Zeitreise durch 2500 Jahre

Till Lodemann bei Freilegen von Ziegelsteinen.
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Till Lodemann bei Freilegen von Ziegelsteinen.

Beim Bau eines Parkplatzes in Groß Schönebeck treten Funde aus etlichen Epochen zu Tage / Ausgrabungen dauern an

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04. August 2016, 05:00 Uhr

Eigentlich sollten die Parkplätze am neuen Supermarkt in Groß Schönebeck (Barnim) bereits fertig sein. Doch nun geht es auf der Baustelle an der Liebenwalder Straße ruhiger zu. Im Erdreich, auf dem über 40 Jahre die alte Kaufhalle gestanden hat, liegen Schätze.

Für den Archäologen Philipp Roskoschinski und seine Kollegen ist das Areal eine Fundgrube. Eine, die Spuren aus 2500 Jahren Menschheitsgeschichte birgt: aus Prähistorie, Mittelalter, frühe Neuzeit buddeln die fünf Mitarbeiter der Firma Archaeros Artefakte aus. „Das früheste, das wir gefunden haben, ist Keramik aus der Eisenzeit“, sagt Inhaber Roskoschinski. Eisenzeit bedeutet, die Stücke lassen sich bis 500 vor Christus zurückdatieren.

Die Fülle der Entdeckungen kommt für das Team nicht überraschend. „Rund um Kirchen ist immer mit Funden zu rechnen“, erklärt der Archäologe Manuel Herper. Schließlich markieren die Gotteshäuser meist den Dorfmittelpunkt. Kein Wunder also, dass Edeka, als es gegenüber der Groß Schönebecker Immanuelkirche an den Bau des Supermarktes ging, die Auflage bekam, das Areal denkmalschutzrechtlich zu untersuchen.

Bereits im vergangenen Sommer, als der Supermarkt errichtet wurde, waren Roskoschinski und seine Truppe vier Wochen vor Ort. Frühdeutsche Keramik haben sie damals gefunden und Münzen „aus dem tiefsten Mittelalter“, wie Herper sagt. Nun steht für den Parkplatz der zweite Durchgang an. Den Beginn der Bauarbeiten Anfang Juli haben zunächst zwei Mitarbeiter begleitet. Als dann archäologische Substanz zum Vorschein kam, griffen sie ein.

„Wir haben schon viele außergewöhnliche Einzelfunde gemacht“, sagt Grabungsleiter Roskoschinski. Abermals Münzen, diesmal aus dem 16. und 18. Jahrhundert, aber unter anderem auch eine Musketenkugel, Teile einer Armbrust, einen Taufring und einen Brunnen. „Der wird wohl ins Mittelalter datieren“, wie Herper es formuliert. Zuletzt legte das Team die verzierten Kacheln eines alten Ofens frei.

So schön diese Einzelfunde auch sind: „Für uns sind die Befunde immer interessanter“, sagt Roskoschinksi – Grundrisse von Häusern, die wieder zu Tage treten, Pflastersteine aus vergangenen Zeiten, Strukturen also, die mehr über das Leben der Menschen vor Ort aussagen. „Das war hier schon immer ein schöner Platz zum Leben“, stellt der Archäologe angesichts der Bandbreite der Entdeckungen fest.

Und wie reagieren die heutigen Groß Schönebecker auf die Ausgrabungen? „Das Feedback ist im Großen und Ganzen positiv“, sagt Herper. Stören lässt sich der stellvertretende Grabungsleiter von neugierigen Passanten nicht. „Wenn interessierte Bürger kommen und Fragen stellen, ist mir das ganz lieb“, erklärt er. Philipp Roskoschinski sieht das ganz genau so: „Wir lieben eben das, was wir tun.“

Ein Großteil der Arbeit erfolgt erst, wenn die Funde aus dem Erdreich geborgen sind. Sie werden gewaschen, untersucht, katalogisiert und kommen ins Landesamt für Denkmalpflege nach Wünsdorf (Teltow-Fläming). Doch bis es so weit ist und die fünf Archäologen und Historiker dem Schorfheider Ortsteil den Rücken kehren, wird es eine Weile dauern. „Mindestens einen Monat“, schätzt Roskoschinski. Das bedeutet aber nicht, dass die Bauarbeiter in dieser Zeit nicht zum Zuge kommen. „Wir legen Wert darauf, dass alle gleichzeitig arbeiten können“, sagt er.

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