Hirntumor : Zaubermedizin gegen den Stein im Kopf

Geben den Kampf nicht auf: Melanie Pawlowicz gibt ihrer Tochter Lara Halt. Gleiches gilt auch für Vater Martin Pawlowicz.
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Geben den Kampf nicht auf: Melanie Pawlowicz gibt ihrer Tochter Lara Halt. Gleiches gilt auch für Vater Martin Pawlowicz.

Die dreijährige Lara aus Fehrbellin hat einen inoperablen Hirntumor / Gemeinde richtet Spendenkonto für die Familie ein

svz.de von
19. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Der Feind sitzt in Laras Kopf. Er ist etwa so groß wie ein Tischtennisball. Und er wächst. Die dreijährige Fehrbellinerin hat einen Hirntumor, der nicht operiert werden kann. Arbeitskollegen der Mutter aus dem Fehrbelliner Hort wollen nun helfen: Sie rufen zu einer Spendensammlung für die Familie auf.

Lara ist das erste Kind von Melanie und Martin Pawlowicz aus Fehrbellin. Seitdem das kleine Mädchen am 2. Oktober 2011 geboren wurde, ging es immer bergauf. Lara wuchs heran, wurde zu einem lebhaften Kind. „Es war alles in Ordnung, es gab keinerlei Auffälligkeiten“, sagt die 27-jährige Mutter. Doch bei dem kleinen blonden Mädchen mit dem bezaubernden Lächeln muss schon seit längerer Zeit nicht mehr alles in Ordnung gewesen sein, als es im August 2014 plötzlich begann, den Kopf schief zu halten. „Sie ist viel gewachsen in der Zeit. Wir dachten, es liegt daran, dass der Körper nicht so schnell mitkommt“, erinnert sich Melanie Pawlowicz.

Am 22. August war in Laras Kindergarten eine Untersuchung des Gesundheitsamtes angesetzt. „Da hat sie relativ schlecht abgeschnitten“, erklärt die Mutter. Farben, die die damals Zweijährige schon längst kannte, konnte sie plötzlich nicht mehr zuordnen. Die sportlichen Übungen gelangen ihr nicht, beispielsweise das Stehen auf einem Bein. „Das alles konnte sie vorher“, sagt Melanie Pawlowicz. Manchmal lief Lara staksig, dann malte sie auf einmal mit links statt wie bisher mit rechts. Zuerst wurde das noch auf einen Hundebiss nur wenige Tage vorher geschoben. Doch Laras Mutter war die Situation nicht geheuer: Sie fuhr zum Kinderarzt.

Die Ärztin kennt Lara lange. Auch sie stellte fest, dass sich das Kind zurückentwickelt hat und überwies die Zweijährige ins Krankenhaus nach Neuruppin. „Da wurde sie in ein MRT gelegt“, erklärt Melanie Pawlowicz. Mittels der Magnetresonanztomografie kann die Struktur des Gewebes gezeigt werden. „Nach einer Stunde hatten wir ein Ergebnis.“ Was dieses bedeutete, erfuhren die Eltern erst im Berliner Virchow-Klinikum der Charité.

„In Neuruppin haben wir nur verstanden, dass das Hirnwasser nicht ablaufen kann“, so die Mutter. In Berlin war dann klar, dass die Ursache dafür ein Hirntumor ist. Als großer, weißer Fleck mitten im Kopf ihrer kleinen Tochter prangte dieser Schrecken nun auf den Röntgenfotos, die das Ehepaar bekam.

Am 27. August war Lara ins Krankenhaus gekommen, zwei Tage später wurden die ersten Proben des Tumors genommen. Ein Schlauch wurde gelegt, durch den das Hirnwasser ablaufen kann. Am 5. September schließlich haben die Ärzte versucht, den Tumor zu entfernen – vergeblich. „Er liegt am Hirnstamm“, erklärt die Mutter. Das Risiko, dass Lara nach einer Operation behindert sein könnte, ist zu groß. „Also wurde nur ein minimaler Streifen entfernt.“ Bei einer dritten OP galt es, einen Schlitz so zu setzen, dass das Hirnwasser künftig besser ablaufen kann. Bei der vierten Operation wurde ein Port, ein Zugang für die Chemotherapie gesetzt. Die Therapie begann am 20. September. Die ersten fünf Einheiten hat Lara gut überstanden, doch dann setzte das Fieber ein. Die Behandlung musste erst einmal abgebrochen werden. Dazu kam eine Blutvergiftung.

