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Unterkunft : Zeige mir, wie du schläfst ...

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Ankommen und direkt ins aufgebaute Zelt einziehen oder gleich auf einer Matratze lümmeln – ein bisschen Luxus ist selbst auf Festivals möglich.

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Matschige Schuhe, kaputte Duschen, laute Musik, zu viel Bier und ein durchnässtes Zelt – ungefähr so sieht das Leben auf einem Festival oft aus. Für viele ist das ziemlich abschreckend, gerade in puncto Camping: Zelt schleppen, aufbauen, hoffen, nicht nass zu werden, abbauen und zu Hause zum Trocknen noch einmal auf- und wieder abbauen.

Beim Helene-Beach-Festival, das am letzten Juliwochenende in der Nähe von Frankfurt (Oder) stattfand, zeigten sich die 19-jährigen Studentinnen Melanie Breit und Eva Schock trotzdem überzeugt vom Campen: „Unsere Zeltnachbarn wollten uns beim Aufbau helfen. Aber auch als Frauen können wir das allein“, sagen sie und erzählen zum Beispiel von den dicken Isomatten, die sie ganz bequem finden. In ihrem Drei-Personen-Zelt sei zudem mehr als genug Platz für zwei. Nichtsdestotrotz könne Zelten auch nerven. Die beiden mussten Isomatten, Schlafsäcke, Zelt und je einen riesigen Wanderrucksack schleppen, und der Aufbau dauerte ziemlich lange.

Das geht auch anders. „Mein Zelt steht schon“, lautet das Gegenmodell. Bei der gleichnamigen Firma arbeitet Jochen Lüchtrath. Er erzählt vom Motto des Leipziger Unternehmens: „einziehen, umziehen, losziehen“. Lüchtrath und seine Kollegen stellen die Zelte nicht nur zur Verfügung, sondern bauen sie auch auf – die Festivalbesucher müssen nur noch „einziehen“. In diesem Jahr war Lüchtrath zum Beispiel auf dem Deichbrand, in Wacken, beim M’era Luna und nicht zuletzt auf dem Helene-Beach-Festival.

Bei etwa 60 Euro pro Person und Festival fängt das Angebot an. Es gibt verschieden große Zelte. „Wer will, kann auch Campingutensilien dazubuchen, zum Beispiel Stühle, Tische, Luftmatratzen, Schlafsäcke“, erzählt Lüchtrath. Auf dem Helene-Beach-Festival waren er und seine Kollegen mit etwa 20 Unterkünften vertreten.

Nun ist so ein Festival aber nicht gerade eine saubere Angelegenheit. Und die Zelte sollen immerhin wiederverwendet werden. „Die Kunden zahlen eine Kaution, und die Zelte sollen besenrein überlassen werden“, sagt Lüchtrath. Falle etwa ein Ast aufs Zelt, treffe die Festivalbesucher natürlich keine Schuld. „Aber wenn der Kunde Feuer macht, ist das sein Problem.“ Dann müsse er zahlen. Neu im Programm der Firma ist das umweltfreundliche Pappzelt, das imprägniert ist, nach Lust und Laune bemalt werden kann und im Anschluss recycelt wird.

Ein paar Meter weiter geht es auf dem Helene-Beach-Festival etwas luxuriöser zu. Kühlschrank, Spiegel, Doppelmatratze, Steckdose – all das passt in die mobilen Hütten mit dem Namen „My Molo“ (Abkürzung für „Meine mobile Lodge“). Ludwig Schmidt und Benjamin Kloffs aus Frankfurt am Main sehen ganz entspannt aus in ihrer Hütte: Benjamin lässt Musik über eine kleine Box laufen, Ludwig liegt mit einem Bier auf der Matratze, die bereits ein paar Tannennadeln abbekommen hat. „Wer so viel gefeiert hat wie ich, kann nicht mehr zelten“, sagt der 33-jährige Ludwig und deutet auf seinen Rücken.

Das sieht auch Fritz Ramisch so, der zusammen mit Nico Marotz und Mathias Schäfer „My Molo“ gründete: „Vielen reicht es, einmal auf dem Boden geschlafen zu haben und morgens nicht nur mit einem Kater, sondern auch mit Rückenschmerzen aufgewacht zu sein.“ Das Start-Up-Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Groß Kreutz (Havel) und ein Büro in Berlin. „Wenn wir das Camp abbauen, bleiben keine Müllberge und Zeltruinen übrig“, sagt Ramisch. Im Winter arbeiten der 30-Jährige und seine Kollegen mit der Caritas zusammen. Ein Teil der 36 Hütten dient dann Wohnungslosen als Kälteunterkunft.

Neben Stromanschlüssen gehören auch Ökotoiletten zu den Hütten-Dörfern. Der ganze Luxus und die Nachhaltigkeit haben allerdings auch ihren Preis: Beim Helene-Beach-Festival sind es 500 Euro für zwei Personen und fünf Nächte.

Trotzdem: „Es war die absolut richtige Entscheidung, hier zu schlafen“, erzählt Ludwig Schmidt. Nach einer durchzechten Nacht fühle er sich schlecht. „Das hätte ich im Zelt nicht überlebt.“ Die Hütte neben ihm haben sich Holger und Fynn Schwellnus eingerichtet. Der 17-jährige Fynn findet es in Ordnung, mit Papa ein Festival zu besuchen. Nächstes Jahr will er mit seinen Kumpels wiederkommen – und zelten. „Aber als 50-Jähriger ist die Zeit des Zeltens längst vorbei“, sagt Holger Schwellnus.

Auf eine andere Art der Unterkunft schwören Günter und Brigitta Gräber: Seit 1984 haben sie einen Bungalow am Helenesee. Das Ehepaar besucht zwar nicht das Musik-Festival. „Aber wir sind in der Saison immer hier“, sagt der 80-jährige Günter Gräber, als er mit seiner Frau die Strandpromenade entlangläuft, um sich alles anzuschauen.

Mit den Festivalbesuchern haben sie noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. „Mein Gott, wir waren auch mal jung“, sagt Brigitta Gräber. Vor 41 Jahren, als sie den Bungalow noch nicht hatten, schliefen auch sie am Helenesee im Zelt. 

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