Zusätzliche Erzieher und mehr Zeit für die Krippen

Brandenburger Städte reagieren auf Verbesserung des Betreuungsschlüssels seit dem 1. August

svz.de von
14. September 2015, 13:45 Uhr

Brandenburg bekommt seit Jahren schlechte Noten für die Betreuungsqualität der Kitas. Nach und nach gibt es nun geringfügige Verbesserungen des Personalschlüssels. So kommen seit dem 1. August im Krippenbereich rein rechnerisch nicht mehr sechs Kinder auf einen Erzieher, sondern 5,5. Im Jahr 2016 folgt der nächste kleine Schritt.

Die minimale Verbesserung bedeutet für das Land jährlich Mehrausgaben von 10 Millionen Euro. Die Bertelsmann-Stiftung hält für Unter-Dreijährige den Betreuungsschlüssel von 1:3 für angemessen.

Immerhin: Das zusätzliche Geld kommt bei den Kommunen an. Oranienburg (Oberhavel) hat zehn Leute eingestellt und Eberswalde (Barnim) bereits im Juli zwei Erzieherinnen und zwei Erzieher. Auch die freien Träger reagieren mit Einstellungen oder dem Heraufsetzen der Wochenarbeitszeit von zuvor verkürzt arbeitenden Erzieherinnen, wie der Awo-Kreisverband Fürstenwalde berichtet.

Der Eberswalder Bildungsdezernent Bellay Gatzlaff betont, dass die vier neuen Mitarbeiter tatsächlich zusätzlich eingestellt werden. „Andere Abgänge, etwa Eintritte in das Rentenalter, werden unabhängig davon ersetzt.“ Das Verteilen von vier neuen Erziehern auf 13 städtische Kitas sei dabei naturgemäß eine Herausforderung. „Wir können Mitarbeiter ja nicht aufspalten.“

Hier werde zuerst geschaut, wo der Bedarf am größten ist, in anderen Einrichtungen könne man sich zum Beispiel damit helfen, dass aus dem etwas über dem Schnitt ausgestatteten Kindergartenbereich Personal in die Krippe wechselt.

Ähnlich jongliert Oranienburg. Hauptamtsleiter Mike Wedel verspricht: „Am Ende profitieren alle Familien mit Krippenkindern von der Verbesserung. Das zusätzliche Personal kommt dort an, wo es hingehört.“ Aber der Personalschlüssel sei eben auch nur ein theoretischer Wert. Krankheit, Urlaub und Weiterbildungszeiten der Erzieher blieben unberücksichtigt. Genug geeignete Bewerber gebe es in Oranienburg, betont Wedel.

Doris Kunze, Kita-Fachbereichsleiterin der Awo Fürstenwalde, beschreibt die Personalverteilung auf die elf Einrichtungen des freien Trägers als Herausforderung. So gebe es im ländlichen Raum genug Bewerber für Erzieherposten, während man im Speckgürtel um Berlin Leute suche. Und nicht jeder Bewerber passe zu jeder Einrichtung, das Verhältnis erfahrener und junger Kräfte müsse stimmen.

Die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Marie-Luise von Halem zeigt sich zuversichtlich, dass der Arbeitsmarkt genug Erzieher hergibt. „Brandenburg hat die Ausbildungskapazitäten in der Vergangenheit entsprechend erhöht“, erläuterte die Bildungsexpertin der Fraktion.

 
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