren, sondern auch die anderen Schüler. Es gibt immer Lehrer, die an der Schule als Begleit- oder Förderlehrer helfen können.“

Für Schüler an allgemeinbildenden Schulen, die sich nicht elementar verständigen können, beginnt die Sprachförderung mit einem Intensivkurs. In der Grundschule umfasst dieser zehn und in der Sekundarstufe 20 Wochenstunden. Derzeit gibt es insgesamt 153 Lerngruppen an 125 Standorten. Reine Flüchtlingsklassen, wie in anderen Bundesländern bereits üblich, gebe es in MV bisher nicht, sagt Brodkorb. „Das ist eine Maßnahme, die wir den Schulleitern nur raten möchten, wenn das Gefüge in der Klasse ansonsten zu sehr durcheinanderkommt und die Qualität des Unterrichts dadurch leidet.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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