Der langsame Ausstieg : Zweiter Kraftwerksblock geht vom Netz

Holzkreuze und Schutzhelme liegen vor der Hauptzufahrt des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der Lausitzer Energie Bergbau AG. Sie symbolisieren die etwa 600 Arbeitsplätze, die durch Abschaltung von Block B nicht mehr besetzt werden.
Holzkreuze und Schutzhelme liegen vor der Hauptzufahrt des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der Lausitzer Energie Bergbau AG. Sie symbolisieren die etwa 600 Arbeitsplätze, die durch Abschaltung von Block B nicht mehr besetzt werden.

Mahnwache vor dem Kraftwerk Jänschwalde / Braunkohleausstieg kostet 600 Arbeitsplätze

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02. Oktober 2019, 05:00 Uhr

Mit einer Mahnwache haben 100 Mitarbeiter des Kraftwerks Jänschwalde (Spree-Neiße) die Abschaltung des zweiten von sechs Blöcken begleitet. Nach Block F im vergangenen Jahr wurde am Montagabend Block E vom Stromnetz getrennt. Mit diesem Schritt werden in den kommenden Jahren insgesamt etwa 600 Stellen nicht mehr neu besetzt. Das betrifft sowohl den Tagebau als auch das Kraftwerk.

„Heute ist wieder ein schwerer Tag für uns Kraftwerker. Uns fällt es heute genauso schwer wie vor einem Jahr, einen modernen und flexiblen Kraftwerksblock abschalten zu müssen“, erklärte Kraftwerksleiter An-dreas Thiem.

Als stillen Protest hatten Mitarbeiter 600 Holzkreuze und Arbeitsschutzhelme auf die Zufahrt zum Kraftwerk gelegt - für jeden einzelnen Arbeitsplatz, der verloren geht. Zudem gab es einen Autokorso zum Tagebau.

Ab Mitternacht wurden nach Angaben des Energieunternehmens Leag keine CO2-Emissionen mehr erzeugt, der 500-Megawatt-Block ging wie auch Block F in Sicherheitsbereitschaft. Thiem zufolge werden sich Mitarbeiter in den nächsten zwei Monaten um die Außerbetriebnahme des Blocks kümmern und die Turbine in die Bereitschaftsphase führen.

„Seit der Netztrennung von Block F sind in der Lausitz keine adäquaten Ersatz-Arbeitsplätze entstanden“, kritisierte Leag-Vorstandschef Helmar Rendez in Jänschwalde. Anstatt seitens der Bundespolitik anzuerkennen, dass der Aufbau von Industriearbeitsplätzen Zeit brauche, werde seit Bekanntgabe des Kohlekompromisses im Januar dieses Jahres immer wieder daran gerüttelt und das Ausstiegsdatum 2038 in Frage gestellt.

Von der Grünen Liga hieß es dazu, der Leag-Konzern werde für die heutige Abschaltung „fürstlich“ von der Bundesregierung belohnt. „Wir hoffen, dass das Unternehmen die jährlich dreistelligen Millionenbeträge tatsächlich in der Region verwendet“, sagte der Sprecher der Umweltgruppe, Rene Schuster.

Für die vorzeitige Abschaltung der Kraftwerke werden die Energiekonzerne RWE, Leag und Mibrag entschädigt. Sie erhalten nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums voraussichtlich insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.

Diese Kosten werden über die Netznutzungsentgelte von den privaten Haushalten und der Wirtschaft bezahlt.

Die Abschaltung der Kraftwerksblöcke war im Energiewirtschaftsgesetz der Bundesregierung geplant. Die Trennung vom Netz wurde nach Betreiberangaben für insgesamt 2700 Megawatt Braunkohlenkraftwerkskapazität beschlossen, verteilt auf fünf Kraftwerksstandorte in ganz Deutschland.

Alle drei deutschen Braunkohlereviere sind von diesem Schritt betroffen: das Rheinische Revier, das Mitteldeutsche Revier und das Lausitzer Revier. Schrittweise werden die vorgegebenen Blöcke nach einem Zeitplan vom Netz genommen und für jeweils vier Jahre in Bereitschaft gehalten.

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