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Bombardier in Hennigsdorf : „Zug ist noch nicht abgefahren“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ministerpräsident Woidke stellt Beschäftigte des Schienenfahrzeugherstellers auf „harten Kampf“ um Jobs ein.

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stellt sich auf einen „harten Kampf“ um den Erhalt der Jobs im Hennigsdorfer Bombardier-Werk ein. Bis zu 900 Stellen könnten nach Befürchtungen des Betriebsrats hier gestrichen werden. Dessen Vorsitzender Michael Wobst befürchtet, dass die Produktion in Hennigsdorf komplett geschlossen und ins sächsische Bautzen verlagert wird. „Wir werden dagegen alles tun, was wir als Land machen können“, unterstrich Woidke am Rande der Versammlung. „Der Zug für Hennigsdorf ist noch längst nicht abgefahren“, betonte er.

Die Möglichkeiten eines Regionalpolitikers seien gegenüber einem international operierenden Konzern jedoch begrenzt, räumte Woidke ein. „Wir hoffen aber, dass die Konzernzentrale in Quebec merkt, dass in Deutschland bestimmte Sachen wichtig sind.“ Jeder einzelne Industrie-Arbeitsplatz habe in Brandenburg Bedeutung. „Und wir sind es gewohnt zu kämpfen. In den 90er Jahren haben wir häufig gewonnen und auch mal verloren. Aber wir werden nicht aufgeben“, unterstrich Woidke. Notfalls stelle das Land für Bombardier Fördergelder bereit. Bedingung: Die Produktion müsse in Hennigsdorf bleiben.

Allerdings hält sich die Unternehmensleitung weiterhin bedeckt, welche konkreten Pläne sie in Zahlen ausgedrückt für Hennigsdorf hat. Klar sei nur, dass die Havelstadt in Zukunft im Konzernverbund weiter eine wichtige Rolle spielen soll. So sei Hennigsdorf als „globaler Leitstandort für die Entwicklung und Tests von Zügen sowie S- und U-Bahnen“ vorgesehen, betonte Unternehmenssprecher Andreas Dienemann. Dazu könnten Wartung und Instandhaltung sowie die Produktion von Prototypen und Vorserien am Standort verbleiben. Generell will der kanadische Flugzeug- und Bahnkonzern weltweit 5000 Stellen streichen.

Wie viele beschäftigte in Hennigsdorf gehen sollen, verriet das Unternehmen auch gestern nicht. „Das ist für mich kein Bekenntnis zum Produktionsstandort Hennigsdorf“, kommentierte der Betriebsratsvorsitzende. Von den Beschäftigten verstehe niemand, warum aus einem voll ausgelasteten Werk die Produktion nach Bautzen verlagert werden solle, wenn es in Sachsen dafür noch gar keine Infrastruktur gebe. In Hennigsdorf würden Züge des Typs „Talent 2“ für die Deutsche Bahn gefertigt. Auch der „IC X“ gehe hier in Serie. Die Auftragsbücher seien voll, unterstrich Wobst. Natürlich könne auch der Betriebsratsvorsitzende nicht die Augen vor der massiven Konkurrenz aus Fernost verschließen. Doch deshalb die Produktion in Hennigsdorf zu schließen, sei der falsche Weg. „Vielmehr müsste wie bei Airbus ein europaweites Konsortium von Bahnherstellern gegründet werden, um China die Stirn bieten zu können“, sagte Wobst. „Ich hoffe nicht, dass eine hundertjährige Tradition in Hennigsdorf einfach so hier vom Tisch weggefegt wird“, erklärte Bürgermeister Andreas Schulz (SPD). Das wäre mehr als fahrlässig.

Bombardier beschäftigt in Hennigsdorf aktuell 2300 Mitarbeiter. Deutschlandweit sind es mit den Standorten in Görlitz, Bautzen, Kassel, Mannheim, Braunschweig und Siegen rund 8500.

Am 26. April soll das Konzept der Unternehmensleitung mit dem Gesamtbetriebsrat diskutiert werden.

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