zur Navigation springen

Polizeieinsatz : 1. Mai: Schwerin wird zur Festung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bisher fünf Demonstrationen in der Landeshauptstadt angemeldet. Zum sechsten Mal Sternfahrt durch Nazi-Dorf Jamel geplant

von
erstellt am 08.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Verhältnismäßig ruhig war es in den vergangenen Jahren am ersten Mai in Mecklenburg-Vorpommern. Der Tag der Arbeit, der bundesweit jedes Jahr Tausende Menschen auf die Straßen zieht, lockte mit dem Ende der Jobparade nur noch wenige Menschen im Land vor die Tür. Das könnte sich in diesem Jahr wieder ändern. Allein in Schwerin sind bisher fünf Demonstrationen angemeldet. Die Polizei plant schon jetzt mit einem stark erhöhten Aufgebot an Einsatzkräften.

800 Polizisten kamen im vergangen Jahr auf 350 NPD-Anhänger, die am Tag der Arbeit durch Neubrandenburg zogen. In diesem Jahr wird die Zahl der Einsatzkräfte noch einmal deutlich höher liegen, teilte die Polizei gestern auf Nachfrage mit. Es ist das erste Mal seit langem, dass die NPD auch offiziell wieder in Schwerin demonstriert. Zuletzt tat sie das im vergangenem Jahr und auch 2016 unter den Fahnen von Mvgida. Nun ruft der Landesverband auf seiner Website unter dem dem Slogan „Für Volk und Heimat“ alle „nationalen und patriotischen Kräfte auf, in die Landeshauptstadt Schwerin zu kommen“. Die Polizei rechnet mit etwa 300 Teilnehmern.

Vier weitere Demonstrationen sind in der Landeshauptstadt außerdem geplant, teilt die Stadtverwaltung mit. Neben dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), dem Schweriner Projekt Buntes Q und den Jusos hat gestern noch eine Einzelperson eine Demo unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rassismus“ angemeldet. Die Stadt rechnet mit noch weiteren Anmeldungen. In so genannten Kooperationsgesprächen verhandelt sie gerade mit der Polizei über die genauen Routen der Züge. „Es wird für unsere Verhältnisse ein größeres Polizeiaufgebot geben“, so ein Sprecher der Polizei. „Es gibt mehrere Veranstaltungen und es ist notwendig, diese zu schützen.“

Nicht nur in der Landeshauptstadt gehen die Menschen auf die Straße. Bereits zum sechsten Mal soll eine Sternfahrt durch Jamel statt- finden. Bunte Streuobstwiesen statt braunen Gedankengut will Simone Oldenburg mit der Fraktion der Linken sowie der Grünen und der CDU verbreiten. „Jamel kann schön sein und soll schön werden“, meint Oldenburg. Der Ort ist bekannt für seine rechtsextremen Dorfbewohner. Dem will sich die Radtour entgegensetzen. Auf einer Ausgleichsfläche der Gemeinde wollen die Teilnehmer gemeinsam Obstbäume pflanzen. Ziel ist es, so Oldenburg, einen anderen Blickwinkel auf den Ort zu erhalten. „Man muss nicht immer nur auf die Sympathisanten der NPD aufmerksam machen“, meint die bildungspolitische Sprecherin. Die Obstbäume stünden für die Vielfalt und Farbenpracht im Landkreis. „Braun ist Obst nur, wenn es schlecht ist.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen