Bildung : Zu wenig Platz für hochbegabte Schüler

Nicht alle Schüler werden offenbar ausreichend gefördert.
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Nicht alle Schüler werden offenbar ausreichend gefördert.

In Brandenburg gibt es nicht genug Leistungs- und Begabungsklassen.

svz.de von
30. Juli 2014, 23:11 Uhr

Von Benjamin Lassiwe und Ulrich Thiessen Insgesamt 400 Schüler konnten für das Schuljahr 2014/2015 nicht an einer der „Leistungs- und Begabungsklassen“ von Brandenburger Gymnasien aufgenommen werden, obwohl sie von ihren Noten her gesehen dafür geeignet gewesen wären. 887 Schüler wurden aufgenommen. Das geht aus einer Antwort des Potsdamer Bildungsministeriums auf eine Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der CDU-Fraktion im Potsdamer Landtag, Gordon Hoffmann, hervor, die dieser Zeitung vorab vorliegt.

Die Leistungs- und Begabungsklassen ermöglichen es hochbegabten Schülern, bereits nach der 4. Klasse von der Grundschule auf ein Gymnasium zu wechseln. Voraussetzung dafür ist es, dass die Summe der Noten in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache oder in Deutsch, Mathematik und dem Sachunterricht maximal fünf ergibt – also schlechtestenfalls aus einer Drei und zwei Einsen oder zwei Zweien und einer Eins besteht. Dem Brandenburgischen Schulgesetz zufolge können diese Klassen an maximal 35 Standorten gleichzeitig eingerichtet werden. In der Prignitz bestehen keine Leistungs- und Begabungsklassen, die nächstgelegene derartige Klasse wird am Evangelischen Gymnasium Neuruppin unterrichtet. Hier wurden 26 Schüler aufgenommen, 29 bewarben sich vergeblich.

„Die Festlegung auf maximal 35 Leistungs- und Begabungsklassen ist willkürlich“, schimpft der Prignitzer Landtagsabgeordnete Hoffmann. Wenn ein Drittel aller geeigneten Bewerber nicht in den Genuss dieser Klassen komme, sei dies „höchst ungerecht“.

Dagegen verweist der FDP-Landtagsabgeordnete Andreas Büttner darauf, dass die Begrenzung auf landesweit 35 Begabungsklassen noch zu Zeiten der schwarz-roten Koalition entstand. „Das war einer der dümmsten Kompromisse, den man machen konnte“, so Büttner.

Begabtenklassen sind nicht unumstritten. Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm die Forderung aufgemacht, Begabtenklassen abzuschaffen. Die bildungspolitische Sprecherin Gerrit Große erklärte, dass es sich nicht wirklich um hochbegabte Kinder handele, sondern um allgemeine Wissens- und Intelligenztests, die auch durch bildungsnahe Elternhäuser begünstigt werden.

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