Die Familie pendelte ständig zwischen Fehrbellin und Berlin. War das Elternzimmer in der Charité besetzt, buchten die Eltern ein Hotelzimmer. Insgesamt sind 14 Chemotherapie-Termine geplant, der erste nach der Blutvergiftung ist für heute angesetzt. Geht alles gut, wird Lara bis März 2015 behandelt. Kommt etwas dazwischen, kann sich alles noch länger hinauszögern.

Momentan geht es Lara gut – wegen der Chemotherapie-Pause. Während der Behandlung plagen sie immer wieder Fußkrämpfe und Rückenschmerzen. Die mittlerweile Dreijährige ist dann sehr schwach, kann kaum essen oder trinken.

Irgendwann in diesem Kreislauf aus Schmerzen, Angst und Ungewissheit hat Lara gefragt, warum sie eigentlich im Krankenhaus ist. Seitdem weiß sie, dass sie einen bösen Stein im Kopf hat. Durch die Schläuche wird eine Zaubermedizin in ihren kleinen Körper gepumpt, die den Stein zerstören soll. Die Eltern staunen immer mal wieder über ihr tapferes kleines Mädchen, das nach dem Aufwachen aus einer schweren Operation auch schon mal als Erstes fragt, ob es denn nun die versprochene Pizza essen darf.

Eine Unterstützung in dieser Zeit sind den Eltern die Familie, aber auch die Kollegen. Martin Pawlowicz, ein Krankenpfleger, war die ersten Wochen der Krankheit seiner Tochter krank geschrieben. Mittlerweile geht er wieder arbeiten, muss Klinikbesuche, Job und Zuhause unter einen Hut bringen. Seine Frau ist von der Gemeinde Fehrbellin – ihrem Arbeitgeber – auf unbestimmte Zeit freigestellt worden. Doch der Kontakt mit den anderen Hort-Erzieherinnen reißt nicht ab, im Gegenteil. Besonders mit Manuela Pietschke und Nadine Fähnrich redet Melanie Pawlowicz fast täglich, schickt ihnen Fotos und hält sie auf dem Laufenden. Am Tag der großen Operation am 5. September haben die beiden Frauen im Hort eine Kerze für Lara angezündet. Von der Hort-Leitung und der Gemeinde bekommen sie jede Unterstützung, die sie brauchen.

Doch die beiden Frauen wollen mehr helfen. Sie haben in der Gemeinde Fehrbellin ein Spendenkonto einrichten lassen. Mit dem Geld, das auf diesem Wege zusammenkommt, wird die Familie unterstützt. Denn es ist noch nicht absehbar, wann sie wieder einen normalen Alltag haben kann. Außerdem gibt es auch noch weitere Therapien, beispielsweise mit Pferden, die für Lara infrage kommen könnten. „Sie liebt Tiere so sehr“, sagt ihre Mutter. Melanie Pawlowicz hofft, dass ihre Tochter durch ein solches Angebot wieder mehr Selbstbewusstsein bekommen könnte. Denn vor allem zu Beginn der vielen Krankenhausaufenthalte war Lara skeptisch gegenüber Fremden. „Sie hatte Angst, dass sie ihr wehtun“, erklärt die 27-jährige Mutter. Sie hofft durch den Gang in die Öffentlichkeit, Menschen zu finden, die ein ähnliches Schicksal teilen und mit denen sie sich austauschen kann. Nicht zuletzt würde Lara so vielleicht Kontakt zu anderen betroffenen Kindern bekommen, denn das Spielen mit ihren Altersgenossen wurde ihr verboten. Die Ansteckungsgefahr ist für ihren geschwächten Körper zu groß. Krebskranke Kinder hingegen werden ständig auf Krankheiten untersucht.

Das Ziel ist es, das Wachstum des Tumors zu stoppen. „Und vielleicht wird er sogar etwas kleiner“, hofft die Mutter. Bald wird wieder ein MRT anstehen, um den Zustand des Krebses zu untersuchen und diesen unberechenbaren Feind in Laras kleinem Kopf im Blick zu haben.

Spendenkonto „Spende Lara“
Inhaber des Spendenkontos ist die Gemeinde Fehrbellin.
Kontodaten: IBAN DE 10160502021001021165, Stichwort „Spende Lara“.
Wer Kontakt mit den Eltern aufnehmen möchte, kann dies per E-Mail unter melanie.pawlowicz@yahoo.de tun.

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