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Kohle und Windkraft : Zweistromland Brandenburg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Spitzenplatz bei Pro-Kopf-Erzeugung an sauberer Energie, aber auch bei CO2 weit vorn

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt deutschlandweit voran. Brandenburg liegt in der Pro-Kopf-Produktion sogar an der Spitze. Doch Kohlekraftwerke werden wohl noch auf längere Sicht die Ökobilanz konterkarieren.

„Es ist sehr erfreulich, dass alle Bundesländer ein Wachstum bei der Ökostromerzeugung aufweisen“, erklärte Nils Boenigk, Vize-Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien in Berlin. Die Experten verglichen in einer Analyse die Daten von 2015 mit 2011: Alle Länder außer Berlin weisen seitdem deutliche zwei- oder sogar dreistellige Wachstumsraten bei der umweltfreundlichen Stromproduktion auf, angeführt vom Saarland mit einem Plus von fast 130 Prozent sowie Schleswig-Holstein mit 115 Prozent.

In Brandenburg – wo das Niveau schon 2011 vergleichsweise hoch war – betrug der Zuwachs den Angaben zufolge 33,4 Prozent. Insgesamt wurden in Brandenburg im Jahr 2015 rund 16,16 Millionen Kilowattstunden Ökostrom erzeugt, wie es weiter heißt. Deutschlandweit liegt das Bundesland damit hinter Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen auf Platz fünf.

Doch gemessen an der Einwohnerzahl lieferte Brandenburg mit rund 6500 Kilowattstunden pro Kopf den meisten Ökostrom, dicht gefolgt von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Knapp zwei Drittel der erneuerbaren Energien in der Mark wurden durch Windkraftanlagen erzeugt, der Rest je zur Hälfte durch Biomasse und Photovoltaik.

Auch beim Stromverbrauch setzt Brandenburg auf saubere Energie: Rund zwei Drittel des Verbrauchs kommen aus regenerativen Energien, wie die Agentur errechnete. Das ist deutschlandweit der dritte Platz hinter Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Dabei liegt der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtstromerzeugung in Brandenburg bei lediglich 29,1 Prozent – was nur auf den ersten Blick ein Widerspruch ist. Denn das Bundesland ist ein Stromexporteur, ein großer Teil der konventionell erzeugten Energie wird in andere Länder geliefert. Hier zeigt sich aus Sicht der Agentur für Erneuerbare Energie zugleich das Dilemma: Denn 60,7 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Brandenburg kam 2015 noch immer aus Kohlekraftwerken. Damit ist dieser Anteil doppelt so hoch wie der des Grünstroms. Der Rest entfällt auf Erdgas und sonstige Energieträger.

So ist in Brandenburg trotz des Fortschritts bei den erneuerbaren Energien der Treibhausanteil immer noch sehr groß: Für 2014 errechneten die Experten einen Ausstoß von 38 Millionen Tonnen Kohlendioxid, nur knapp vor Sachsen mit 34 Millionen Tonnen. Hier machen sich die in beiden Ländern konzentrierten Braunkohlekapazitäten bemerkbar, heißt es bei der Agentur. Absoluter Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit rund 144 Millionen Tonnen. „In allen genannten Regionen sind viele und große Kohlekraftwerke am Netz, die für einen hohen Treibhausgas-Ausstoß sorgen“, heißt es. Die Experten der Agentur betonen zudem, dass die spezifischen Treibhausgasemissionen pro Kilowattstunde gerade in Brandenburg und Sachsen gegenüber dem Jahr 1990 schon deutlich zurückgegangen seien. „Nichtsdestotrotz konterkariert der weiterhin hohe Treibhausgas-Ausstoß der Stromerzeugung insbesondere Braunkohle die Ausbauerfolge der erneuerbaren Energien und sorgt für das absehbare Verfehlen der deutschen Klimaziele 2020“, so Nils Boenigk.

 

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