Buddhistisches Zentrum Bad Saarow : Zuflucht im Zen-Garten

Wasser regt den Geist an und heilt ihn – darauf vertrauen die Gäste im „Spiritual Care“ in Bad Saarow.
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Wasser regt den Geist an und heilt ihn – darauf vertrauen die Gäste im „Spiritual Care“ in Bad Saarow.

Buddhistisches Zentrum vergrößert die Angebote im Kurort Bad Saarow und zieht gesundheitsbewusste Menschen an.

svz.de von
17. Mai 2017, 12:47 Uhr

Als Martin Thiele (Name von der Redaktion geändert) erstmals den weißen Komplex mit dem charakteristischen Säulengang in der Mitte betrat, fühlte er sich gleich willkommen.„Ich suchte einen Ort, wo ich mich verstanden fühlte und fand hier Trost“, schildert der Frührentner. Ärzte aus dem benachbarten Klinikum, wo seine Frau im Koma lag, hatten ihm das buddhistische Zentrum „Spiritual Care“ am Ufer des Scharmützelsees empfohlen.

Eigentlich suchte der Ostbrandenburger im „Sukhavati“ – indisch für einen Ort des Wohlbefindens, der Zufriedenheit und des Glücks – in Bad Saarow einen Pflegeplatz für seine schwerkranke Frau. Doch diese starb wenig später und er selbst fand Hilfe in seiner Trauer.

Vor einem Jahr eröffnete die weltweit agierende Tertön Sogyal Stiftung ihr aus Spenden finanziertes Modellprojekt „Spiritual Care“ in Bad Saarow.

Das Konzept besteht aus drei Säulen: der Betreuung und Pflege schwerstkranker Menschen bis zum Tod, der zeitweiligen Aufnahme von Menschen in Lebenskrisen sowie der Fortbildung für medizinisches Personal in einem eigenen Seminarkomplex, in dem es auch öffentliche Vorträge und Meditations- oder Yogakurse für die Allgemeinheit gibt.

„Wir haben Kontakt zu Medizinern und Institutionen in der Region aufgenommen, um erst einmal zu erfahren, welche Bedürfnisse es gibt, wo wir Unterstützung anbieten können“, sagt Anja Matuszewski, Leiterin des „Spiritual Care“. Inzwischen seien die Fachkurse sehr gut nachgefragt. Womit die Fachärztin für Gynäkologie und das 35-köpfige „Sukhavati“-Team nicht gerechnet hatten: Es kommen erstaunlich viele Anfragen von Menschen, die Hilfe in Lebenskrisen brauchen, so wie Martin Thiele. Für ein bis drei Wochen nehmen sich Betroffene eine Auszeit, lernen, mit ihrem Leid umzugehen oder ihre inneren Kräfte für einen Neuanfang im Leben zu mobilisieren.

Rund neun Millionen Euro flossen in den modernen Komplex mit begehbarem Zen-Garten zum Meditieren und überlebensgroßen Buddha-Figuren in Andachts- und Gebetsräumen sowie zwei Dutzend Gäste-Appartements mit Blick auf den Scharmützelsee.

Nach den buddhistischen Lehren regt Wasser den Geist an und heilt ihn. „Das buddhistische Zentrum tut Bad Saarow gut“, bestätigt Ellen Russig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. „In zahlreichen Veranstaltungen bekommt auch der Nicht-Buddhist Einblicke in andere Sicht- und Denkweisen, ohne dass er bekehrt werden soll.“ Das umfangreiche Kursangebot bringe ein neues Klientel an Gesundheitstouristen in die Region Scharmützelsee, die davon profitiere, sagt Russig.

„Die Rückbesinnung auf sich selbst, das Bewahren der inneren Ruhe liegen voll im Trend“, hat sie bemerkt. Dennoch begegne dem Zentrum weiterhin viel Skepsis und Misstrauen, hat Leiterin Matuszewski beobachtet. Gerade im Osten Deutschlands seien die Menschen Religionen gegenüber nicht immer aufgeschlossen, sagt sie. „Uns müssen nicht alle toll finden. Wir wollen aber ein Mosaikstein in den Gesundheitsangeboten Bad Saarows sein.“

Thiele kennt Vorbehalte aus seinem Bekanntenkreis, rät den Skeptikern, sich die Einrichtung selbst anzuschauen. Gemeinsam mit Matuszewski hat er die Idee eines Trauercafés umgesetzt. „Ich suchte Menschen in ähnlichen Lebenslagen, die selbst durchmachen, was ich erlebte, denen gegenüber ich mir mein Leid und die plötzliche Einsamkeit von der Seele reden kann – und umgekehrt“, erklärt der 63-Jährige.

Vergangenen Freitag trafen sich erstmals in dem buddhistischen Zentrum Menschen, die ebenfalls den Verlust eines geliebten Menschen verkraften müssen. „Wir verstehen uns als Ort der Verbundenheit, als Zuflucht in jeglicher Lebenssituation, um die Isolation des Leids aufzubrechen“, macht die Leiterin deutlich.

Der Buddhismus sei eine alte Tradition, auf die sich die Mitarbeiter stützen könnten. „Im Leiden sind alle Menschen gleich. Es gehört zum Leben dazu und je mehr wir es annehmen, um so besser können wir damit umgehen“, so ihre Überzeugung.

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