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Gedenken in Jamlitz-Lieberose : Zentraler Ort der Shoa

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gedenkstätte wird ausgebaut. Die grausame Vergangenheit von Jamlitz-Lieberose aus der Nazi-Zeit soll nicht in Vergessenheit geraten.

Die Gedenkstätte Jamlitz-Lieberose wird ausgebaut: Auf dem Gelände einer später errichteten Siedlung sollen die frühere Struktur des KZ-Außenlagers und die Standorte von Baracken wieder sichtbar gemacht werden, kündigte Kulturministerin Martina Münch (SPD) gestern in Potsdam an. „Damit geben wir ein Bekenntnis ab, dass dieser Ort, an dem Tausende von Häftlingen während der NS-Herrschaft litten und starben, eine herausgehobene Bedeutung in der Erinnerungskultur des Landes hat.“ Das Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen war 1943 errichtet worden. Dort mussten bis zu 10 000 Häftlinge Zwangsarbeit leisten.

Tausende – vor allem jüdische – Häftlinge wurden ermordet oder durch die Zwangsarbeit in den Tod getrieben. Nach 1945 betrieb das sowjetische Militär ein Speziallager, dann wurde auf etwa 75 Prozent des Geländes eine Siedlung errichtet.

Mit der Erweiterung reagiert die Landesregierung auch auf zwei Anschläge auf die Gedenkstätte im Frühsommer des Vorjahres. Dabei wurden Informationstafeln zerstört. „Wir machen damit deutlich, dass solche Attacken keinen Erfolg haben werden: Dieser Erinnerungsort bleibt und wird erweitert“, betonte Münch.

Für den ersten Schritt der Erweiterung mit entsprechenden Informationstafeln und Laufstegen bis Ende des Jahres sind 70 000 Euro Kosten eingeplant. In weiteren Schritten könnte etwa ein Haus auf dem Gelände für Seminare ausgebaut werden. „Lieberose ist ein zentraler Ort der Shoa, denn dieses Außenlager stand in direkter Verbindung mit dem Vernichtungslager Auschwitz“, erklärte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch. Dorthin wurden jüdische Häftlinge aus Auschwitz zur Zwangsarbeit gebracht – und andere wiederum zurück in die Gaskammern.

Der Ort sei in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Anschlägen Rechtsextremer gewesen. „Umso mehr bin ich dankbar, dass wir diesen Erinnerungsort nun angemessen ausbauen können“, bemerkte Morsch.

Im vergangenen Herbst konnte der Staatsschutz einen 76-Jährigen im Landkreis Dahme-Spreewald als Tatverdächtigen für die Anschläge im Frühsommer ermitteln. Der Mann legte ein Teilgeständnis ab. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft laufen noch kriminaltechnische Untersuchungen, eine Anklage wurde bisher nicht erhoben.  

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