Wismar feuert Ex-Kämmerer : 100.000 Euro abgezweigt

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Heinz Holthoff Stadt

Erst war er tagelang abgetaucht, jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Schwerin wegen Untreue gegen Heinz Holthoff, den ehemaligen Geschäftsführer der Wismarer Wirtschaftsförder- und der Sanierungsgesellschaft.

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31. Januar 2013, 10:37 Uhr

Wismar | Erst war er tagelang abgetaucht, jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Schwerin wegen Untreue gegen den inzwischen gefeuerten Geschäftsführer der Wismarer Wirtschaftsförder- und der Sanierungsgesellschaft: Heinz Holthoff soll 100 000 Euro aus deren Kassen in seine eigene Schatulle umgeleitet haben. "Für private Zwecke", wie Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) nach einem Gespräch mit dem nun wieder aufgetauchten Geschäftsführer sagt. Holthoff selbst war für die Redaktion nicht zu erreichen.

Heute Abend beschäftigt sich die Bürgerschaft auf Antrag der FDP-Fraktion mit den Vorgängen um Holthoff. Die Liberalen fordern die Einsetzung eines Sonderausschusses. Denn viele Fragen sind offen: "Um aufzuklären, warum Dienst- und Fachaufsicht versagten, internes und externes Controlling nicht funktionierte, offenbar Alleinverfügungsberechtigungen über beachtliche Beträge vorhanden sind, beantragen wir den Ausschuss", so Fraktionschef René Domke. Zugleich deutet er auch Kritik am Krisenmanagement des Bürgermeisters an." Der Bürgerschaft war es wegen des nicht öffentlichen Charakters der Informationen des Bürgermeisters in der letzten Sitzung bislang nicht möglich, auf die laufenden Ermittlungen gegen den leitenden Beamten der Hansestadt Wismar einzugehen.

Auch die Frage nach der politischen Verantwortung für mögliche Versäumnisse wird sich diesen Untersuchungen anschließen." Ähnlich äußert sich auch Tino Schwarzrock von den Grünen, die zwei Abgeordnete in der Bürgerfraktion stellen. Alle Anzeichen deuten indes darauf hin, dass die Mehrheitsfraktionen SPD und CDU die Einrichtung eines Sonderausschusses ablehnen.

Bürgermeister Beyer hat inzwischen den zuständigen Gremien empfohlen, den Geschäftsführer fristlos zu kündigen sowie Strafanzeige gegen ihn zu stellen und Schadensersatz zu fordern. Zusätzlich soll in beiden Gesellschaften eine entsprechende Innenrevision durch einen noch zu bestellenden Wirtschaftsprüfer vorgenommen werden. Damit solle das gesamte Ausmaß der Unterschlagung aufgeklärt werden, sagt Beyer. Die Aufsichtsräte der Wirtschaftsförder- und der Sanierungsgesellschaft der Hansestadt Wismar folgten den Empfehlungen des Bürgermeisters. Zugleich wurde ein Disziplinar- und Strafverfahren wegen Veruntreuung und Unterschlagung eingeleitet.

Gerüchte, nach denen der Bürgermeister schon im September über die verschwundenen Gelder informiert gewesen sein soll, wies Beyer auf Nachfrage zurück. Offen ist ebenfalls, seit wann sich der geschasste Geschäftsführer schon aus den auch mit Steuergeldern gefüllten Kassen bedient hat: "Um diese Frage zu beantworten, werden die Ergebnisse der zur Zeit stattfindenden Untersuchung abzuwarten sein", bleibt der Bürgermeister vorsichtig.

Und eine weitere Frage stellt sich: Warum hat die Beteiligungsverwaltung der Stadt nicht schon früher etwas bemerkt? "Aufsichtsgremien für die Gesellschaften sind die Aufsichtsräte. Die Beteiligungsverwaltung soll vor allem dafür sorgen, die städtischen Ziele in den Beteiligungsunternehmen zu sichern. Bemerkt wurde früher insbesondere deshalb nichts, da der ehemalige Geschäftsführer bewusst getäuscht hat", sagt Beyer. Ebenso unklar ist, warum Holthoff - übrigens früher Stadtkämmerer - den Griff in die Kassen riskiert haben soll - kurz vor seiner Pensionierung.

Zu dem von der FDP beantragten Sonderausschuss will Beyer keine klare Stellung beziehen. "Das ist und bleibt eine Entscheidung der Bürgerschaft, die nicht zu kommentieren ist", meint der Bürgermeister. Als Verwaltung sei man selbst bereits dabei, umfassend aufzuklären. Und zu schlechter Letzt: Ausgerechnet der Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft hat seine Februarsitzung abgesagt. Begründung: "Die Verwaltung muss sich neu ordnen. Zudem ermittelt der Staatsanwalt. Wir gehen davon aus, dass wir nicht in die Ermittlungen eingreifen können. Wir sind nicht zuständig, um eigene Ermittlungen anzustellen." Sagt Vorsitzender Siegfried Rakow (CDU).

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