Ärzte : Zuwanderer im weißen Kittel

Ausländische Fachkräfte sind gefragt: Dr. Mouna Yassin Kassab, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe aus Syrien, betreut Marietta Supranowicz und ihre drei Tage alte Tochter Cheyenne-Blue im Schwedter Asklepios-Klinikum.
Ausländische Fachkräfte sind gefragt: Dr. Mouna Yassin Kassab, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe aus Syrien, betreut Marietta Supranowicz und ihre drei Tage alte Tochter Cheyenne-Blue im Schwedter Asklepios-Klinikum.

Ausländische Mediziner besetzen offene Stellen in Krankenhäusern. Mangelhafte Sprachkenntnisse sind häufig ein Problem.

svz.de von
12. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Weißer Kittel, orangenes Kopftuch, das Stethoskop am Hals baumelnd – so steht die syrische Oberärztin Mouna Yassin Kassab am Bett von Patientin Marietta Supranowicz im Krankenhaus in Schwedt. Als Professor Rüdiger Heicampell, der ärztliche Leiter des Asklepios-Klinikums, die Bewerbungsunterlagen der Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe auf dem Tisch hatte, kamen ihm anfangs Bedenken: eine syrische Ärztin mit Kopftuch im Krankenhaus? Inzwischen weiß er: Es funktioniert. Zumal Mouna Yassin Kassab nur eine von vielen ausländischen Fachkräften in der Klinik ist. Die meisten kommen aus Polen. Wer bei der Klinikleitung vorstellig wird, muss wie die Ärztin aus Syrien zwei Dokumente vorlegen: die Approbation und die in Brandenburg geforderten Sprachkenntnisse auf dem Niveau B2.

„Kommunikationsprobleme darf man nicht unterschätzen“, sagt Heicampell und bezeichnet mangelnde Sprachkenntnisse als K.o.-Kriterium. Andere Bundesländer legen die Messlatte höher als Brandenburg, was in der Ärzteschaft bundesweit für Diskussionen sorgt. In Rheinland-Pfalz müssen sich ausländische Ärzte trotz ihres B2-Diploms einer Sprachprüfung unterziehen – 40 Prozent sind dabei durchgefallen. „Die bisherigen Prüfungen haben gezeigt, dass auch Inhaber eines Sprachdiploms der Stufe B2 und C1 oft nicht in der Lage sind, in ausreichendem Maße mit einem Patienten zu kommunizieren“, sagt Jürgen Hoffart, Hauptgeschäftsführer der rheinland-pfälzischen Landesärztekammer in der „Ärzte-Zeitung“.

In Schwedt ist Professor Rüdiger Heicampell sogar mit gefälschten Sprachzertifikaten konfrontiert worden. Der Schwindel flog schnell auf, als er versuchte, mit dem Bewerber ins Gespräch zu kommen. Hannelore Guschel, Geschäftsführerin des Krankenhauses in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Oft merke ich im Vorstellungsgespräch, dass der Arzt den Text auswendig gelernt hat. Wenn ich dann mit ihm eine Unterhaltung beginne, geht gar nichts mehr“, erzählt sie. „Ich bin für eine strengere Prüfung.“ Immerhin tragen in ihrer Klinik 15 Nationalitäten weiße Kittel. Ein Drittel der 80 Ärzte kommt aus dem Ausland.

Nicht immer zur Freude der Patienten. „Es gibt Patienten, die kommen schon mit einem Vorbehalt zu uns“, sagt Guschel. Doch die seien unbegründet. Fachlich und auch sprachlich, denn dank einer Kooperation mit dem städtischen Gymnasium und pensionierten Lehrern werden verbliebene Defizite in der deutschen Sprache ausgeräumt.

Auch auf dem Deutschen Ärztetag in Hannover in diesem Jahr waren die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Sprachanforderungen an ausländische Mediziner Thema, und die Gesundheitsministerkonferenz beschloss, dem Drängen nach einheitlichen Sprachtests im kommenden Jahr nachzukommen. „Der Patient hat ein Recht darauf, mit Ärzten zu kommunizieren, die ihn verstehen und die auch er versteht“, betont Jens-Uwe Schreck, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg. Er weiß nur zu gut, wie die Krankenhäuser im Land um jede Fachkraft kämpfen. Vor fünf Jahren waren in Brandenburg knapp 500 ausländische Mediziner gemeldet – inzwischen sind es fast 800. Um sowohl die Sicherheit der Patienten als auch die Qualität der medizinischen Versorgung sicherzustellen, ist aus Sicht der Landesärztekammer ein bundesweit einheitlicher Sprachtest auf Grundlage einheitlicher Bewertungskriterien unverzichtbar.

Andrea Fabris von der unabhängigen Patientenberatung kann das nur unterstreichen. „Ärzte müssen Aufklärungsgespräche führen und darin komplizierte, medizinische Sachverhalte verständlich erklären können“, sagt sie.

Jährlich erhalten nach Angaben des brandenburgischen Gesundheitsministeriums etwa 100 neu zugewanderte Ärzte die Berufserlaubnis für eine Tätigkeit im Land, bis Anfang September dieses Jahres bereits 109. „Wenn wir sie nicht gehabt hätten , wären einige Fachabteilungen in den Krankenhäusern nicht mehr zu halten gewesen“, sagt Hannelore Guschel.

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