Denkmalpflege : Zerstörte Prunksärge und alte Villa

Besucher betrachten den mit Löwenköpfen und Akanthusblüten verzierten Sarg aus dem frühen 18. Jahrhundert in der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche. Das Land gab 50000 Euro für die Restaurierung der Särge.
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Besucher betrachten den mit Löwenköpfen und Akanthusblüten verzierten Sarg aus dem frühen 18. Jahrhundert in der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche. Das Land gab 50000 Euro für die Restaurierung der Särge.

39 Millionen Euro für den Denkmalschutz im vergangenen Jahr – das Land Brandenburg zieht Bilanz.

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04. Januar 2018, 05:00 Uhr

Die Särge standen übereinander, Feuchtigkeit und Vandalismus hatten ihnen zugesetzt. Die Medaillons mit den Inschriften waren nicht mehr lesbar, das einst dunkle Metall war grau geworden. So hatten sich die Angehörigen der Adelsfamilie von Saldern ihre letzte Ruhe in der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche vermutlich nicht vorgestellt. Dabei bieten die Begräbnisse nach Angaben von Andreas Strobl von der Lübecker Forschungsstelle Gruft „geradezu bilderbuchartige Einblicke in die Stilgeschichte vom Hochbarock bis zum Historismus.“ Im vergangenen Jahr ging es nun an die Restaurierung der historischen Prunksärge. Insgesamt werden neun unter anderem gereinigt und untersucht. In der stehen fünf Särge aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Weitere Särge werden auf der Empore des Kirchenschiffes untersucht. Sie stammena us dem frühen 18. Jahrhundert. Fast 50 000 Euro gab das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur dafür aus. Ein kleiner Teil der rund 39 Millionen Euro, die aus den unterschiedlichsten Töpfen des Landes insgesamt in die Denkmalpflege flossen.

„Die Denkmalförderung wirkt in allen Regionen Brandenburgs“, sagte Brandenburgs Kultusministerin Martina Münch (SPD), die auch Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für den Denkmalschutz ist, gestern in Potsdam. „Die zahlreichen Gutshäuser, Kirchen, Industriebauten und Wohnhäuser sind nicht nur einmalige Zeugnisse der Geschichte und Teil der Identität unseres Landes – sie sind aufgrund ihrer Authentizität besonders geeignet, Kinder und Jugendliche aber auch Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln mit unserer Geschichte und Kultur in Berührung zu bringen.“

Doch nicht nur das Wissenschaftsministerium, auch das Infrastrukturministerium ist in der Denkmalpflege aktiv. Mit rund 24 Millionen Euro trug es zum Erhalt bedrohter Baudenkmale, etwa der Gubener Villa Cohn, bei. In der ehemaligen Fabrikantenvilla in der Neißestadt ist mittlerweile eine Seniorenresidenz entstanden, die nach Angaben des amtierenden Bürgermeisters von Guben, Fred Mahro, auch zu einhundert Prozent vermietet ist. Zuvor hatte das Gebäude allerdings 20 Jahre lang leer gestanden. Als es die heutigen Investoren übernahmen, war das einst von der jüdischen Familie Lewin bewohnte, und nach dem zweiten Weltkrieg vom VEB Gubener Wolle genutzte Gebäude in einem ruinösen Zustand. Rund 900 000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau unterstützten seine Sanierung.

Denn die Mittel des städtebaulichen Denkmalschutzes aus dem Infrastrukturministerium zählen mittlerweile zu den größten Einzelposten der Denkmalpflege in Brandenburg. Dadurch würden Wohnungen für Senioren oder neue Familien entstehen, auch soziale Einrichtungen erhielten dadurch einen neuen Platz, sagt Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). „So bringen wir neues Leben in die Häuser und tragen dazu bei, dass auch die Städte lebendiger werden.“ Zu den größten Empfängern der Denkmalpflegemittel zählten im vergangenen Jahr die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die 9,1 Millionen Euro erhielt. Zudem wurden mit rund 2,88 Millionen Euro auch die beiden großen Kirchen unterstützt. Alleine 1,45 Millionen Euro erhielt die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die damit 24 Kirchensanierungen fördern konnte.



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