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Landesbibliothek Potsdam : „Zufällige Confekt-Tafel“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburgisches Kochbuch aus dem Jahr 1732 soll in den Bestand übergehen. Einrichtung sucht noch Buchpaten.

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Die Landesbibliothek in Potsdam geht neue Wege, um ihre Bestände zu erweitern. Gesucht werden Spender für den Ankauf eines Brandenburgischen Kochbuches aus dem Jahr 1732. Das verrät, wie man „allerley wohlschmeckende Speisen aufs füglichste zubereiten solle“.

„Die wohl-unterwiesene Köchinn“ fehlte bislang in der Sammlung der Stadt- und Landesbibliothek, berichtet Bereichsleiter Frank Hoppe. Der Titel-Zusatz „Das Brandenburgische Kochbuch“ stellt einen regionalen Bezug her, was einen Erwerb besonders wünschenswert macht. Hoppe sagt jedoch auch, dass es sich dabei nicht um brandenburgische Küche handelt – die Sammlung regionaler Rezepte kam erst im 19. Jahrhundert auf. Vielmehr bezweckt der Hinweis auf die Mark, dass der hiesige Adel angesprochen werden sollte.

Es geht in erster Linie darum, was in der feinen Gesellschaft auf den Tisch kommen muss, welche Gewürze und Gerätschaften – allerlei Terrinen und Pfannen werden in Kupferstichen gezeigt – vorhanden sein müssen. Die „wohl-unterwiesene Köchinn“ kocht natürlich nicht selbst, wie auf dem ersten Bild der Ausgabe zu sehen ist. Sie steht fein gekleidet in einem Nebenraum und beaufsichtigt das bunte Treiben der Dienerschaft. Deshalb fehlen in diesem Teil des Buches auch alle Mengenangaben, erklärt Hoppe weiter. Kartoffeln kommen nicht vor. Die Zeit der Ersterscheinung des Buches 1697 lag lange vor dem Siegeszug der Knolle hierzulande.

Im zweiten Teil des Buches – „Zufällige Confekt-Tafel“ – geht es anders zu. Ein Bild zeigt die Dame mitten in der Küche, wie sie sich etwas reichen lässt. Die Herstellung von Zuckerwerk, kandierten Früchten und Brandweinen war etwas für die Hausherrin oder die Dame, die ihr den Haushalt führte. In diesem Teil des Buches gibt es dann auch Mengenangaben.

Das historische Kochbuch wurde in einem Antiquariat aufgestöbert. In seinem leicht lädierten Zustand kostet es 1400 Euro. 1000 Euro haben die Buchpaten der Landesbibliothek schon gespendet. Wenn das restliche Geld nicht zusammenkommt, muss es an den Händler zurückgegeben werden, sagt Hoppe.

Es ist das erste Mal, dass mit Hilfe von Spendengeldern Bücher erworben werden sollen. Der Ankaufetat ist ausschließlich für Neuerwerbungen vorgesehen. Seit 1997 gibt es Aktionen für Buchpaten. Jedes Jahr wurden einzelne Bücher aus den Beständen ausgelobt, die mit Hilfe der Sponsoren restauriert werden konnten. Die Kosten für solche Rettungstaten können sich zwischen 200 Euro und einigen 1000 Euro belaufen.

Für Bücher zur Geschichte des Landes, zum Handwerk, zur Pädagogik, selbst zum Brunnenbau oder zur Landvermessung fanden sich Interessierte, die einen Bezug zum Thema hatten und bereit waren, Geld zu spenden, berichtet der Bereichsleiter. Allerdings zeigte sich in den vergangenen Jahren, dass die für diese Klientel interessanten Bücher langsam ausgehen.

Nicht, dass die Landesbibliothek mit ihren 20 000 Werken aus der Zeit vor 1900 keine weiteren Sorgenkinder hätte, derer man sich annehmen müsste. Aber der Versuch, beispielsweise historische Kalender den Buchpaten anzubieten, stieß nicht auf große Resonanz, sagt Hoppe. Deshalb der Versuch, sie für den Ankauf spannender Bücher zu gewinnen. Der Erwerb eines Buches zur Geschichte der Hohenzollern in Franken aus dem Jahr 1756 für 1650 Euro ist bereits geglückt.

Für das Kochbuch fehlt noch eine Restsumme. Der Versuch, die gehobene Gastronomie in der Landeshauptstadt dafür zu gewinnen, scheiterte bislang an Desinteresse, so der Bereichsleiter. Dabei wären historische Gerichte aus dem Buch vielleicht eine Bereicherung. Grüner oder eingesalzener Biberschwanz zum Beispiel, gebackener Frosch oder Ferkel gebraten, das wie ein Lämmlein schmeckt. Probleme dürften Brühen vom „Schnepfendrekk“ oder „Krebseiter“ hervorrufen, aber dies auch nur wegen der heute nicht mehr üblichen Wortwahl.  

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