28. Jahrestag der Deutschen Einheit : Ein Fest im Zeichen des «Wir-Gefühls»

Berlin hofft auf viel Interesse beim großen Einheitsfest rund ums Brandenburger Tor. Zu diskutieren gibt es jede Menge.

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03. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Zum Einheitstag am 3. Oktober haben Politiker mehr Respekt der Deutschen füreinander angemahnt. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, der Umgang sei bis heute «oftmals verheerend». Ostdeutsche erlebten nahezu täglich emotionale Verletzungen und machten bis heute die Erfahrung, sich rechtfertigen zu müssen - «für alles». Die Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, erklärte: «Die Aufgabe, Ost und West zu verbinden, ist nicht erledigt». Es gebe große soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten.

Berlin stellt mit seinem Regierungschef Michael Müller (SPD) derzeit den Präsidenten des Bundesrats und richtet deshalb die zentrale Feier zum 28. Jahrestag der Wiedervereinigung aus. Das Bürgerfest rund um das Brandenburger Tor war bereits am Montagabend eröffnet worden. Am Einheitstag nehmen auch die Spitzen der Politik an einem Festakt in der Staatsoper sowie einem ökumenischen Gottesdienst teil.

Video-Einladung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin

Am Dienstag zog es schon verstärkt Besucher auf die Festmeile. An den Ständen der Bundesländer gab es zahlreiche Gespräche. Besucher nahmen Informationsmaterial mit und probierten Spezialitäten. An anderen Ständen wurde über die friedliche Revolution diskutiert. Bands probten für ihre Konzerte. Viele Touristen fotografierten sich auf den am Boden aufgeklebten Ortsschildern aller 11 040 deutschen Städte und Gemeinden. Sie sollen das Band der Einheit symbolisieren.

Das gelbe Band der Einheit
Katja Frick
Das gelbe Band der Einheit
 

Band der Einheit

In 30 Minuten durch alle deutschen Orte laufen – das ist momentan in Berlin möglich. Zum Tag der Deutschen Einheit wurden auf den 2,5 Kilometern Festgelände zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz die Ortsschilder aller 11 040 Städte und Gemeinden auf dem Boden angebracht. Nachdem auf den vergangenen Einheitsfesten vor allem die 16 Bundesländer und die Verfassungsorgane im Mittelpunkt standen, soll das „Band der Einheit“ an diesem 3. Oktober den Blick auf die Kommunen lenken. Die Idee dazu hatte die Kulturprojekte Berlin GmbH.

Mahnende Wort zum Festtag

Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft mahnte an, bei aller Freude über die Einheit das Schicksal von SED-Opfern nicht aus dem Blick zu verlieren. Viele warteten noch immer auf Hilfe und fühlten sich allein gelassen, so der Bundesvorsitzende Dieter Dombrowski in einer Mitteilung.

Grünen-Politikerin Kapek beklagte, wo sich der Staat aus der Verantwortung ziehe, schwäche er das Rückgrat der Demokratie. «Ein Staat muss sich um Bürger*innen kümmern», so Kapek. Im Osten gebe es noch immer weniger Rente, Lohn und Sozialleistungen. «Das sind Gräben, die wir füllen müssen, damit wirklich zusammenwächst, was zusammengehört.» Kapek weiter: «Wir brauchen ein neues "Wir"-Gefühl.»

Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf warnte, von einer Spaltung in Deutschland zu sprechen. Dieser Begriff sei «falsch und gefährlich», sagte der CDU-Politiker der «Rhein-Neckar-Zeitung». «Wir setzen uns für unsere Überzeugungen ein, kämpfen um den Erhalt politischer Vorstellungen und ringen um Antworten: alles im Rahmen einer demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung.»

Berlins Regierungschef Müller hatte zum Auftakt des Festes unter dem Motto «Nur mit Euch» betont, die friedliche Revolution habe es nur gegeben, weil Menschen gemeinsam für Demokratie und Menschenrechte gestritten hätten. «Der Tag der Deutschen Einheit ist ein Tag der Freude.» Der Osten Deutschlands verdiene aber mehr Anerkennung und Verständnis.

Sicherheit geht vor

Das Einheitsfest wird von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Am Dienstag waren laut Polizei rund 2300 Beamte im Einsatz. Am Mittwoch sollten es rund 4000 Kräfte sein, die das Fest absichern sowie mehrere Demonstrationen begleiten. Es gilt zudem ein generelles Drohnenverbot, wie die Polizei per Twitter mitteilte:

Ostdeutsche können stolz auf Aufbauleistung sein

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat die Ostdeutschen zu Gelassenheit bei der Bewertung der Aufbauarbeit aufgerufen. «Lassen wir uns doch nicht ständig einreden, dass in den letzten 28 Jahren im Osten alles schiefgelaufen ist», erklärte Tiefensee anlässlich des Tages der deutschen Einheit am Mittwoch.

Der Aufbau Ost sei - trotz noch zu bestehender Herausforderungen - eine Erfolgsgesichte, so Tiefensee. Er ist in dieser Woche mit einer Thüringer Wirtschaftsdelegation in Argentinien und anderen südamerikanischen Ländern unterwegs.

Im Ausland spiele die Trennung in Ost- und Westdeutsche, wie sie hierzulande noch üblich sei, praktisch keine Rolle, so der Minister. Wichtiger sei, was beispielsweise auf wirtschaftlichem Gebiet erreicht worden sei. Inzwischen erwirtschafte Ostdeutschland ein höheres Bruttoinlandsprodukt als Österreich.

Das Programm für den 3. Oktober in Berlin

Alle Angaben laut Veranstalter.

Bühne am Brandenburger Tor

15.15 bis 16.15 Uhr: "Grundgesetz"
Ein chorischer Stresstest von Marta Górnicka, Maxim Gorki Theater

19.30 bis 22 Uhr: #1HEIT - Das Konzert
Das musikalische Highlight der Feierlichkeiten, unter anderem mit Nena, Samy Deluxe, Namika, Beyond Borders Allstars, BÄM! Drumline Berlin

Tanzzelt

14 bis 16 Uhr: Latin
Unterricht für Einsteiger und Show mit Bachata Sensual Berlin

14 bis 16 Uhr: Tanzparty
mit DJ Papa Peter (Soda)

16 bis 18 Uhr: Streetdance
Unterricht, DJ und Shows mit Flying Steps Academy

18 bis 23 Uhr: Tango Ball
Unterricht für Einsteiger mit TangoKollektiv Berlin; Liveprogramm, Show und DJ

Tiergarten Bühne

12 bis 12.30 Uhr: Kater Kati

13 bis 13.30 Uhr: Mark Berube

14 bis 15 Uhr: Ensemble des MitMachMusik e.V.

15.30 bis 16 Uhr: Raketen Erna

16.30 bis 17 Uhr: Gloriaous

17.30 bis 18 Uhr: Lione

Bühne Straße des 17. Juni

12 bis 12.30 Uhr: Bayuk

13 bis 13.30 Uhr: Indra Bahia

14 bis 14.30 Uhr: Hey Jetman

15 bis 15.30 Uhr: The Jooles

16 bis 16.30 Uhr: Katja Aujesky

17 bis 17.30 Uhr: Yusuf Sahilli

18 bis 18.30 Uhr: Nova Fliegt Zum Mond

19 bis 19.30 Uhr: Lizzy

20 bis 22 Uhr: DJs aus dem Netzwerk der Green Music Initiative

>> Weitere Programme und Informationen zu einzelnen Veranstaltungen finden Sie hier.

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