Grüne Woche : Zwischen Häppchen und Politik

Knieperkohl aus der Prignitz gibt’s bei Björn Hildebrandt vom gleichnamigen Hirschhof in Freyenstein (2. v. l.), wie sich Agrarminister Jörg Vogelsänger sowie Brandenburgs Milchkönigin Julia Kopitzsch und Erntekönigin Anne Schubert überzeugen konnten.
Knieperkohl aus der Prignitz gibt’s bei Björn Hildebrandt vom gleichnamigen Hirschhof in Freyenstein (2. v. l.), wie sich Agrarminister Jörg Vogelsänger sowie Brandenburgs Milchkönigin Julia Kopitzsch und Erntekönigin Anne Schubert überzeugen konnten.

Agrarminister Jörg Vogelsänger besucht die Brandenburg-Halle auf der Grünen Woche

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15. Januar 2016, 08:00 Uhr

„Was Besseres als die Grüne Woche gibt es nicht.“ Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger ist in seinem Element. Einen Tag vor der Eröffnung der weltgrößten Agrarausstellung auf dem Berliner Messegelände hat er Journalisten zum Rundgang durch die Brandenburg-Halle eingeladen. Während in der Sachsen-Halle noch die Aufbauarbeiten laufen, und anderswo sogar noch der Fußboden fehlt, geht der Minister von Stand zu Stand, immer im Schlepptau die Brandenburger Erntekönigin Anne Schubert und die Milchkönigin Julia Kopitzsch. Ein Foto hier, ein Häppchen da, und zwischendrin ein flotter Spruch. „Eierlikör aus Beelitz – besser kann die Grüne Woche doch nicht anfangen“, sagt Vogelsänger und trinkt das erste Glas auf Ex. „Golßen ist eine schöne Stadt“, sagt Vogelsänger und beißt in das Wursthäppchen.

Doch für die Aussteller in der mit 820 000 Euro aus dem Landeshaushalt finanzierten Brandenburg-Halle geht es während der Grünen Woche um viel Geld. „Für uns hat die Grüne Woche eine große Bedeutung“, sagt Björn Hildebrandt vom Hischhof Hildebrandt aus Freyenstein. Hirschwürste und Knieperkohl finden sich an seinem Stand. „Wir können hier Produkte aus der Prignitz gerade für den Raum Berlin schmackhaft machen.“ „Die Direktvermarktung hat für uns einen hohen Stellenwert“, sagt auch Annette Diebow, die Geschätsführerin der Brennerei Sellendorf (Kreis Dahme-Spreewald). „Viele Kunden kommen jedes Jahr wieder und fragen, was es Neues gibt, und wo man unsere Produkte kaufen kann.“ In diesem Jahr hat die Brauerei etwa die Gurke im Kornbett auf der Messe dabei – einen Korn mit eingelegter Spreewaldgurke. Für den Messeauftritt bezahle er zwischen acht und zehntausend Euro Standkosten, sagt Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz. Aber in der für Bäckereien schwachen Zeit zu Beginn des Jahres könne er auf der Messe neue Kunden gewinnen und etwa zu seinen Holzbackofentagen nach Brandenburg einladen.

Insgesamt befinden sich rund 80 Stände in der Brandenburg-Halle. Und Jörg Vogelsänger besucht sie alle. Inzwischen ist er am Restaurant der Wittenberger Alten Ölmühle angekommen, einer von drei Messe-Gaststätten in der Brandenburg-Halle. Für das obligatorische Foto holt Vogelsänger mal eben ein Tablett mit Bier. „Gekellnert habe ich zuletzt im Studium“, scherzt der Minister.

Doch nicht überall geht es nur um Häppchen und schöne Fotos. Am Stand des Biobetriebs Gut Schmerwitz nimmt Ausstellerin Rita Neumann kein Blatt vor den Mund. Sie beklagt sich, dass das Unternehmen keine Investitionsförderung erhält, weil das Hofgut als Firmenverbund kein KMU, kein kleiner oder mittelständischer Betrieb mehr ist. „Wir fördern kleine, große und besonders Biobetriebe“, versucht Vogelsänger die Situation zu entschärfen. Und am Nachbarstand, an dem die „Regio App“, ein digitaler Einkaufsführer für Produkte aus der Region vorgestellt wird, betonen die Mitarbeiter besonders, dass auch alle „Kaisers-Tengelmann“-Fillialen darin aufgeführt sind. Was passiert, wenn die Supermarktkette mit Edeka fusioniert? „Wir wollen dann natürlich auch mit den Neuen ins Geschäft kommen“, sagt Gerd Lehmann, Geschäftsführer der BBM Brandenburg. Jörg Vogelsänger ist inzwischen am nächsten Stand angekommen. Ein Lächeln, ein Foto – und dann beißt der SPD-Politiker in ein leckeres Stück Kuchen.

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