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Agrarministerium in der Kritik : Wühlmaus bedroht Obstbaustation

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unterstützer der traditionsreichen Landes-Einrichtung in Märkisch-Oderland schlagen Alarm.

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die traditionsreiche Obstbaustation des Landes nimmt nach Einschätzung von Experten weiter Schaden. Das Agrarministerium steht zunehmend in der Kritik, da kaum etwas gegen den Verfall unternommen werde.

Auf einem Seminar zum Thema Obstforschung verschafften sich Pomologen ihrem Ärger jüngst Luft. Das 90 Jahre alte frühere Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) verkomme zusehends. In der 32 Hektar großen Anlage sei zwischen November vergangenen und Januar dieses Jahres niemand anzutreffen gewesen. „Es gibt auch keine weitere Kontaktmöglichkeit“, klagte mit Carsten Kühn ein in der Region bekannter Obstbau-Experte auf dem Treffen in Schöneiche bei Berlin. Auffällig sei, dass keine der üblichen im Winter dringend notwendigen Pflegemaßnahmen zu beobachten seien. „Der Befall von Schädlingen nimmt zu. Wühlmäuse breiten sich aus, Bodenpflege und Unkrautbekämpfung erfolgen nicht“, berichtete Kühn.

Jene Wühlmäuse, die sich im Herbst am herabgefallenen Obst gelabt hätten, lebten nun unter der Erde und würden dort die Wurzeln der Obstbäume fressen. Unternehme man dagegen nichts, drohe genauso Totalverlust wie beim Unterlassen des Winterschnitts der Bäume. Schon das zweite Jahr in Folge sei dieser nun nicht erfolgt. Das könne man nicht irgendwann im Mai nachholen, erklärten die Experten.

Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte im Herbst 2016 ein Konzept zum Erhalt der renommierten Station vorgestellt. Beobachter sind sich jedoch einig, dass die geringen bereitgestellten Mittel den langsamen Tod der Obstbauanlage bedeuten würden. Lediglich einen Fachmann bezahlt das Land, um eine Fülle von Aufgaben zu erledigen. „Wenn es bei der jetzigen Situation bleibt, ist die Station in zwei Jahren kaputt“, warnte Carsten Kühn. Schon heute könnten stark nachgefragte Seminare für die lokale Obstwirtschaft und Hobby-Gärtner nur noch durch die Hilfe von Firmen und Vereinen angeboten werden.

In der Station werden unter anderem mehr als 1000 historische Apfelsorten vor dem Verlust bewahrt und neue Sorten gezüchtet, die dem Klimawandel trotzen sollen. Die Anlage hat zuletzt diverse Trägerwechsel erlebt, Geld für die Forschung gibt es seit 2014 nicht mehr. Seit Anfang 2016 gehört sie zum Landesamt für Ländliche Entwicklung und Landwirtschaft.

Stationsleiter Hilmar Schwärzel hatte im vergangenen Sommer im Gespräch mit dieser Zeitung vor einer Vernachlässigung der Anlage gewarnt: „Dann geht ganz schnell viel Wissen verloren. Bewirtschaftet man den Garten privat, bleiben von 1000 verschiedenen Apfelsorten vielleicht 50 übrig.“ Übertrieben wirkten die Warnungen schon damals nicht. In einzelnen Baumreihen stand das Unkraut bereits meterhoch, weil das Personal für die Pflege fehlte.

 

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