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Schiffshebewerk Niederfinow : Zwischen Technik und Ästhetik

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Neubau des 300-Millionen-Euro-Projekts äußerlich fast fertig. Der „Innenausbau“ läuft jetzt auf Hochtouren.

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2016 | 05:00 Uhr

Die Zeit der großen sichtbaren Veränderungen ist vorbei. Der Baukörper steht. Jetzt wird die „Maschine“ eingebaut, die Technik. Zu den Schwerpunkten gehört derzeit das zentrale Trogsicherungssystem. 2018 soll das neue Schiffshebewerk in Betrieb gehen.

Am Rechner läuft er schon: der größte Fahrstuhl für Schiffe in Europa, sagt Klaus Winter vom Wasserstraßen-Neubauamt Berlin (WNA), Bauherr des 300-Millionen-Euro-Projektes. Hinter den Kulissen, abseits der Baustelle, werden nämlich die Steuerungsprogramme geschrieben, werden der Betrieb bzw. einzelne technische Abläufe bereits simuliert. Überhaupt würden derzeit viele Arbeiten außerhalb von Niederfinow erfolgen. Maschinenbauteile wie Antriebswellen, Ritzel oder Rahmenkonstruktion für den Bedienstand werden bei Firmen, zum Teil im Ausland, hergestellt und komplettiert.

Gleichwohl herrscht auch auf der Baustelle Hochbetrieb. Allerdings nicht immer sichtbar für den interessierten Besucher. Etliche Männer sind beispielsweise unter dem Trog, am Grund der „Wanne“, also im Keller, zugange. Im oberen Vorhafen wiederum sind Taucher im Einsatz. Nachdem dort bis zum Sommer der sogenannte Fangedamm zurückgebaut worden war (er trennte alten und neuen Vorhafen), kann jetzt die Lücke im Kanalbett geschlossen werden. Ein Geotextil wird eingebracht, es folgen Wasserbausteine. „Deshalb die Langarmbagger auf dem Wasser“, erklärt Winter, der auf ein Problem aufmerksam macht.

Ein Problem mit der Sportschifffahrt. „So mancher Bootsführer hält sich nicht an die Absperrungen und fährt auf dem neuen Vorhafen vor in Richtung neues Hebewerk.“ In der Hoffnung, von dort den besten Blick auf die Baustelle zu haben. Das, so betont Winter, sei kein Kavaliersdelikt. Die Wasserschutzpolizei werde, spätestens mit Beginn der neuen Saison, wieder verstärkt den Verkehr kontrollieren und Verstöße entsprechend ahnden. Denn die Schaulustigen würden nicht nur die Arbeiten behindern, sie könnten sich auch in Gefahr bringen.

Anfang des Jahres soll dann auch der Bau des unteren Vorhafens starten. Nach der Planänderung, wonach der anstehende Torf vor Ort verbleibt und das WNA ein Niedermoor „baut“, waren die Leistungen öffentlich ausgeschrieben worden. Ende voriger Woche war Submission. Noch 2016 soll der Auftrag vergeben werden, sagt Klaus Winter. Ein großes Teilprojekt, bei dem erneut Spundwände zu rammen sind und viel Boden bewegt wird.

Parallel laufe der Maschinenbau weiter. „Die Triebstockleitern sind alle montiert. Nächster Schritt ist jetzt der Einbau der Mutterbackensäulen“, so der Vertreter des WNA. Diese riesigen 44 Meter langen bzw. hohen Gewindegänge bilden zusammen mit den innen liegenden Drehriegeln das zentrale Sicherungssystem für den Trog. So wie schon beim alten Hebewerk aus dem Jahr 1934. Für die erste Mutterbackensäule wurden gerade die sogenannten Fußpunkte montiert und ausgerichtet. „Jetzt kommt es wirklich auf absolute Genauigkeit an. Die 25 Tonnen schweren Teile müssen auf weniger als 0,5 Millimeter exakt justiert werden.“ Lasertechnik macht es möglich. Die Drehriegel, ebenso wie die Mutterbacken in Tschechien gefertigt, erhalten gerade in Deutschland die Lager. Bis zum Sommer 2017 soll die Installation der Trogsicherung abgeschlossen sein. Dann könnten auch die Sandsäcke im XXL-Format, die im Moment die Wasserlast simulieren, wieder aus dem Trog gehievt werden.

Rein optisch ist das Hebewerk inzwischen fast komplett. Auf der Seilrollenhalle ist das Dach drauf. Die Seitenverkleidung wird derzeit angebracht. Die Glasfassade der Pylone auf der Nordseite sei fertig, auf der Südseite sei soeben die Abnahme für Pylon drei erfolgt. Der letzte, der vierte folge in etwa drei Wochen.

Neben dem „Innenleben“ beschäftigt das Thema Brandschutz Klaus Winter und seine Crew. Große Löschwasserpumpen müssen beispielsweise eingehoben werden. Und: Seit vier Wochen werden in Niederfinow „Strippen gezogen“. Elektro-, Telekommunikations- und Steuerungskabel sind zu verlegen. Denn: „Im nächsten Jahr wollen wir mit dem Einbau der Steuerungstechnik beginnen“, nennt der Bauüberwacher ein weiteres wichtiges Etappenziel.

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