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Wölfe in Brandenburg : Wolf spaziert mehrmals durchs Dorf - kein Abschussgrund

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bundesamt für Naturschutz stößt mit seinen Ideen auf Kritik. Bauernpräsident spricht von „Kriegserklärung“

svz.de von
erstellt am 09.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Auch wenn sich ein Wolf über mehrere Tage hinweg immer wieder bewohnten Häusern auf weniger als 30 Meter nähert, ist das in den Augen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kein Grund, ihn abzuschießen. Bei Bauern und Jägern in Brandenburg sorgt diese Erklärung für Empörung.

„Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“ – so ist ein Beitrag des Bundesamts in der aktuellen Ausgabe der hauseigenen Zeitschrift „Natur und Landschaft“ überschrieben. Ausgeführt wird, was zu tun sei, wenn sich Wölfe Siedlungen nähern. So sehen die Naturschützer „keinen Handlungsbedarf“, wenn die Tiere nachts oder tagsüber in Sichtweite von Wohnhäusern auftauchen. Dies sei „ungefährlich“. Nähert sich ein Wolf immer wieder auf weniger als 30 Meter, verlange das Aufmerksamkeit und „eine genaue Analyse der Situation“. Zeigt er Interesse an Menschen, sollte er mit einem Sender versehen und vergrämt, also vertrieben werden. Erst wenn das nicht fruchtet oder der Wolf aggressiv auf Menschen reagiert, komme ein Abschuss in Frage. Das BfN betont, dass vor jeder möglichen Aktion gegen auffällige Wölfe Behördenvertreter und Experten für eine Einzelfallanalyse zu Rate gezogen werden sollten.

Wortmeldungen des Bundesamts haben keinerlei verbindlichen Charakter, dennoch fielen gestern die Reaktionen heftig aus. Wohl auch, weil die Behörde drauf und dran war, am selben Tag ihre Marschroute eigens auf einer Pressekonferenz vorzustellen, die nach Protesten in letzter Minute abgesagt wurde.

„Die Realitätsferne des BfN ist mittlerweile die Hauptursache für das Schwinden der Akzeptanz dem Wolf gegenüber“, erklärte Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff gestern. Er warf dem Amt Starrsinnigkeit vor, wenn es in seinem Schreiben an anderer Stelle ausführe, dass Wölfe, die Zäune überwunden haben und Weidetiere reißen, in Sachen Gefährlichkeit nicht anders bewertet werden sollen als Wölfe, die keine Nutztiere töten. „Diesen Ansatz können wir nur als offene Kriegserklärung an die Weidetierhalter verstehen“, so Wendorff.

Der Präsident des Landesjagdverbands sieht in dem Konzept des Bundesamts „eine verantwortungslose Zumutung für die Bevölkerung in Brandenburg“. Sollten diese Pläne Realität werden, „wäre der endgültige Verlust für die Akzeptanz des Wolfes todsicher“, ist Dirk Wellershoff überzeugt. Er erinnerte daran, dass nach den BfN-Kriterien jener Wolf, der sich Ende 2016 einer Kita im Havelland genähert hatte, lediglich „erhöhte Aufmerksamkeit“ verlangt hätte. Tatsächlich wurde seinerzeit mit Zustimmung des Naturschutzbunds Brandenburgs kurzfristig eine Abschusserlaubnis erteilt. Der Wolf tauchte dann allerdings nicht mehr auf.

Heftige Kritik am Bundesamt kam auch aus Mecklenburg-Vorpommern. Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) rügte, dass die Behörde unabgestimmt nach vorn presche, und zwar bevor die Länderminister kommende Woche in Potsdam genau diese Themen behandeln wollen. In der Mark begrüßt man, dass die Pressekonferenz des BfN abgesagt wurde. „Wir haben zwar nicht dagegen interveniert, aber es ist schon sinnvoll, noch eine Woche auf das Ministertreffen zu warten“, erklärte Jens-Uwe Schade, Sprecher des Brandenburger Agrar- und Umweltministeriums.

Mathias Hausding

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