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Energiewende : Woidke gegen festes Datum für Braunkohle-Ausstieg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Klare Zeitrahmen gibt es nicht – und auch Brandenburgs Regierungschef lehnt eine Debatte darüber ab.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat sich gegen ein festes Datum für den Ausstieg Deutschlands aus der Braunkohle ausgesprochen. Die erneuerbaren Energien seien bislang nicht in der Lage, einen zuverlässigen Ersatz zu bieten. In der Förderpolitik müsse es deshalb ein Umdenken geben, sagte Woidke in einem Interview mit Rochus Görgen in Potsdam.

Bei der Debatte um die Klimaschutzpläne der Bundesregierung wurde ein klarer Weg in den Braunkohle-Ausstieg abgewendet. Aber wäre es nicht für die Region Lausitz besser, dass sie einen konkreten Zeitplan hätte?

Dietmar Woidke: Die Braunkohle wird solange gebraucht, bis die erneuerbaren Energien wirklich zuverlässig sind. Dazu gehört insbesondere die Speichertechnologie, die es in der notwendigen Form noch nicht gibt.

Schauen sie doch jetzt aus dem Fenster: Es weht kein Wind, die Sonne scheint auch nicht so richtig, bleibt nur noch etwas Biogas. Das bedeutet, die Lampen hier im Büro leuchten mit Braunkohlestrom.

Es müssen Anstrengungen unternommen werden, um die Erneuerbaren Energien zu zuverlässigen, planbaren zu machen. Das ist nach wie vor ein sehr, sehr langer Weg. Dann wird es Schritt für Schritt möglich sein, die fossilen Energieträger aus dem Netz zu nehmen.

Es wird über die Jahre 2030 oder 2050 diskutiert. Ist das realistisch?

Jetzt darüber zu diskutieren, wir müssten in 10, 20 oder 40 Jahren die Braunkohle abschalten, würde nur dazu führen, dass wir in Deutschland Arbeitsplätze verlieren und Wertschöpfung ins Ausland abfließt. Denn dann würde Kohlestrom aus Polen oder Tschechien oder Atomstrom aus Belgien oder Frankreich importiert. Das sollten wir nicht zulassen. Nach dem Atomausstieg den letzten verlässlichen und bezahlbaren Energieträger aus dem Netz zu nehmen, wäre grob fahrlässig.

Aber die Braunkohleregion Lausitz weiß dann nicht, wie lange es weitergeht.

Die Lausitz wird wissen, wie es weitergeht. Der Betreiber LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG - Anm. d. Red.) wird Mitte des Jahres den Investitionsplan für die nächsten Jahre vorstellen. Für uns ist das immens wichtig, 8000 Arbeitsplätze hängen direkt und weitere zigtausende Arbeitsplätze indirekt von der Braunkohle ab. Wir sind schon lange auf dem Weg, damit zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Aber nicht gegen bestehende Arbeitsplätze, sondern mit den Arbeitsplätzen.

Was müsste getan werden, um den CO2-Ausstoß schnell zu verringern?

Brandenburg ist bundesweit führend bei den Regenerativen. Jetzt geht es um die Frage nach einer zuverlässigen Stromversorgung rund um die Uhr mit einem möglichst hohen Anteil an Erneuerbarer Energie. Wir brauchen Speichertechnologie und nicht unbedingt zig weitere Windkraftanlagen. Wir brauchen regionale Konzepte für eine möglichst CO2-arme, preisgünstige und zuverlässige Versorgung. Ohne Braunkohle ist das heute leider noch nicht zu machen.

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