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Schüler unter sich : Zwischen Streithähnen schlichten

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Landesweiter Schülermediationstag im Hohen Neuendorfer Jugendzentrum Wasserwerk

svz.de von
erstellt am 20.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Siebeneinhalb Milliarden Menschen sind auf der Welt, und alle haben ihre Weltanschauung. Auch in der Schule wird gestritten. Dass es dabei trotzdem möglichst konstruktiv und friedlich zugeht, dafür sorgen an vielen Einrichtungen geschulte Mediatoren.

Sie sollen Streithähnen freundlich gegenübertreten, beiden Seiten zugewandt sein, zuhören und unparteiisch bleiben: Mediatoren an Grundschulen und weiterführenden Schulen. Im Hohen Neuendorfer Jugendzentrum Wasserwerk kamen am Montag hundert Kinder, Jugendliche, Lehrer und Schulsozialarbeiterinnen aus einem Dutzend Schulen des Landes zum Schülermediationstag zusammen. Viele der Schülerinnen und Schüler sind bereits als Streitschlichter tätig, andere wollen es noch werden.

Es gebe inzwischen im Land sehr viele Schulen mit Streitschlichtern, erklärte Mandy Böckenhauer, die als Schulsozialarbeiterin selbst Mediatoren an der Löwenberger Libertasschule ausbildet. „Wir laden Schulen aus dem ganzen Land ein, aber für mehr als hundert ist eben nicht Platz.“ Gemeinsam mit Steffen Kanis, der Mediator von Beruf ist, hatte sie den Tag organisiert. Aus Schildow, Bergfelde, Birkenwerder, Hohen Neuendorf selbst, Fürstenberg, Strausberg und Finsterwalde, Nauen und Löwenberg sowie sogar aus Dessau und Müllrose reisten die Teilnehmer an.

„Die Frage ist ja: Braucht die Welt Mediation?“, fragte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) rhetorisch-provokant, der als früherer Lehrer gewohnt ist, die Aufmerksamkeit von Schülern zu wecken. Doch war seine Antwort eben auch Ja, und sein Beispiel hätte umfassender nicht ausfallen können. „Die siebeneinhalb Milliarden Menschen auf der Welt ticken eben nicht alle gleich. Sie haben Vorstellungen vom Leben, Weltanschauungen, eine Religion.“ Weltweit fänden Streitschlichter da wohl ein weites Betätigungsfeld. Um so besser, wenn jemand frühzeitig in der Lage sei, Streit zu schlichten.

Auch machten bereits Kinder und Jugendliche böse Erfahrungen mit Mobbing oder sogar der Verbreitung von Bösartigkeiten im Internet, so Günter Baaske. Denn da trauten sich viele, Dinge zu verbreiten, die sie jemanden nie ins Gesicht sagen würden – eben weil sie das Gesicht ihres Gegenübers dann auch nicht sähen und deshalb kein Mitgefühl empfinden würden, so der Bildungsminister. „Es ist wichtig, dass ihr vermittelt“, so Baaske, der zukunftsgerichtet hinzufügte: „Ich hoffe, ihr bleibt dabei und macht so etwas vielleicht später im Betrieb.“

Mandy Böckenhauer verweist ebenfalls auf die guten Erfahrungen, die diejenigen Schulen machen, die Mediatoren ausbilden. So war es auch an ihrer Schule, an der sie seit 2011 alle zwei Jahre Siebent- und Achtklässler ausbildet und eine AG für die Mediatoren anbietet, damit sie Erfahrungen austauschen können. Zunächst habe es Zweifel am Nutzen der Streitschlichter gegeben, aber inzwischen seien alle vom Sinn der Sache überzeugt und der Unterschied im Schulklima sei spürbar. „Missverständnisse, die sich wie bei ,stille Post‘ hochschaukeln, sind ein klassischer Anlass zum Streit“, erläutert Mandy Böckenhauer. Da könnten Mediatoren hilfreich eingreifen, auch bei der Entwirrung von Gerüchten.

„Meistens werden wir schon ernst genommen. Die meisten werden anschließend zwar nicht wieder beste Freunde, aber sie leben normal nebeneinander“, sagt der 13-jährige Oliver Neumann, der Streitschlichter an der Libertasschule Löwenberg und führt weiter aus: „Ich finde es gut, wenn ich anderen, die sich streiten, helfen kann, wenn wir Probleme aus der Welt schaffen. Ich kann es auf jeden Fall anderen empfehlen.

Mit Urkunden wurden die Kinder und Jugendlichen für ihr Engagement gewürdigt. Anschließend konnten alle an Workshops teilnehmen. Diese beschäftigten sich zum Teil mit passenden Themen wie Kommunikation, sollten aber auch dem Vergnügen und der Entspannung dienen und ein Dankeschön sein.

 

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